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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Bauern müssen zur Wasserspritze greifen

19.07.2019

Wildeshausen Der Blick aufs Thermometer erfreut die Urlauber. Manchen Landwirt bringen Temperaturen um die 30-Grad-Grenze, wie sie für kommende Woche angekündigt sind, zum Bibbern. Denn an vielen Standorten bekommen die Pflanzen nicht ausreichend Wasser, wie auch Landvolk-Kreisgeschäftsführer Bernhard Wolf weiß. Die Niederschläge des Frühjahrs haben die Wasserverluste im Hitzesommer 2018 längst nicht ausgeglichen. Zunehmend wird über Beregnungsanlagen nachgedacht.

Wie viele Brunnen gibt es im Landkreis Oldenburg?

Die Zahl der landwirtschaftlich genutzten Brunnen im Kreisgebiet ist im Vergleich zu 2017 um 30 angestiegen. Das berichtet Ralf Meints von der Unteren Wasserbehörde auf Anfrage dieser Zeitung. Insgesamt gibt es 160 Brunnen. Gut 70 landwirtschaftliche Betriebe nutzen die künstliche Beregnung. Die Genehmigung sei aber mit hohen Auflagen verbunden. So sei keine Wasserentnahme in Naturschutzgebieten erlaubt. Auch in Wasserschutzgebieten gebe es Einschränkungen – allein schon wegen der Konkurrenzsituation mit den örtlichen Wasserversorgern.

Wie funktioniert das Vergabeverfahren?

Der Aufwand für das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren sei unterschiedlich hoch, erklärt Meints. Sind keine Belange Dritter beeinträchtigt und keine Schutzflächen ausgewiesen, dauere das Verfahren nur wenige Wochen, und der Landwirt könne einen Brunnen bohren. „Sind dort aber Wassergräben oder Moor, wird es kompliziert“, sagt der Fachmann. Bei „größeren“ Anträgen ziehe die Behörde die Landwirtschaftskammer oder einen Gutachter hinzu. Berücksichtigt würden auch Bodenqualität und Fruchtfolge. So müssten etwa Kartoffeln an kargen Standorten drei- bis viermal jährlich bewässert werden.

In der Regel würden die Lizenzen für die Wasserentnahme für 20 Jahre vergeben, unterteilt in zwei Beregnungsperioden. Nach zehn Jahren ziehe man Zwischenbilanz. Meints zufolge laufen viele Förderrechte aber schon seit Jahren, beispielsweise im Bereich des Kartoffel-Vertragsanbaus auf kargen Böden. Es werde wechselweise, je nach Bedarf, beregnet.

Was kostet die Bauern die künstliche Beregnung?

Der Fachmann der Wasserbehörde widerspricht Vermutungen, die Landwirte würden leichtfertig zur Wasserspritze greifen. „Beregnung ist ein teures Geschäft“, sagt Meints. Ein Durchgang koste 150 Euro pro Hektar, vor allem für Diesel- und Leitungskosten. Bis zur einer Grenze von 40 000 Kubikmeter seien pauschal 260 Euro für die Grundwasserentnahme fällig; danach müssen 0,7 Cent/Kubikmeter gezahlt werden. Die Kosten für eine Beregnungsanlage würden kaum durch die Erlöse aus dem Getreideverkauf deckt, heißt es. Durch die Trockenheit steige der Druck auf die Flächen weiter. Die Landwirte wollen das Wassermanagement positiv begleiten, so Landvolk-Manager Wolf.

Wird auch kontrolliert?

Ja, sagt Ralf Meints von der Wasserbehörde. An der Beregnungsanlage wird eine Wasseruhr installiert oder es gibt einen Zähler an der Pumpe. Zudem müssen die Landwirte ein Betriebsbuch führen. Die Behörde führe unangemeldet stichprobenartig Kontrollen durch. Bei Verstößen drohe die Eintragung im sogenannten „Cross-Compliance-Register“; das heißt, der Bauer muss mit Kürzungen der Agrarsubventionen rechnen.

Ist auch eine Entnahme aus der Hunte erlaubt?

Insgesamt zwölf Betriebe im Landkreis Oldenburg haben noch nach dem alten niedersächsischen Wassergesetz eine Genehmigung, Wasser aus der Hunte für die Beregnung ihrer Felder zu nutzen. Seit vier Wochen ist diese Erlaubnis aber ausgesetzt, so Meints. Der Grund: Der maßgebliche Pegel in Colnrade ist unter die Grenze von 21,73 m NN gefallen. Noch bis Juni 2018 habe die Hunte vom nassen Sommer 2017 profitiert, sich danach aber nicht wieder erholt, erklärt Meints.

Übrigens: Für Viehtränken dürfen die Landwirte das Wasser aus ihren Brunnen jederzeit nutzen. Gleiches gelte für das Huntewasser.

Und die Wasserentnahme für Beregnungsanlagen sei auch nur ein Bruchteil im Vergleich zur Trinkwasserförderung. Während aus Beregnungsanlagen maximal 1,8 Millionen m³ pro Jahr auf die Felder im Landkreis fließen, werden 37,3 Mio. Kubikmeter Trinkwasser gefördert.

Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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