Oldenburg - Gudrun Sahlender-Wulf arbeitet seit vielen Jahren als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Oldenburg. Sie plädiert bei allem Mitgefühl für die Opfer auch dafür, nach den Ursachen des Verhaltens des Täters zu fragen, um daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen und präventiv tätig werden zu können. „Noch wissen wir wenig über die Hintergründe und können nur spekulieren“, sagt sie.

Die Therapeutin beruft sich auf Arno Gruen und sein Buch „Wider den Terrorismus“, in dem er die Persönlichkeiten von Terroristen herausgearbeitet hat. „Das lässt sich auch auf Amokläufer übertragen“, sagt sie.

Man gehe von einer sogenannten „frühen Bindungsstörung“ aus. Damit sei gemeint, dass es besonders in der frühesten Kindheit nicht zu einer stabilen, sicheren und tragfähigen Beziehung zwischen Mutter und Kind kommen kann.

Auch dem Vater komme hier eine wichtige Rolle zu, in dem er dafür sorge, für seine Familie einen „sicheren Ort“ zu bilden, in dem das Kind Urvertrauen, Mitgefühl und Mitmenschlichkeit entwickeln könne, um freundlich auf die Welt zuzugehen.

Geschehe das nicht, könne eine instabile, von Angst und Gewalterfahrung geprägte innere Leere durch Macht- und Gewaltfantasien gefüllt werden. „Auf der Suche nach Bedeutung entsteht eine Bereitwilligkeit, sich entweder einem autoritären, ideologisch verbrämten Führungssystem unterzuordnen oder aber selber in den Medien Ruhm oder Nachruhm durch die Tat zu erfahren.“

Sie kritisiert aber auch die Medien, die durch die Dokumentation in allen Einzelheiten Trittbrettfahrern eine Gebrauchsanweisung lieferten.