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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Solidarische Landwirtschaft kommt an

03.02.2018

Wüsting /Grummersort Schon als Junge mit winzigen Gummistiefeln ist Eike Frahm über den Hof am Hauptmoorweg 3 in Hude gestapft. Und schon damals war der jetzt 31-Jährige von den vielen Tieren und dem Anbau von Gemüse fasziniert. Dass er einmal Pächter des Bauernhofes werden würde, hätte er damals wohl nicht gedacht.

Im Mai 2017 verabschiedeten sich die ehemaligen Landwirte des Hofes, Angelika und Volker Kipping sowie Margret und Horst Zimmermann, in die Rente und übergaben den Hof an eine neue Generation. So erhielten Eike und Julia Frahm, Christoph Zimmermann als Sohn der vorigen Generation und Marie Martensen sowie Sebastian Mall und Eva Rotter die Chance, den Hof in die Zukunft zu führen.

Drei Ideen

Und dieser Weg führt über insgesamt drei Säulen: Verkauf der Produkte auf Wochenmärkten, die Hofkiste, bei der ausgewählte Produkte nach Hause geliefert werden, und die solidarische Landwirtschaft. „Ein Fünftel unserer hofeigenen Produkte wird unter an die Mitglieder der solidarischen Landwirtschaft verteilt. Insgesamt beteiligen sich 68 Personen oder Gruppen so an unserem Hof“, erläutert Frahm.

In der Backstube zaubern zwei Bäcker Nacht für Nacht köstliche Brote.

Für einen Beitrag von rund 180 Euro im Monat bekommen die Beteiligten derzeit beispielsweise rund 2,5 Kilo saisonale Gemüse wie Möhren, rote Bete oder Feldsalat, Brot aus dem Steinbackofen, sowie Quark, Milch, Joghurt und Käse in einem Umfang von 7,5 Litern wöchentlich. „Im Sommer gibt es mehr Gemüse, weil es deutlich schneller wächst. Außerdem erhöht sich die Milchmenge“, erläutert der Landwirt, der schon vor dem Generationenwechsel über zwei Jahre auf dem Hof in Grummersort gearbeitet hat.

Mitmachen?

Die neuen Ernteanteile werden ab April 2018 vergeben. Insgesamt können 25 neue Kunden aufgenommen werden, die Anteile sind teilbar.

Interessierte können sich unter kontakt@solawi-oldenburg.de melden oder freitags ab 15 Uhr am Hauptmoorweg 3 in Hude vorbei schauen.

Mit dem Modell sichern die Mitglieder der solidarischen Landwirtschaft die finanzielle Basis für den Hof zwischen Wüsting und Hude, der sich seit dem Kauf im Jahr 1979 zu einem Ort entwickelt hat, auf dem eine vielfältige Auswahl landwirtschaftlicher Produkte in Bio-Qualität und mit Demeter-Zertifizierung entsteht. Aus den anfänglich drei Hektar wurden mit den Jahren 60 Hektar Fläche, die bewirtschaftet werden. Außerdem wurde 1997 die Käserei gebaut, 2001 wurde das Gewächshaus errichtet und zuletzt im vergangenen Jahr erweitert. „Dieser Hof ist ein unheimliches Geschenk“, blickt der 31-Jährige auf die vergangenen Monate zurück.

Im Gewächshaus ist für Anfang Februar schon gut was los. Wo andere Bauernhöfe erst auf besseres Wetter für ihre Feldern hoffen müssen, kann es in Grummersort schon jetzt losgehen. Salat, Rauke, Spinat und Kohlrabi sind gerade ins Gewächshaus eingezogen, wie Frahm erzählt. Er ist auf dem Hof für die Gärtnerei und den Ackerbau zuständig, Sebastian Mall kümmert sich um die Schafe, Kühe und Schweine und ist für die Käserei, Fleischverarbeitung und Bäckerei verantwortlich.

Familien auf dem Hof

Christoph Zimmermann kümmert sich um die Vermarktung der Produkte, die Buchführung und die Infrastruktur auf dem Hof. Alle drei leben mit ihren Partnerinnen und den Kindern auf dem Gelände. Auch sind hier zwei Mitarbeiter-Familien heimisch. „Insgesamt arbeiten in der landwirtschaftlichen Produktion 15 Mitarbeiter: zwei Bäcker, vier in der Käserei und drei Gärtner“, sagt Frahm. Dazu kommen noch Auszubildende und Praktikanten sowie das Personal in der Vermarktung.

