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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Aus Zwischenlager wurde ein Endlager

03.09.2014

Oldenburg Über die Angelegenheit ist im wahrsten Sinn des Wortes Gras gewachsen. 60 Meter lang, gut zwei Meter hoch und zehn Meter breit schlummert gut abgedeckt und mit einem Zaun vor unbefugtem Zutritt gesichert ein hochgiftiges Gemisch auf dem städtischen Friedhof in Bümmerstede – dioxinhaltige Schlacke.

Vor 23 Jahren erschütterte ein Giftskandal die Bundesrepublik. Auf unzähligen Sportplätzen war sogenannte „Kieselrot“-Schlacke verteilt worden, für Laufbahnen aber auch auf Spiel- und Fußballplätzen. Acht Sportplätze waren in Oldenburg betroffen – die Schlacke vom Klingenbergplatz, von den Sportplätzen an den Schulen Dietrichsfeld und Bürgerfelde, bei der Grundschule Nadorst am Eßkamp und bei der Grundschule Ofenerdiek sowie vom Sportplatz an den Berufsbildenden Schulen II sowie dem Platz am Otterweg wurden entsorgt beziehungsweise in das Zwischenlager gebracht. 1600 Kubikmeter Schlacke fielen an. 480 000 DM (ca. 240 000 Euro) kosteten das Einsammeln der Schlacke und der Transport zum Zwischenlager nach Bümmerstede, 390 000 DM (195 000 Euro) kostete die Wiederherstellung der Flächen.

Der Skandal um die hochgiftige „Kieselrot“-Schlacke war 1991 von der Bremer Umweltbehörde ausgelöst worden, die bei Untersuchungen auf Bolz- und Spielplätzen enorme Dioxin-Konzentrationen festgestellt hatte. Bei der Suche nach der Herkunft der Schlacke stieß man auf eine Erzhütte im Sauerland, die bei Bekanntwerden des Dioxinfundes schon lange nicht mehr existierte. Das Unternehmen hatte zwischen 1963 und 1968 mindestens 800 000 Tonnen „Kieselrot“-Schlacke für insgesamt 300 Objekte ausgeliefert. Betroffen waren zahlreiche Städte und Gemeinden im Bundesgebiet.

Dioxin ist nach Einschätzung von Experten einer der gefährlichsten Giftstoffe überhaupt. Seine krebserzeugende Wirkung gilt als erwiesen. Außerdem verursacht das Gift schon in sehr geringen Konzentrationen schwere Haut- und Leberschäden. Dioxin wird gewöhnlich über die Atemwege aufgenommen. Schon ein tausendstel Gramm je Kilogramm Körpergewicht gelten beim Menschen als tödliche Dosis. Als besonders gefährlich wird das Gift auch eingestuft, weil es ein sehr resistenter Stoff ist, der sich nur schwer abbaut, dafür aber in biologischen Geweben anreichert.

Das Kieselrot ist eine rote Schlacke, die im Zweiten Weltkrieg bei der Kupfergewinnung anfiel. In Deutschland wurde die Schlacke dann in den 1950er und 1960er Jahren vor allem als Belag für Sportplätze verwendet.

Aus Sicht der Oldenburger Stadtverwaltung geht von dem Zwischenlager am Rand des Bümmersteder Friedhofs keine Gefahr aus. „Weder für Mensch, Tier noch für die Umwelt“, beantwortet Stadtsprecher Andreas van Hooven eine entsprechende Nachfrage der NWZ . Und weiter: „In Abstimmung und mit Genehmigung der Bezirksregierung und des Landesumweltministeriums lagert das Kieselrot ohne Zuwegung und gegen Zutritt gesichert abseits auf dem Friedhof.“ Zudem sei das Material nach den Vorschriften der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung sowohl vom Erdreich als auch von der Luft isoliert. Und so wird aus dem Zwischenlager offenbar ein Endlager.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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