Oldenburg - Die Erfahrung einer schweren Kopfverletzung musste der Sänger Adel Tawil schon selbst machen: „Ich habe mich im Jahr 2016 in Ägypten bei einem Badeunfall schwer verletzt. Mein erster Halswirbel war viermal gebrochen. Ich habe viel Glück gehabt, dass alles so gut verheilt ist“, erzählt er. „Bis dahin war es aber ein mühsamer Weg. Ich habe lange damit zu tun gehabt.“
Während seiner Klinikaufenthalte hat er junge Menschen kennen gelernt, die aufgrund von schweren Schädel-Hirn-Verletzungen sehr zu kämpfen hatten. Seitdem lässt ihn das Thema nicht los. 2017 hat er deshalb die Präsidentschaft des der ZNS-Hannelore Kohl-Stiftung übernommen, die sich für betroffene Menschen einsetzt.
Initiative vorgestellt
An diesem Donnerstag war Adel Tawil in Oldenburg zu Gast: nicht, um zu singen, sondern um den Start eines ganz besonderen Pilotprojektes zu begleiten. In der Aula der IGS Flötenteich stellte er gemeinsam mit dem Gemeinde-Unfallversicherungsverband (GUV) Oldenburg die Initiative „Schütz deinen Kopf“ vor. In 250 Schulen im Bezirk der Versicherung soll in den nächsten Wochen Aufklärungsmaterialien zum Thema Gehirnerschütterung verteilt werden. Die Schülerinnen und Schüler im Alter von neun bis zwölf Jahren können mit der „Schütz deinen Kopf“-Box lernen, was eine Gehirnerschütterung ist und wie sie handeln müssen, wenn bei einem Unfall der Kopf beteiligt ist.
Teamarzt klärt auf
Neben einem theoretischen Teil kann das neue Wissen in einem Parcours auch gleich ausprobiert werden. Auch ist ein kleiner Helm aus Styropor beigelegt, in den ein rohes Ei passt. So kann von den Kindern getestet werden, ob der Helm den zerbrechlichen Inhalt gut schützt. „Es wird dann sehr anschaulich, wie wichtig das Tragen eines Fahrradhelmes ist“, erklärte Helga Lüngen von der ZNS-Hannelore Kohl-Stiftung. Gehirnerschütterungen würden zwar meist glimpflich verlaufen, trotzdem sei es wichtig, dass sie frühzeitig erkannt werden, um Schäden zu vermeiden. Das bestätigte in seinem Beitrag auch Dr. Axel Gänsslen, einer der Team-Ärzte der Eishockeymannschaft Grizzlys Wolfsburg. „Das besondere bei einer Gehirnerschütterung bei Kindern ist, das sie für die Ausheilung länger braucht als bei Erwachsenen“, erklärte er. Man müsse die Kinder deshalb vor sich selbst schützen. „Sie starten zu schnell wieder durch.“
1,1, Millionen Unfälle
Im Jahr 2019 wurden an den Schulen in Deutschland 1,1 Millionen Unfälle gemeldet. Am häufigsten betroffen war der Kopf. Beim GUV Oldenburg wurden 1180 Gehirnerschütterungen als Schulunfall aufgenommen. „Eine Schädel-Verletzung sieht man nicht. Sie sind aber nicht selten schwerwiegend. Die Betroffenen müssen dann langsam wieder zurück ins Leben finden“, berichtete Michael May, GUV-Geschäftsführer. „Wir sind stolz, dass das Pilotprojekt bei uns startet.“ Im Herbst soll die Initiative „Schütz deinen Kopf“ dann bundesweit anlaufen.
