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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Gedenktag: „Wir müssen Geschichte vor der Haustür aufarbeiten“

27.01.2014

Frage: An diesem Montag wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Wären da nicht ganz viele Gedenkveranstaltungen an den Orten nötig, wo Juden gelebt haben?

Meiners: Ja, das wäre angebracht. Und das geschieht ja auch vielerorts. Es hängt immer davon ab, wie die Stadt oder die Gemeinde dahinter steht. Und vor allem auch die Schulen. Auf die Mitarbeit von Jugendlichen kommt es an, sie sind die Haupt-Zielgruppe von Erinnerungsarbeit.

Frage: Wird in Ganderkesee zu wenig getan, um die Erinnerung wach zu halten?

Meiners: Das will ich nicht sagen. Es gibt in Ganderkesee sogar am Feuerwehrhaus eine Erinnerungstafel für das Feuerwehrmitglied Fritz Alexander. Der Gedenkstein vor dem Haus der Familie Alexander geht allerdings ein bisschen unter. Da könnte man sicher mehr machen, zum Beispiel an diesem Tag. Es kann aber auch der 9. November sein oder der Volkstrauertag.

Einzige jüdische Familie in Ganderkesee

Die Familie des Viehhändlers Fritz Alexander war seit 1813 in Ganderkesee ansässig und als einzige jüdische Familie im Ort lange respektiert. Ihr Haus stand am Ring/Ecke Lange Straße. 1940 mussten Fritz und Sara Alexander in ein jüdisches Altenheim in Hamburg umsiedeln. Von dort wurden sie in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie 1942/1943 starben. Zwei ihrer drei Kinder, Rosa und Adolf, wurden ebenfalls im Holocaust ermordet, ihr Sohn Heino überlebte. Der Historiker Dr. Werner Meiners, einst Lehrer in Ganderkesee, hat die Geschichte der Familie erforscht und geschildert.

Frage: Im November 2012 hielten sie einen Vortrag über die Familie Alexander mit dem Titel „Enteignet – vertrieben – vernichtet – vergessen“. Zumindest gegen das Vergessen kann man noch etwas tun . . .

Meiners: Natürlich. Deswegen habe ich den Vortrag gehalten. Die Gefahr des Vergessens droht ständig. Mein Buch von 1988 über die Familie Alexander war 2012 bei vielen schon wieder vergessen. Auf die Schicksale der Juden muss immer wieder neu aufmerksam gemacht werden. Gut ist immer, wenn es vor Ort eine Gruppe gibt, die das macht.

Frage: In Ganderkesee gibt es am 27. Januar stets einen ökumenischen Gottesdienst  . . .

Meiners: Das ist schon ein wichtiger Punkt. Aber die Frage ist, welche Rolle das örtliche Geschehen dabei spielt. Wir müssen die Geschichte vor unserer Haustür aufarbeiten. Jedes einzelne Schicksal ist es wert, erzählt zu werden.

Frage: Glauben Sie, dass vielfach noch schlechtes Gewissen die Aufarbeitung erschwert?

Meiners: Das spielt eine immer kleinere Rolle. Es gibt kaum noch Augenzeugen. Deshalb müssen wir uns Gedanken machen, wie man das Erinnern fortsetzen kann. Da ist Kreativität gefordert.

Frage: Was halten Sie von der Möglichkeit, Straßen nach ermordeten Juden zu benennen?

Meiners: Natürlich ist das eine gute Möglichkeit. Es sollte schon lange eine Alexanderstraße in Ganderkesee geben. Eine andere Form des Erinnerns sind die Stolpersteine.

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Frage: . . . denen einige Juden kritisch gegenüberstehen . . .

Meiners: Ach, die meisten sind durchaus aufgeschlossen. Und wenn der Effekt eintritt, dass junge Leute sich interessieren und die Geschichte dahinter erforschen, hat der Stein seine Funktion erfüllt. Wichtig ist nicht, wie das Erinnern materiell stattfindet, sondern dass es eine Auseinandersetzung mit der Geschichte auslöst.

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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