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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Straßensanierung In Oldenburg: Jahr für Jahr, Schlagloch um Schlagloch

10.07.2017

Oldenburg Jahr für Jahr, Schlagloch um Schlagloch und Riss um Riss das gleiche Spiel: Schweres Gerät fährt vor, es riecht, es klebt, es knallt und knattert – und dann ist das Spektakel auch schon wieder vorbei. Die im Sommer so üblichen Straßensanierungen sind wie berichtet bereits seit einigen Tagen in vollem Gange, hier wie dort kommt es für Asphaltierungsarbeiten zu Einschränkungen im Verkehr. Letztere sind indes überschaubar, in den meisten Fällen wird aus eben diesen Gründen der Sonntag zur Aufbereitung der Straßendecken genutzt.

Derer 18 erhalten ab sofort einen speziellen Dünnschichtbelag unter laufendem Verkehr und ohne Sperrungen, fünf weitere Straßen werden ab heute beziehungsweise am kommenden Wochenende mit einer Baustelle ausgestattet. Vorsicht ist hüben wie drüben allemal geboten.

Mitverantwortlich für dieses Szenario – und das nicht nur als Verkehrsteilnehmer, die für reichlich Belastung und damit für Löcher, Risse und andere Schäden sorgen – sind die Bürger selbst. Denn sie machen sich den „Schadensmelder“ der Stadt offenbar eifrig zunutze, zeigen den Verantwortlichen schadhafte Stellen in der Stadt an. Und das massenhaft: Im ersten Halbjahr und bis zum Wochenende sind bereits 757 Meldungen über Probleme mit den Straßen-, Rad- und Gehwegflächen im Amt für Straßenbau und Verkehr an der Industriestraße eingegangen. Im gesamten Jahr 2016 waren es 1428, der sonst übliche Schnitt liegt bei etwa 1300. Zwar würden alle Wege und Straßen regelmäßig auf Sicht kontrolliert, dennoch sei man auf diese Hilfe aus der Gesellschaft angewiesen. „Was wir selbst schnell regulieren können, wird auch sofort gemacht“, sagt Prof. Bernd Müller, Leiter des Amtes. Neben den einfachen Reparaturen und kleinen zu flickenden Löchern gibt es aber nun mal auch größere Probleme – die wiederum größere Anstrengungen und eine entsprechende finanzielle Absicherung erforderlich machen.

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Die gibt’s aber nur zu einem kleinen Teil. Deshalb dauert es auf vielen „bedürftigen“ Straßen auch etwas länger, bis die Stadt hier im wahrsten Sinne richtig Grund reinbringen kann. Immerhin: Von der städtischen Prioritätenliste – auf der sind all die Straßenzüge verzeichnet, die eine Sanierung am nötigsten haben – könnte offenbar bald die Bremer Heerstraße gestrichen werden. Noch in diesem Jahr soll es ebenda eine Anliegerversammlung geben, in dessen Folge die Sanierung zeitnah starten könnte, heißt es.

180 Grad unter den Füßen, 30 Grad auf dem Schädel

4000 Quadratmeter Straße, 20 Arbeitskräfte, 13 Stunden Einsatz: Bloße Zahlen, die aber für ein neues Stück Asphalt auf der Ammerländer Heerstraße und dem Posthalterweg stehen. Seit dem frühen Sonntagmorgen wurden Risse und Schlaglöcher der Straßen im Stadtwesten ausgemerzt – dazu rund 400 Tonnen frisches Mischgut in die abgefrästen Bereiche eingebracht.

Meter für Meter tasteten sich die Sanierer am Sonntag auf der Ammerländer Heerstraße voran. Bild: Marc Geschonke

Das Signet „Schwerstarbeit“ ist da durchaus angebracht. Nicht unbedingt nur aus physischen, sondern auch wie gerade aus psychischen Gründen. „Die Belastung ist schon recht groß“, sagt da beispielsweise Strabag-Polier Daniel Leer, „der Lärm macht einen kaputt, der Duft bleibt in den Klamotten und Haaren hängen.“ Und dann wäre da ja auch noch die ständige, vollumfängliche Konzentration über viele Stunden, mit der da mitten auf der Straße und unter laufendem Verkehr im Zentimeterbereich mit großem wie kleinem Gerät gearbeitet wird.

