Oldenburg - Das Tatort-Ermittlerduo Falke (Wotan Wilke Möhring) und Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) hat es am Sonntag nach Oldenburg verschlagen. Der zweite Oldenburger Tatort „Die Feigheit des Löwen“ steckte voller politischer Brisanz und Aktualität. Im Wohnzimmer einer Studentenwohnung an der Alexanderstraße hatte es sich eine fünfköpfige „Tatortgruppe“ gemütlich gemacht, um die heimische Ausgabe am Fernseher mitzuverfolgen.

So, wie beim zweiten Oldenburger Tatort, der am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlt wurde, hatten die Bürger ihre Stadt wohl noch nie gesehen: Flackernde Lampen und ein hoher Geräuschpegel im Ermittler-Quartier an der Bahntrasse zwangen das Polizeiteam immer wieder zu kurzzeitigen Unterbrechungen. Ständig gab es keinen Handyempfang, und Kommissar Falke steckte im Stadtverkehr fest, weil sich „ein Obstlaster quergelegt hatte“. In der Ferne heulten von Zeit zu Zeit Sirenen auf – ja, in Oldenburg ist viel los.

Zudem war der Fliegerhorst Fundort einer Leiche: Ahmed Shuk wird ausgerechnet von dem Mann ermordet, dem er eigentlich zuvorkommen sollte.

Diesmal war das Polizeiduo Falke und Lorenz einem syrischen Schleuser und Passfälscher auf der Spur und geriet dabei in ein Rachekomplott. Neben Witz und Charme hatte die Tatortausgabe auch viele tragische Momente zu bieten: Die Ausmaße des syrischen Bürgerkrieges waren im Hinterkopf des Zuschauers durchgehend präsent. Anrührend ist vor allem das Schicksal des jungen Ali, dessen Schwester auf der Flucht verstorben ist. In Falke findet er jemanden, dem er sich anvertrauen kann.

Fünf eingefleischte Oldenburger Tatort-Fans fieberten der heimischen Ausgabe am Sonntag besonders entgegen. Der allwöchentliche Krimi-Abend ist bei Kevin Münsterjohann, Wiebke Brak, Lisa Brack, Ann Kristin Haverich und Anja Seemann groß im Kalender vermerkt. „Das ist etwas Gesetztes. Das kann man nicht anders verplanen“, sagte Promovendin Ann Kristin Haverich.

Seit gut zwei Jahren besteht das Sonntagsritual. Der Gastgeber wechselt, die Organisation stimmen die Freunde über soziale Netzwerke ab. Manchmal wird vorher noch gekocht. Lediglich Kevin Münsterjohann ist ein unbeständiges Gruppenmitglied. Aufgrund seines dualen Studiums der Mechatronik ist er nur zeitweise in Oldenburg.

Gebannt saß die Gruppe vorm Fernseher, immer auch auf der Suche nach bekannten Schauplätzen. Bei Einblendungen von den Schlosshöfen, dem Pferdemarkt und dem Fliegerhorst wurde blitzschnell reagiert. Nach 88 Minuten war er dann vorbei, der Tatort aus Oldenburg. Der Diskussionsbedarf in der Gruppe war groß: „Oldenburg wirkte meiner Meinung nach ein wenig schäbig. Man achtet ja besonders auf das Gezeigte, weil es hier spielt. Die Stadt ist so gutbürgerlich mit ihren Altbauten. Gerade das wurde aber nicht gezeigt“, sagte die 25-jährige Wiebke Brak. „Ich finde es toll, dass Oldenburg ausgewählt wurde. Für alteingesessene Oldenburger ist der Alte Landtag sicherlich repräsentativ“, meinte Anja Seemann. Dort spielte der große Showdown, als die Ermittler dem Mörder Ahmed Shuks auf die Schliche gekommen waren. Wiebke Brak fügte hinzu: „Bezeichnend für Oldenburg waren zum Schluss die Fahrräder am Bahnhof.“ Zu sehen ist der Flüchtlingsjunge Ali bei dem Versuch, ein abgestelltes Fahrrad in Bahnhofsnähe zu stehlen.

Ob der Krimi aus Oldenburg die kritische Gruppe überzeugen konnte? „Das war ein guter Tatort. Er regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Es wurden viele verschiedene Ebenen beleuchtet“, fasste Lisa Brack zusammen.

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