Am kommenden Dienstag ist Ihre offizielle Verabschiedung nach insgesamt 31 Jahren am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, davon 20,5 Jahren als Schulleiter. Wie ist Ihre Gefühlslage vor diesem Tag?
Wolfgang Reich-KornettDas vorherrschende Gefühl ist Wehmut. Ich habe die Schule immer mit Freude und Engagement geführt. An deren Stelle muss nun etwas anderes treten, von dem ich noch nicht genau weiß, was es sein wird. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass ich aus der sehr belastenden Corona-Zeit aussteigen kann. Die Aufgaben der letzten vier Monate bedeuteten eine Doppelbelastung, die sich an manchen Tagen bis in die Abendstunden erstreckte.
Wolfgang Reich-Kornett, 66 Jahre, lebt in Oldenburg, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er hat in Osnabrück und Münster auf Lehramt studiert, zunächst Politik und Sport, später Geschichte und Latein. Nach sechs Jahren an der VHS Wilhelmshaven (Kurse für Nichtschülerabitur) und Lehraufträgen für Sport (Osnabrück) und Latein (Oldenburg) folgte ein Jahr in der historischen Forschung am Staatsarchiv Oldenburg. Nach einer Station an der Oldenburger Cäcilienschule kam er 1989 mit einer Planstelle an das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Ahlhorn, das damals nur über eine Sekundarstufe I verfügte. Zunächst war er jahrelang stellvertretender Schulleiter. Von Januar 2000 bis August 2002 übernahm er die kommissarische Leitung, bevor er offiziell Schulleiter wurde.
Was hat Ihnen am DBG besonders gefallen?
Reich-KornettDer Reiz ging von einer Unzahl von Gestaltungsmöglichkeiten aus. Ich nehme die Dinge gern in die Hand und setze mir Ziele. Allgemein gesprochen war das Ziel: „Gute Schule – guter Unterricht“. Die Defizite, die ich am Anfang meiner Schulleitertätigkeit vorgefunden hatte, waren immens.
Was war Ihr größter Moment in Ahlhorn?
Reich-KornettDer Tag, an dem die Genehmigung der gymnasialen Oberstufe kam, der 18. Juli 2012. Die Oberstufe startete dann am 1. August 2013 – eine gute Basis für die zukünftige positive Entwicklung der Gemeinde Großenkneten.
Wie haben sich die Schüler verändert?
Reich-KornettIch vergleiche die Situation Ende der 80er Jahre mit jetzt. Am Anfang meiner Lehrerlaufbahn hatten wir es vornehmlich mit Schülern zu tun, die in der Regel in stabilen Elternhäusern aufwuchsen. Das Unterrichten war einfacher. Die Fachvermittlung stand im Vordergrund. Es gab weniger Problemfälle. Heutzutage werden die Kinder – oft mehr als es ihnen guttut – verwöhnt. Sie sind oft weniger anstrengungsbereit und sie tragen als Trennungskinder häufig eine psychische Last. Die pädagogische Arbeit der Lehrer hat enorm zugenommen.
Welche Entwicklung bereitet Ihnen Sorge?
Reich-KornettDer Staat verschuldet sich in der Corona-Pandemie in nie dagewesenem Ausmaß. Bereits für den Haushalt 2021 werden Sparmaßnahmen für die Ministerien verordnet. Es steht zu befürchten, dass es auch die Schulen treffen wird. Für die anstehenden Aufgaben, die die Schulen zu lösen haben, wie eine veränderte Didaktik durch die Digitalisierung, ist dies kontraproduktiv.
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, sang früher Udo Jürgens. Was bringt es dem Pensionär Reich-Kornett?
Reich-KornettMein Körper widerspricht diesem Jürgens-Zitat. Aber für den neuen Lebensabschnitt habe ich eine Menge Ideen. Sicher werde ich mich weiter um die Integration von Geflüchteten bemühen. Der Segelsport soll wieder aufgenommen werden. Und hoffentlich wird das Reisen – zumindest in Europa – wieder uneingeschränkt möglich.
