Oldenburg - Eine Ausstellung zu den Geschehnissen im Oldenburger Rathaus während der Machtübernahme durch die Nazis stellt man sich eigentlich ein wenig anders vor: Tatsächlich sind es nur vier Stellwände, die im historischen großen Sitzungssaal Gebäudes am Markt betrachtet werden können. Aber dennoch, ein Besuch lohnt sich, auch weil es der Saal an sich durchaus wert ist.
Warnung
Beim Begriff Machtergreifung, den Oberbürgermeister Jürgen Krogmann bei der Ausstellungseröffnung wählte, hakte der Historiker Dr. Karl-Ludwig Sommer in seinem anschließenden Vortrag ein. Vielmehr sei es eine Machtübernahme gewesen. Im übrigen seien es für die Masse der Deutschen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges durchaus keine dunklen Jahre gewesen. Sie hätten wieder gut gelebt, hätten Freunde in neuen gesellschaftlichen Formen und Angeboten gefunden. Gleichwohl warnte er davor, sich von gewissen Leuten schon wieder einreden zu lassen, wen man zu hassen habe. „Wenn radikale Parteien und Gruppierungen sich in Volksbewegungen einklinken, droht Gefahr“, zog er mit Blick auf die Corona-Protestbewegung einen Vergleich zur Landvolkbewegung und ihrem Zusammenwirken mit der NSDAP.
Vor 90 Jahren hatte sich mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten die Zerschlagung der Demokratie vollzogen. Auch im Oldenburger Rathaus wurde ein gewählter Oberbürgermeister von Nazis abgesetzt und durch einen willfährigen Nachfolger ersetzt. Bereits einige Zeit vor der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 war die nationalsozialistische Herrschaft für die Menschen in der Stadt Oldenburg Realität geworden: Nach der Kommunalwahl am 9. November 1930 verfügten die der NSDAP und der DNVP angehörenden Mitglieder über die absolute Mehrheit der Sitze im Stadtrat und nutzten die Sitzungen immer wieder als Bühne für völkische und radikal antidemokratische Debatten.
Goerlitz suspendiert
Nach der Landtagswahl Ende Mai 1932 kam in Oldenburg dann die reichsweit erste nationalsozialistische Landesregierung mit NSDAP-Gauleiter Carl Röver als Ministerpräsident ins Amt. Röver suspendierte Anfang Dezember 1932 den bisherigen Oldenburger Oberbürgermeister Dr. Theodor Goerlitz ohne Rechtsgrundlage. Er wurde im Frühjahr 1933 in den Ruhestand versetzt. An seine Stelle trat im Januar 1933 Dr. Heinrich Rabeling, der zunächst als „Parteiloser“ vom Stadtrat gewählt wurde und dann im Mai desselben Jahres in die NSDAP eintrat.
Als „Aufpasser“ fungiert
Anfang Mai 1945 wurde er von den britischen Militärbehörden abgesetzt und interniert. In Rabelings Zeit als Oberbürgermeister und Rathaus-Chef stand ihm der mit goldenem NS-Parteiabzeichen dekorierte Gustav Bertram als Bürgermeister und Stellvertreter zur Seite, der laut Sommer mit Protektion von Gauleiter Stöver als „Aufpasser“ fungieren sollte.
