Wunderburg - „Entweder Weidetierhaltung oder der Wolf – beides geht nicht“, sagt Gertrud Hennes und stellt klar: „Die Beweidung im Wunderburger Moor werde ich wohl aufgeben.“ Die Sandhatterin hat in der vergangenen Woche zwei Schafe durch einen vermeintlichen Wolfsangriff in der Samtgemeinde Harpstedt verloren, drei weitere Tiere sind verletzt worden, eines davon schwer. „Ich hoffe, es kommt durch“, so Hennes.
Die Herde ist panisch geflohen, fünf Tiere hat sie noch immer nicht wiedergefunden. Elf Tiere wurden vom rund zwei Kilometer entfernten Zaun zur Autobahn aufgehalten. Jäger aus Harpstedt haben die Schafe entdeckt und auch beim Einfangen der Tiere geholfen.
Ergebnis in vier Monaten
Der hinzugezogene Wolfsberater des Landkreises, Michael Reich, hat vor Ort frische DNA-Spuren an den verendeten Tieren genommen. „Ob es wirklich ein Wolf war, wird sich zeigen“, meint er. Eindeutige Spuren habe es vor Ort nicht gegeben. In drei bis vier Monaten sei mit einem Ergebnis des zuständigen Labors zu rechnen.
Dass der Wolf im Landkreis Oldenburg unterwegs ist, ist nicht neu. „Es gibt immer mal wieder Einzelnachweise“, so Reich. Doch einen Nachweis auf ein festes Rudel gebe es bislang nicht. „Es sind immer wieder Durchzügler. So ist ein Tier, das Anfang des Jahres noch bei Wildeshausen war, jetzt in den Niederlanden aufgetaucht“, weiß er. Dennoch: In Niedersachsen gibt es 36 bekannte Wolfsrudel, eine „beachtliche Anzahl“, wie Reich betont. Das zum Landkreis Oldenburg nächste Rudel ist im Bereich Barnstorf angesiedelt.
Renaturierung geglückt
Vor drei Jahren hatte Gertrud Hennes schon einmal Probleme mit dem Wolf. Damals wurden ein Muttertier und ein Lamm gerissen. „Seitdem habe ich nur noch ältere Tiere im Wunderburger Moor weiden lassen“, sagt sie. Seit elf Jahren beweidet die Sandhatterin für den Landkreis die rund 2,5 Hektar große Fläche in der Samtgemeinde Harpstedt. „Damals war von der Heide nichts mehr zu sehen und es gab den Versuch der Renaturierung. Nach acht Jahren kam die Heide wieder aus dem Boden geschossen.“
Ein- bis zweimal im Jahr seien ihre Schafe zuletzt auf die Heidefläche gebracht worden – geschützt von einem Elektrozaun. „Der sollte eigentlich auch für Schutz vor dem Wolf ausreichen. Aber wenn der einen guten Braten sieht, lässt er sich nicht aufhalten“, vermutet Hennes.
Zudem sei der Zaun im unteren Bereich von Sträuchern zugewachsen. „Das ist eben so in der Natur“, sagt sie. Aus ihrer Sicht sei es unmöglich, Flächen wie das Wunderburger Moor komplett vor dem Wolf zu sichern. „Die Wölfe müssen reduziert werden. Da ist die Politik gefragt“, so die Sandhatterin. Auch andere Schafhalter im Landkreis Oldenburg seien der Meinung. Die Tiere aus dem Wunderburger Moor hat Gertrud Hennes inzwischen auf ihren Hof gebracht. Dort sollen sie erstmal zur Ruhe kommen.
