Oldenburg - Viele Jahrzehnte prägte sie sowohl die Oldenburger Bibliothekslandschaft als auch den Oldenburger Schlossgarten: Am 4. Februar ist Irmgard Tantzen verstorben, wenige Wochen nach ihrem 97. Geburtstag am 11. Januar.
Verdienste
Sie verfolgte bis zuletzt interessiert die Entwicklung der Stadtbibliothek und besuchte noch, soweit es ihre Gesundheit zuließ, zu verschiedenen Anlässen die von ihr mehr als 30 Jahre lang geleitete Einrichtung, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. „Wir sind betroffen vom Tod Irmgard Tantzens und danken ihr für die Verdienste um das Oldenburger Bibliothekswesen. Sie hat das Gesicht und die Entwicklung unserer Institution entscheidend mitgeprägt“, sagt Christiane Cordes, Leiterin des Amtes für Kultur, Museen und Sport bei der Stadt Oldenburg.
Mit über 30 Jahren Amtszeit ist Irmgard Tantzen die bislang langjährigste Leiterin der Stadtbibliothek Oldenburg. Bereits kurz nach ihrem Einstieg 1955 führte sie die Freihandaufstellung ein – bahnbrechend für das öffentliche Bibliothekswesen, indem man sich „von der jahrzehntelang praktizierten Thekenausleihe mit ihren alten pädagogischen Vorstellungen“ abwandte, wie es in der Chronik der Stadtbibliothek heißt. Einen steilen Anstieg der Nutzerzahlen und Bestände der Jugendbücherei verantwortete Tantzen ebenso wie den Aufbau eines Stadtteilbibliothekssystems, beginnend mit der ersten Zweigstelle in Eversten 1967. Die Gründung der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM 1975 sowie die Auslobung des Kinder- und Jugendbuchpreises 1977 – damals die höchstdotierte Auszeichnung in diesem Bereich nach dem Deutschen Jugendliteraturpreis – fallen ebenfalls in ihre Dienstzeit. In ihrem letzten Amtsjahr, 1986, beginnt eine Arbeitsgruppe unter Mitwirkung Tantzens die Planung für den Umzug der Stadtbibliothek in das neu entstehende Kulturzentrum PFL. Zum 100. Geburtstag der Stadtbibliothek erschien die von Irmgard Tantzen verfasste Dokumentation „Lesen – Lernen – Leben: Stadtbibliothek Oldenburg 1904-2004“.
Die Stadtbibliothek hatte sie von 1955 bis 1986 geleitet, anschließend übernahm sie mehr als zehn Jahre lang die ehrenamtliche Geschäftsführung der Bibliotheksgesellschaft Oldenburg. Zwischen 1963 und 1977 war sie stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Oldenburger Frauenverbände. Mitglied im Vorstand der Gemeinschaft der Freunde des Schlossgartens war Tantzen seit 1976 und von 1987 bis 2002 auch dessen Vorsitzende.
Viele Ehrungen
Die Oldenburgische Landschaft verlieh ihr 1999 deren Ehrennadel, 2002 wurde sie zur Ehrenvorsitzenden der Gemeinschaft der Freunde des Schlossgartens ernannt. Die größte Auszeichnung für ihre Ehrenämter erhielt Tantzen 2004, als das Land Niedersachsen sie mit dem Verdienstkreuz am Bande auszeichnete. Auch die Stadt würdigte ihr Wirken: Irmgard Tantzen erhielt 2008 die Goldene Stadtmedaille für mehr als 25 Jahre ehrenamtlichen Engagements für den Schlossgarten und im Bibliothekswesen. Die Trauerfeier findet am Freitag, 16. Februar, ab 11 Uhr in der Auferstehungskirche, Friedhofsweg 75, statt.
