Oldenburg/Berlin - Liegt es an den prominenten Namen an der Spitze der Gästeliste mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey als amtierender Kohlkönigin und Bundesfinanzminister Christian Lindner als Ehrengast? Oder am erstmalig auch vegan angebotenen Grünkohlgericht? Oder ist es schlichtweg die große Vorfreude auf den Re-Start nach zweijähriger Pandemie-Pause?
Am längsten im Amt
Fest steht: Das traditionelle „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ in Berlin hat nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Die 64. Auflage, mit der die Stadt Oldenburg ihre Visitenkarte auf bundespolitischem Parkett hinterlässt, lockt am Montag, 6. Februar, viele Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und dem öffentlichen Leben in die Niedersächsische Landesvertretung. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann freut sich über Anmeldungen von 270 Gästen.
„Damit werden voraussichtlich alle Plätze an den Tischen besetzt sein“, sieht Gastgeber Krogmann einem vollen Atrium in der Landesvertretung und einem interessanten Abend in der Bundeshauptstadt entgegen.
Franziska Giffey geht wegen der zweimaligen Absage des Gröönkohl-Ätens als am längsten amtierende Regentin in die Geschichte der Traditionsveranstaltung ein. Seit März 2020 hat sie – zunächst als Bundesfamilienministerin, dann als Berliner „Landesmutter“ – die Würden der Kohlmajestät getragen. Am Montag heißt es für Franziska Giffey nun, Abschied zu nehmen. Wer ihre Nachfolge antreten wird – hoch gehandelt wird der Name von Ehrengast Christian Lindner – entscheidet sich tatsächlich erst am Abend der Veranstaltung, wenn sich das Kurfürsten-Kollegium unter dem Vorsitz von Dietmar Wischmeyer zur Beratung zurückzieht.
Der scharfzüngige Satiriker wird anschließend in seiner Paraderolle als „Günther, der Treckerfahrer“ die Rede zur Inthronisierung halten und die vom Kollegium getroffene Wahl launig begründen. Als Kurfürsten fungieren Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der gleichzeitig auch Schirmherr des Kohlessens ist, Stefan Dohler (EWE), Michael Thanheiser (LzO), Jürgen Müllender (Öffentliche), Marc Ampaw (OLB), Thomas Mehls (CEWE) und Tim Junghans (Nord/LB). Die drei Letztgenannten gehören erstmals dem Kollegium an.
Veganes Grünkohlgericht
Das Menü des Abends ist bekannt: Grünkohl, Pinkel und Kochwurst, Speck und Kasseler stammen aus original Oldenburger Herstellung. Auf die Teller kommen voraussichtlich 200 Kilogramm Grünkohl, 60 Kilogramm Fleischpinkel, 95 Kilogramm Kasseler-Kotelett ohne Knochen, 50 Kilogramm Kochmettwurst sowie 38 Kilogramm geräucherter Speck – alles aus Biofleisch-Produktion. Außerdem werden Bio-Kartoffeln aus ökologischem Anbau gereicht. Erstmals auf der Speisekarte steht ein veganes Grünkohlgericht mit Pinkel, die eine Wildeshauser Fleisch- und Wurstwerkstatt ganz ohne tierische Zutaten herstellt. „Sicherheitshalber haben wir vorher probiert“, sagt Protokollchef Christian Kranz. Für den bekennenden Fleischesser war „kaum ein Unterschied herauszuschmecken“.
Das „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ wurde im Jahr 1956 in der alten Bundeshauptstadt Bonn aus der Taufe gehoben. Seit 1998 findet es in Berlin statt. Viermal musste die Veranstaltung ausfallen: 1962 (Hochwasserkatastrophe), 1991 (Golfkrieg) sowie 2021 und 2022 (Corona-Pandemie).