Die drei Pächterfamilien

Insgesamt sechs Kinder werden hier gerade groß, erklärt der 31-Jährige gelernte Landwirt. Und die liegen der Hofgemeinschaft Grummersort auch im Allgemeinen ganz besonders am Herzen. So gibt es auf dem Hof auch eine Pädagogin, die mit Grundschülern und Kindergartenkindern den Hof entdeckt, auch ein extra Schulhaus für Klassen der Waldorfschule Oldenburg steht parat. „Der Bauernhof gehört dem Verein ’Landbau und Pädagogik’ und diesen Zweck verfolgen wir auch“, erläutert Frahm.

„Die Kinder sollen hier lernen, wo das Essen herkommt. Es ist einfach wichtig, dass sie wissen, dass eine Möhre in der Erde wächst“, findet der Landwirt und zweifache Vater. Wissen wo es herkommt – dieser Trend scheint auch immer mehr Menschen zu bewegen. „Die Nachfrage nach den Produkten und der solidarischen Landwirtschaft steigt“, hat der 31-Jährige in den Monaten als Pächter des Hofes beobachtet.

Die Anteile an den Hofprodukten sind durch alle Gesellschaftsschichten verteilt. Es seien sowohl WGs, als auch Uni-Professoren oder Ruheständler unter den Kunden. Gegessen beziehungsweise abgenommen werden muss, was für die Woche eingeplant ist. Dazu schickt Frahm einen Wochenbrief an die Mitglieder – in dem auch die wichtigsten Neuigkeiten vom Hof zusammengefasst sind. Getauscht werden können die Produkte dann untereinander.

In Oldenburg gibt es drei Abholdepots, die Huder können sich ihre Produkte jeweils freitags von 15 bis 18 Uhr auf dem Hof abholen. Dann sind dort auch Verkaufsstände aufgebaut, an denen sich auch die anderen Kunden mit Produkten vom Grummersorter Hof eindecken können.

Herzensangelegenheit

Voller Stall: 28 Kühe finden hier Platz, jährlich werden drei von ihnen geschlachtet Bild: Mareike Wübben

„Der Ort hier liegt uns allen am Herzen. Es war schon immer mein Traum, einen Bauernhof zu bewirtschaften“, erklärt Frahm seine Beweggründe für den Hof. In der Backstube riecht es an diesem Morgen noch nach frischen Backwaren, die Bäcker haben in ihrer Nachtschicht wieder Brot gezaubert. Die Kühe sind im Stall und fressen an ihrem angestammten Platz. Sie wurden gerade gemolken, erzählt Frahm, anschließend geht es für sie in den Liegestall. Im Sommer sind die 28 Kühe durchgehend im Freien. Im Stall sind an diesem Morgen auch die 20 Schweine – bis auf eins schlafen alle. Nur die Schafe sind putzmunter und blöcken nebenan vor sich hin.

Drei Kühe werden im Jahr geschlachtet, auch 20 Schweine lassen im Laufe eines Kalenderjahres ihr Leben. Das Fleisch wird als einziges Produkt nicht vor Ort verarbeitet. Es wird seit Juli 2017 vom Johanns-Hof in Ostfriesland weiterverarbeitet.

Und was hat sich noch seit dem Generationenwechsel noch getan? „Wir wollen mehr Städter hierher locken und mehr Mitmach-Projekte umsetzen. Im Unterschied zur Vorgängergeneration arbeiten unsere Frauen außerhalb der Landwirtschaft“, resümiert Frahm. Zukünftig wollen die drei Jungbauern eine Ochsenmast aufbauen, mehr Platz für die Kühe schaffen. Auch mehr Acker soll dazu kommen, um noch mehr eigene Produkte erzeugen zu können. „350 Anteile können wir maximal rausgeben“, sagt Frahm. Wenn die Nachfrage und das Interesse weiter steigen, steht dieser Zahl nichts im Weg.

Mareike Wübben
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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