Zumindest an diesem Sonntagvormittag sind die Autofahrer zumindest größtenteils verständig. Dass sie sich hier durch spontan wechselnde Warnbaken schlängeln und an improvisierten Ampeln längere Zeit warten müssen – damit für zwei, drei Minuten ebenso Lärm und Gestank ausgesetzt sind –, können die meisten verwinden. Andere indes fahren absichtlich oder hilflos quer zur Fahrbahn und mitten durch den Baustellenbetrieb. Auch wenn sie es nicht sollten: Die hier werkelenden Mitarbeiter kennen das zur Genüge, von steter Lebensgefahr reden sie hier trotzdem nicht. Bei Leuten wie Maschinist Thomas Buck klingt das dann eher so: „Eine Vollsperrung der Bauabschnitte ist für uns eigentlich besser, weil wir dann viel effektiver und auch sicherer arbeiten können.“

Das aber könnten Verkehrsteilnehmer kaum verschmerzen. „Hätten wir das in der vergangenen Woche an der Nadorster Straße gemacht, wäre ja gleich alles zusammengebrochen.“ So aber setzt man sich also Sonntags in der Ferienzeit der Gluthitze von unten und der immensen Sonneneinstrahlung von oben aus – damit der wenige Verkehr halbwegs fließen kann, so Bauabrechner Florian Janssen. Das hat am Wochenende ja auch bestens funktioniert, trotz einiger unverbesserlicher Verkehrsteilnehmer. Für die all dieser Aufwand doch gerade betrieben wird.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Macht man nichts, gibt’s Ärger von den Bürgern – und wird dann was gemacht, gibt’s auch wieder jene, die meckern. Stadt und Arbeiter wissen um die Krux beim Thema Straßensanierung. Der (sonst) schweigende Großteil aber scheint die wenigminütige Wartezeit vor und in der Baustelle durchaus gutzuheißen.

Erik und Heinrich Martens stört es nicht. Bild: Marc Geschonke

Heiner Muschellik ist heute zwar nur auf Durchreise im Oldenburger Land, sieht aber kein Problem: „Es sind doch Ferien“, sagt er, „wenn nicht jetzt – wann soll es denn sonst gemacht werden? Die machen doch auch nur ihren Job. Den würde ich nicht haben wollen.“ Ganz ähnlich urteilen Erika und Heinrich Martens aus Ofen auf ihrer „Haus- und Hofstrecke“: „Das stört uns nicht – es ist doch viel besser, als wenn sie das bei vollem Verkehr machen würden. Das würde niemandem helfen.“

Weder an diesem arbeitsintensiven Tag – noch auf längere Sicht.

Rund ums Loch in der Straße

Kosten: 600 000 Euro verschlingen die Sanierungsarbeiten allein in diesen Sommerferien – und den zwei folgenden Sonntagsmaßnahmen auf der Holler Landstraße (Bahnübergang bis Werftweg) und am Marschweg. Für das ganze Jahr 2017 liegen insgesamt (also inklusive Personal und Verwaltung) rund 2,1 Millionen Euro für Instandsetzungen im Topf.

Kilometer: Das gesamte Oldenburger Straßennetz umfasst 650 Kilometer. Davon wurden und werden in diesem laufenden Jahr vier Kilometer Straße saniert – ein alljährlicher Durchschnittswert. Im Fokus stehen da vor allem die Hauptstraßen mit reichlich und schwerem Verkehr. Auf Nebenstraßen werden indes eher Schadensbeseitigungen vorgenommen.

Prioritätenliste: Auf dieser stehen zahlreiche Oldenburger Straßen. Aber wie es der Stadtrat so will, kann mangels Budget immer nur ein kleiner Teil von oben weg gestrichen werden. Die Straßen (und ihre Schadenslagen) sind nach Schulnoten gelistet, samt Fotos und Filmen, Zustands- und Restwert. Die Schulnote 1 gibt’s in Oldenburg eigentlich nur für nagelneue Straßen. Denn sobald die Decke irgendwo geöffnet und geflickt werden muss, wird zurückgestuft.

Kontrollen I: Sechs Mitarbeiter des Amtes für Verkehr und Straßenbau sind mit einem Erfassungsgerät auf E-Bikes im Stadtgebiet unterwegs. Hauptverkehrsstraßen werden 14-täglich abgefahren, alle weiteren im maximal sechswöchigen Rhythmus. Alle Schäden werden dokumentiert.

Kontrollen II: Alle fünf Jahre fährt die Gesellschaft für Straßenanalyse (GSA) die Strecken ab, nimmt hier eine „Tiefenzustandsanalyse“ vor.

Externe: Für umfangreiche Asphaltarbeiten bestellt die Stadt externe Firmen ein, schreibt die Sanierungsstücke in Paketen aus. Kleinere Schäden werden vom städtischen Trupp beseitigt.

Schäden: Sind mehr als 5 Prozent einer Asphaltdecke defekt, wird die Gesamtdecke erneuert, heißt es aus dem Amt.

Eine Meldeseite für Schäden hat die Stadt im Internet eingerichtet – etwaige Sichtungen der Bürger (auch ein Foto-Upload ist möglich) gehen auf direktem Wege an das Amt für Verkehr und Straßenbau.

bit.ly/2utqntm

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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