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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Spaltet eine Wand jetzt das Dorf ?

12.04.2018

Wüsting /Hude Als 2016 die Deutsche Bahn ihr freiwilliges Lärmschutzprogramm für Teilbereiche in Hude umsetzte und dort Lärmschutzwände errichtete, waren viele Wüstinger enttäuscht, weil in ihrem Dorf nichts passieren sollte. Darauf wies Bürgermeister Holger Lebedinzew am Dienstag bei der Bürgerversammlung im Gasthof Buchholz hin. Er freue sich umso mehr, dass nun durch die Festsetzung neuer Grenzwerte noch vor Fertigstellung der Huder Maßnahme, auch Wüsting doch noch in den Genuss von Lärmschutzmaßnahmen komme.

Projekt HUde II

Das Lärmsanierungsprojekt Hude II, wie es die Bahn nennt, sieht 1,2 Kilometer Wand in Wüsting vor. Weitere 1,2 Kilometer sind an der Strecke vom Abzweig in Hude Richtung Nordenham vorgesehen. Weitere 1,75 Kilometer sind Ergänzungsmaßnahmen im Bereich der Huder Ortslage.

Die Kosten für die Schallschutzwände sind mit 6,6 Millionen Euro veranschlagt.

Mitte 2019 sollen die Bauarbeiten in Wüsting starten, 2020 soll Hude folgen.

Verärgert sind Huder Hausbesitzer, die in den Genuss passiver Förderung kommen können, nun aber weiter warten müssen, weil die aktiven Maßnahmen erst abgeschlossen sein müssen.

1200 Meter Lärmschutzwand sollen entlang der Bahnstrecke errichtet werden (NWZ berichtete). Hinzu kommt die Förderung passiver Maßnahmen (Fenster, Belüftung usw.) an Häusern, die vor 1974 errichtet wurden.

Uwe Kortylak, zuständiger Projektingenieur Lärmsanierung bei der DB Projektbau GmbH, stellte das Vorhaben im vollbesetzen Saal vor. Auch wenn sich Bürgermeister Lebedinzew überzeugt zeigte, dass die große Mehrheit froh über die Wüstinger Lärmschutzwand sei, musste sich der Vertreter der Bahn viel Kritik anhören.

Ein Knackpunkt ist die Tatsache, dass es nur eine einseitige Schallschutzwand an der Nordseite der Bahnstrecke geben wird. Nur das „alte Dorf“ wird geschützt, weil auf der Südseite größtenteils neuere Bauten ab 1974 zu finden sind, die nicht die aktuellen Kriterien erfüllen, da seitdem Lärmschutz schon beim Bau umgesetzt werden muss.

Wird Lärm absorbiert?

Absorbiert die Lärmschutzwand, die nur einseitig gesetzt wird, den Lärm – oder reflektiert sie ihn zusätzlich in den nicht geschützten Bereich auf der anderen Seite? – Die Bahn sagt, technisch sei Letzteres nicht der Fall. Anwohner im nicht geschützten Bereich würden nicht mehr hören als vorher. Daran kamen am Dienstagabend bei Betroffenen Zweifel auf. Diese wurden noch bestärkt durch Aussagen Huder Anlieger: „Seitdem klirren bei uns die Tassen im Schrank.“

Auch die Optik der Wand ist für einige Wüstinger ein Problem. Sie soll drei Meter hoch werden, in einem dezenten Grün. Eine so hohe Wand sei „für den Ortskern fürchterlich“, meinte Ratsherr Wilfried Siems. Aber eine andere Lösung gibt es laut Bahnvertreter nicht. Nicht so hohe Wände seien aus wirtschaftlichen Gründen nicht machbar. Eine Begrünung, zum Beispiel mit Efeu, hätte einen erhöhten Pflegeaufwand zur Folge. Einziges Zugeständnis: Einige Elemente im Bahnhofsbereich will man in transparenter Ausführung gestalten. Das hat man auch in Hude gemacht. Ergebnis: Sprayer haben sich auch diese transparenten Flächen vorgenommen. Wie oft die Bahn denn Schmierereien auch wieder entferne, wollte eine Bürgerin wissen. Antwort: Überhaupt nicht. So ist die Befürchtung natürlich groß, dass Wüsting, bislang von Sprayer-Attacken verschont, irgendwann ähnlich „schön“ aussieht, wie Hude.

Bei all den Bedenken gibt es aber viele, die sich den Lärmschutz wünschen. Ein Bürger erinnerte daran, dass darum schon seit 2002 in Wüsting gekämpft werde. Bürgermeister Holger Lebedinzew sieht in der Abwägung denn auch „eine große Mehrheit“ von Leuten, die profitieren. „Keiner weiß, wie sich der Zugverkehr entwickelt, aber er wird mehr.“

Wenn man die Wand nicht baue, wie wolle man das Enkeln und Urenkeln erklären, meinte ein Befürworter.

Alternativen?

Gibt es überhaupt Alternativen? – Eine technische Lösung, die viele Bahnanlieger schon als sehr positiv empfinden, ist die Umrüstung der Eisenbahnwaggons auf Flüsterachsen. Doch ob jemals alle Züge, die durch Deutschland fahren, damit ausgestattet sind, ist fraglich angesichts auch alter ausländischer Zuggespanne, die durchrattern.

Für den Wüstinger Unternehmer Ludwig Triphaus gibt es eigentlich nur eine wirkliche Lösung für seinen Heimatort: Die Bahnstrecke durch das Dorf sollte unterirdisch durch einen Tunnel geführt werden, um auch das große Problem mit dem Übergang Hauptstraße gleich mit zu lösen. Dass das jemals kommt, ist wohl illusorisch.

Klaus Derke
Hude
Redaktion Hude
Tel:
04408 9988 2721

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