„Sie baden die Thomas-Cook-Pleite aus“ (NWZ vom 25. September)

Thomas Cook ist pleite und die Urlaubsträume vieler sind damit zerplatzt. Aber ist es wirklich so, dass die deutschen Urlauber, die mit Thomas Cook verreisen wollten, die „Pleite ausbaden“, wie die NWZ im Lokalteil ihrer Ausgabe vom 25. September titelte?

In Deutschland gilt: Alle Pauschalreiseveranstalter sind gesetzlich verpflichtet, die Kundengelder zu versichern (§ 651k BGB). Findet eine Reise nicht statt, gibt es also zumindest das Geld zurück. In finanzieller Hinsicht dürften deutsche Thomas Cook KundInnen die Pleite deshalb wohl kaum ausbaden.

Ganz anders dürfte das bei den weltweit 21 000 Beschäftigten des Konzerns aussehen. Was wird aus ihren Arbeitsplätzen werden? Was ist mit den Hotels, die mit Thomas Cook Verträge haben und den HotelmitarbeiterInnen? Branchenkenner schätzten, dass Thomas Cook seinen Vertragspartnern mindestens 60 Millionen Euro schuldet. Angesichts der Konzernschulden in Milliardenhöhe ist wohl kaum davon auszugehen, dass im Zuge des Insolvenzverfahrens für Vertragspartner oder MitarbeiterInnen viel übrig bleiben wird. Wenn jemand die Thomas-Cook-Pleite ausbadet, dann sie.

Gerd Hunke Oldenburg