Oldenburg - Zu Zahlen schweigt Tamo vom Deich. Da mag das Schaf sonst das kommunikationsfreudigste seiner Art im Norden sein. Die Menge seiner Follower lässt er nur schätzen. Garantiert irgendwie riesig. Haben andere Stars am Staatstheater überhaupt größere Fanklubs? Alle Kinder lieben den ebenso vorwitzigen wie wissbegierigen Tamo. Seit dem 3. Kinderkonzert im Kleinen Haus noch einmal mehr.
Mit fünf anderen Personen schneit Tamo in ein Wohnzimmer mit antiken Sesseln und Sofas hinein und damit direkt in eine Idee von Antonio Planelles Gallego und Dr. Kadja Grönke. Der Kapellmeister und Musikvermittler am Staatstheater und die Professorin haben zusammen mit Studiosi der Universität Oldenburg in diese heimelige Umgebung viel Musik und Wissen über Musik eingeräumt.
„Tamophon“ im Zentrum
Im Mittelpunkt: Ein altes Grammophon, das die von Maik Evers so einfühlsam lebendig geführte Handpuppe sofort als „Tamophon“ ausgemacht hat, und ein Regal voller Schallplatten. Die enthaltene Musik, die nicht nur Kindern neu ist, sondern auch Eltern und Großeltern. Die Stücke sind etwa von Giulio Briccialdi. Kennt den jemand? Oder von Theodor Blumer. Hä? Na gut, Amy Beach, Lili Boulanger und Ludwig Thuille tauchen eher in Programmen auf. Aber alle Sextett-Sätze oder Stimmungsmalereien sprechen sofort an.
Stephania Lixfeld (Flöte), Yumiko Kajikawa (Oboe), Josefa Zalud (Klarinette), Leah Blomenkamp (Fagott), Joaquim Palet (Horn) und Kei Sugaya (Klavier) sind die lebendigen Grammmophon-Schallplatten-Stimmen. Einzeln stellen sie ihre Instrumente in liedhaften Variationen von diesem Herrn Blumer vor. Und der Antonio fügt die Einzelstimmen dann zu einem „Fünftett“ zusammen – er legt einfach fünf LPs übereinander.
Ratzfatz vorbei
Mit Lautmalereien zu Wind, Wetter und Tierwelt aus dem Publikum sind die 50 Minuten ratzfatz rum. Es wird kein pädagogischer Zeigefinger gehoben, um zu erklären, dass frühe Ermunterung mit und zu Musik für Menschen eine lebenslange Rolle spielt. Da bekommt jeder zwischendurch auch anderes um die Ohren. Aber das ist nie verloren.
Auch nach riesigem Schlussbeifall fragen sich tolle Künstler hinterher trotzdem, ob man noch etwas besser hätte machen können. Ein Gerücht deutet zwei Tamo-Anmerkungen an. So habe in der ruhig stimmungsvollen Musik ein richtig fetziges Stück gefehlt. Und mit einer Blockflöte hätte sich die unterschiedliche Anblastechnik zur Querflöte noch übersichtlicher demonstrieren lassen. Aber offiziell bekannt geworden ist davon nichts. Wie schon gesagt, zu Geheimnissen kann Tamo felsenfest schweigen. Ehrensache.
