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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

In der Alexanderkirche sind die Küken los

29.05.2019

Wildeshausen Über steile Treppen und durch enge Gänge, entlang der drei Glocken der Alexanderkirche, hoch bis unter das Dach. Hier, in einem unscheinbaren Holzkasten, in 55 Meter Höhe war es bis vor kurzem noch still. Doch jetzt kommt aus dem Kasten ein Piepsen, denn dort sind sechs Turmfalken-Küken geschlüpft. „Am 4. Mai lagen dort noch Eier“, sagt Wolfgang Jöllenbeck, der seit 20 Jahren in der Alexanderkirche als Küster arbeitet. Alle ein bis zwei Wochen schaut Jöllenbeck nach dem Kasten und fand jetzt die freudige Überraschung vor.

Der Nistkasten wurde vor zwölf Jahren von Dr. Johannes Bartner vom Naturschutzbund Oldenburg im Kirchturm angebracht. Hintergrund war eine Aktion, um die Population der Turmfalken zu vergrößern. „Wie der Name Turmfalke schon sagt, brütet er an Hochhäusern, wo eine Luke oder eine Kerbe in der Mauer ist“, erklärt Bartner.

Ursprünglich sind es Felsenbrüter gewesen, aber durch die zunehmende Bebauung gibt es die Falken auch in unserem Bereich. Sie sind auf hohe Gebäude angewiesen. Weil viele der Luken aber verschlossen sind – um zu verhindern, dass Tauben hereinkommen – brauchte es eine Alternative. „Die Falkenpopulation hatte gefühlt abgenommen“, erklärt Bartner.

Falken bauen kein Nest

Doch in den Nistkasten der Alexanderkirche zogen die Turmfalken erst später ein: „Die ersten zwei bis drei Jahre war er durch Dolen besetzt. Irgendwann hat sich der Falke durchgesetzt und den Nistkasten erobert. Seitdem nisten sie jedes Jahr hier“, erklärt der Küster. Damit dort ein Turmfalken-Pärchen einzieht und seine Jungen ausbrütet, kontrolliert Bartner den Nistkasten in der Alexanderkirche alle zwei bis drei Jahre. „Man muss gucken, ob da andere Vögel drin sind wie Tauben oder Dolen. Dann müsste man die Nester entfernen, weil sonst kein Falke dort mehr brüten würde.“ Denn der Falke baut kein eigenes Nest wie viele Vögel, „er braucht eine Art Nistunterlage“, erläutert Bartner. Dafür legt er in den Nistkasten eine vier bis fünf Zentimeter dicke Schicht aus Holzschnipseln und Einstreu für Kaninchen, „das reicht dem Falken aus, um dort seine Eier zu legen“.

Dass in diesem Jahr alle sechs Eier ausgebrütet wurden, ist etwas Besonderes. Vorletztes Jahr zum Beispiel waren es nur drei Küken, die anderen drei Eier wurden nicht ausgebrütet. „Es hängt immer davon ab, wie viele Mäuse als Nahrungsmittel zur Verfügung stehen“, sagt Bartner. Alternativ jagen die Falken auch kleinere Vögel oder große Insekten. „Sie haben dafür einen siebten Sinn, irgendeine Vorausahnung, wie die Wetterverhältnisse in den nächsten Wochen sind. Sie legen und brüten ihre Eier mit der Gewissheit, dass sie auch alle Jungen durchkriegen.“ Auch in den anderen Nistkästen in der katholischen Kirche und im Klärwerk sind jeweils fünf bis sechs Turmfalken-Eier.

Insgesamt dauert es vier Wochen, bis die Jungen schlüpfen. Je nach Wetterlage beginnt die Brutzeit im April oder Mai. Das Weibchen übernimm das Brüten, während das Männchen auf die Jagd geht. Ab und zu kann es aber auch vorkommen, dass das Männchen brütet.

Partner fürs ganze Leben

„Nachdem die Jungvögel geschlüpft sind, brauchen sie noch einmal viereinhalb Wochen, bis sie flügge sind“, so Bartner weiter. In dieser Zeit werden sie mit Mäusen durch den Altvogel gefüttert, der die Beute in kleine Stücke zerlegt und den Jungvögeln in den Schnabel legt.

Dann fliegen sie raus und setzen sich auf den nächsten Baum oder auf einen Mauervorsprung. Ganz weg von ihrem Geburtsort wollen sie dann aber noch nicht, sondern bleiben noch weitere vier Wochen in der Nähe, bis sie in die große weite Welt starten.

In der nächsten Zeit wird der Küster noch öfter den Turm hinaufsteigen und nach den kleinen Falken sehen. Doch wenn sie ihr braunes Gefieder kriegen und in der Lage sind rauszufliegen, bleibt er dem Nistkasten fern: „Dann stör ich nicht mehr, sie könnten sonst vor Schreck aus dem Nistkasten springen, obwohl sie noch nicht richtig fliegen können.“

Auch im nächsten Jahr werden hoffentlich wieder kleine Turmfalken in dem Turm der Alexanderkirche geboren. Möglicherweise wird es wieder das gleiche Falkenpaar sein, das sich dort niederlässt. Denn Turmfalken führen eine Einehe. Sie bleiben ihr Leben lang zusammen und kommen zu ihrem Nistplatz zurück. „Aber weil man sie nicht unterscheiden kann, ist das nur eine Mutmaßung“, betont Barnter.

Neben den Turmfalken und Dolen haben auch Mauersegler, eine Schleiereule und Fledermäuse im Turm ein Zuhause gefunden. „Die Fauna ist schon groß“, so Jöllenbeck. Dass die drei Glocken immer wieder läuten, stört laut dem Küster keinen.

Soeke Heykes Volontär, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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