Oldenburg - „Die Menschen der benachteiligten Nordwest-Region haben das gleiche Recht auf eine hochschulmäßige Versorgung wie die Menschen in den bevorzugten Regionen Niedersachsen.“ Diesen Satz stellte Hermann Helmers an das Ende seines Buches „Geschichte der Universität Oldenburg“. Erschienen ist es 1983, zehn Jahre nach Gründung der Carl von Ossietzky Universität, für deren Existenz über 15 Jahre hinweg heftig gestritten und gekämpft worden war.
In diesem Satz schwingen Verbitterung und Enttäuschung mit, die die Gründungsväter der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in jener Zeit erfahren haben. Hermann Helmers war gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Schulenberg Verfasser des entscheidenden Strukturplans aus der Pädagogischen Hochschule (PH) Oldenburg, Vorsitzender des Universitätsausschusses der PH, Mitglied und zeitweise stellvertretender Vorsitzender des Gründungsausschusses der Universität.
Mit Argwohn verfolgt
Auch wenn am Ende die Gründung der Universität mit dem offiziellen Datum 5. Dezember 1973 stand, der Weg dorthin war steinig. Widerstand kam vor allem aus dem Südosten Niedersachsens, den Universitätsstädten Hannover und Göttingen, die das Geld und die Zuschüsse vom Land für den eigenen Ausbau ihrer Fakultäten einsetzen wollten. Die Planungen in Oldenburg und übrigens auch die in Osnabrück wurden deshalb mit großem Argwohn verfolgt.
Helmers, 1923 in Varel geboren und 1987 in Bad Zwischenahn verstorben, hat in seinem Buch auf knapp über 500 Seiten die Fakten und Geschehnisse zusammengetragen.
1959 hatte der Oldenburger Stadtrat die Gründung einer Universität gefordert. Aus dem ersten Plan, die Hochschule für Sozialwissenschaften von Wilhelmshaven nach Oldenburg zu verlegen und gemeinsam damit der hiesigen Pädagogischen Hochschule eine Universität zu gründen, schlug fehl. Die Wilhelmshavener verlegten 1961 ihre Einrichtung nach Göttingen.
Uneinigkeit
Und auch in Oldenburg war man sich nicht einig. Dem 1964 gegründeten bürgerlich ausgerichteten „Förderkreis einer Universität Oldenburg“ passte es nicht ins Konzept, eine Universität aus der Pädagogischen Hochschule heraus zu gründen, weil sie nur die Volksschullehrerausbildung betrieb. Ansätze zur Weiterentwicklung der eigenen Lehranstalt zu einer Universität hatten sich in der PH 1967 entwickelt.
Der Förderkreis strebte demgegenüber eine „Nordwest-Universität Oldenburg-Wilhelmshaven“ an, mit Naturwissenschaften in Wilhelmshaven und Geisteswissenschaften in Oldenburg. Von einer Voll-Universität war dieser Plan allerdings weit entfernt. Davon konnte der Universitätsausschuss der PH die Öffentlichkeit überzeugen.
Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat die Veranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen unter das Motto „50 Jahre offen für neue Wege“ gestellt. Über die kommenden Monate wird es diverse Ereignisse geben – die meisten davon öffentlich.
Den Auftakt macht am Dienstag, 5. Dezember, die feierliche Eröffnung des Jubiläumsjahres für Universitätsangehörige, UGO-Mitglieder und geladene Gäste aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Den Festvortrag hält die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats Prof. Dr. Alena Buyx.
Für das kommende Jahr sind unter anderem bereits ein Neujahrsempfang von Universität und Universitätsgesellschaft, ein Kinder-Campus und ein Tanzabend in der Universitätsbibliothek geplant. Weitere Veranstaltungen folgen.
Schließlich gelangte auch die Landesregierung in einer Zeit der Bildungsreformen zu der 1969 im „Leussink-Gutachten“ formulierten Einsicht, dass der Westen des Landes in Osnabrück und Oldenburg Universitäten vorrangig für die Lehrerausbildung benötigte.
Die Landesregierung richtete einen „Gründungsausschuss für die Universität Oldenburg“ ein. Am 25. August 1970 beschloss die neu gewählte niedersächsische Landesregierung die Gründung der beiden Universitäten. Dieser Beschluss trat am 5. Dezember 1973 in Kraft.
Doch der Kampf nahm damit kein Ende. Ende 1971 wurde ein Baustopp verkündet, gegen den der Gründungsausschuss erfolgreich protestierte. Allerdings ging die vorgesehene Fachrichtung Jura nach Hannover, die ursprünglich fest versprochene Fachrichtung Zahnmedizin gab es auch nicht – die vorhandenen Studienplätze in Göttingen und Hannover wurden erweitert. Allen Widerständen aus der Landespolitik und der abwehrend-konservativen Kräfte in Oldenburg zum Trotz gelang es dem Ausschuss dennoch, seine Arbeit erfolgreich zum Abschluss zu bringen.
