Oldenburg - Oldenburg hat fünf Ehrenbürger. Soll der scheidende EWE Baskets-Star Rickey Paulding (39) der sechste werden? Zumindest die Ratsgruppe FDP/Volt hat sich das vorstellen können. Allerdings nur kurzzeitig. Einen Antrag für den nächsten Verwaltungsausschuss und Rat rief FDP-Fraktionsvorsitzende und Gruppensprecherin Christiane Ratjen-Damerau nur wenige Stunden nach Versand zurück.
Erfolgreiches Wirken
In dem Antrag hatte die Gruppe auf das überaus erfolgreiche Wirken Pauldings als Sportler über 15 Jahre in Oldenburg verwiesen. „Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass unsere Stadt über den Basketball enormes Renommee gewonnen hat“, heißt es darin. Die Deutsche Meisterschaft 2009 und der Pokalsieg 2015 der EWE Baskets seien eng mit seinem Namen verbunden. Verwiesen wird darüber hinaus auch auf sein soziales Engagement, konkret als Botschafter für Trauerland – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche. „Mit seinem außerordentlichen persönlichen und sportlichen Einsatz hat sich Rickey Paulding in herausragender Weise um unsere Stadt und das Ansehen verdient gemacht. Dies begründet den eingereichten Antrag“, schlussfolgert die Gruppe.
Zustimmung von CDU
Zumindest bei CDU-Co-Fraktionschef Baak hätte sie damit offene Türen eingerannt: „Die CDU-Fraktion unterstützt den Vorschlag einer Ehrenbürgerschaft für Rickey Paulding ausdrücklich“, ließ dieser auf eine Anfrage unserer Redaktion vor dem Rückzug des Antrages wissen. „Er hat als herausragender Sportler nicht nur seinen Verein, sondern auch die Stadt Oldenburg 15 Jahre lang würdig vertreten. Mit seinem sportlichen und persönlichen Einsatz hat er sich um die Stadt verdient gemacht.“
Nein von Grünen
Eine Mehrheit hätte es im Stadtrat vermutlich allerdings nicht gegeben: „Mit Erstaunen hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen den Antrag der Gruppe FDP/Volt zur Kenntnis genommen“, so Oliver Rohde, Co-Sprecher der Fraktion. „Wir denken nicht, dass sich Rickey Paulding selbst gerne mit Helene Lange, Leo Trepp oder Horst Janssen vergleichen würde.“ Die zweifellos großen Verdienste rechtfertigten laut Rohde „bestimmt eine Auszeichnung“. Mit der Ehrenbürgerschaft sei FDP/Volt allerdings über das Ziel hinausgeschossen. SPD und Die Linke antworteten nicht auf eine Anfrage.
Das sieht auch FDP-Chefin Ratjen-Damerau so, an der der Antrag nach eigenem Bekunden vorbeigegangen ist. Auch die langjährige Lokal- und Landespolitikerin bestreitet die „herausragenden Leistungen“ Pauldings nicht, „man muss das aber in Relation sehen“. Es könne die Leistung anderer auch abwerten, wenn man einen über Gebühr aufwerte.
Würdigung geplant
Die Stadt Oldenburg wird die Club-Ikone gebührend verabschieden und sich für die herausragenden Verdienste, die sich Paulding als sportliches Aushängeschild erworben hat, offiziell bedanken. Am Sonntag, 5. Juni, will Oberbürgermeister Jürgen Krogmann der Baskets-Legende im Rahmen eines Empfangs im Alten Rathaus das Große Stadtsiegel verleihen. Die grundsätzliche Absprache darüber gebe es schon länger, so Stadtsprecher Stephan Onnen, der Termin stehe seit Donnerstagvormittag.
„Wir sind sehr stolz darauf und dankbar dafür, dass Rickey Paulding 15 Jahre lang dem Club und der Stadt die Treue gehalten hat. Er hat uns viele außergewöhnliche Momente beschert“, sagt Krogmann. „Ich bin sehr froh, dass er hier eine Ära geprägt, Oldenburg als sein Zuhause angesehen und seine Liebe zur Stadt immer wieder betont hat.“
Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung einer Stadt an ihre Bürgerinnen und Bürger oder ehemaligen Bürgerinnen und Bürger. Es zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich in herausragender Weise um das Wohl oder Ansehen ihres Ortes verdient gemacht haben.
Oldenburger Ehrenbürger sind bisher nur fünf Personen:
Bernhard Winter (1871-1964, Ehrenbürger seit 1961) für seine Verdienste um Stadt und Umland als Maler, Graphiker und Fotograf sowie als (Mit-)Begründer heimatkundlicher Institutionen und Einrichtungen.
Leo Trepp (1913-2010, Ehrenbürger seit 1990) für den Einsatz als Wegbereiter eines Dialogs zwischen Juden und Christen nach dem Holocaust.
Der Rat der Stadt entscheidet über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Personen – und kann es auch wieder entziehen, wie in Oldenburg bei August Hinrichs und Paul von Hindenburg geschehen.
Das Große Stadtsiegel wird an Menschen verliehen, die sich in besonderem Maße für die Interessen und Belange der Stadt Oldenburg eingesetzt haben und/oder durch die ausgeübte Tätigkeit auf die Stadt überregional aufmerksam gemacht haben.
