Seit zehn Jahren studieren in Oldenburg angehende Ärztinnen und Ärzte. Warum die Medical-School schon heute mit den etablierten Hochschulen mithalten kann, erklärt Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU).
Herr Thümler, das Land hat in Oldenburg ein 2,3 Hektar großes Grundstück für mehrere Gebäude der Universitätsmedizin erworben. Nun steigen die Baupreise rasant. Ist der Zeitplan, also Baubeginn 2024, zu halten?
ThümlerJa, 2024 soll die Grundsteinlegung stattfinden. Im ersten Bauabschnitt sollen 61 Mio. Euro verbaut werden. Je nach Beauftragung wird finanziert.
Wird es ein Planungsteam geben, das sich extra um den Bau der Gebäude für die Medizinische Fakultät kümmert?
ThümlerDas Staatliche Baumanagement arbeitet mit der Uni Oldenburg sehr eng zusammen. Ich gehe davon aus, dass es keine Reibungsverluste geben wird.
Bislang finanziert das Land 120 Studienplätze. Eigentlich sollen es 200 sein. Wann wird die Zahl erreicht sein?
ThümlerErst zum Wintersemester 2026/2027 kann es 200 Medizin-Studienplätze in Oldenburg geben. Zuerst muss die Nassanatomie fertiggestellt sein. Sie ist quasi das Nadelöhr auf dem Weg zum Ausbau.
Wird die Finanzierung ein ähnlicher Kampf wie die Aufstockung von 80 auf 120 Studienplätze, die erst im Doppelhaushalt 2022/2023 festgezurrt wurden?
ThümlerEs gibt eine erfreulich große Einigkeit bei den Parteien über mehr und zusätzliche Studienplätze in der Medizin. Deshalb muss die Landesregierung die Aufstockung der Studienplätze in der Mittelfristigen Finanzplanung ab 2024 berücksichtigen.
Die Bautätigkeit sollte auch ein Signal sein, um die Wissenschaftler in Oldenburg zu halten. Gelingt das?
ThümlerJa, wir haben vor Kurzem erst Prof. Dr. Dr. Martin Maurer von der Universitätsklinik Bern für die Radiologie gewonnen, den der Aufbau einer neuen Fakultät reizt. Den Wissenschaftlern ist die Perspektive wichtig. Mit dem Neubau wird sie noch stärker sichtbar.
Und wie fällt das Interesse der Studierenden aus?
ThümlerDie Nachfrage ist sehr groß. Zum Wintersemester 2023/2023 hatten wir 20.747 Bewerbende. Im Jahr zuvor waren es 22.050. Pro Studienplatz sind das mehr als an den niedersächsischen Standorten Hannover und Göttingen. Übrigens: Die Staatsexamina sind in Oldenburg überragend gut. Es handelt sich um eine sehr fundierte Ausbildung, mit der sich die EMS nicht hinter anderen Fakultäten verstecken muss.
Lässt sich das auch für die Forschung sagen?
ThümlerJa, gemeinsam mit Groningen finanzieren wir mit insgesamt zehn Millionen Euro mehrere Forschungsprojekte. Bei einem geht es unter anderem um sogenannte Antibiotika-Resistenzen.
Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Streit um die Zusammenlegung des Evangelischen Krankenhauses mit dem Pius-Hospital in Oldenburg beigelegt wird?
ThümlerDas halte ich für sehr wichtig. Mit zwei gleich großen Krankenhaus-Strukturen in Oldenburg kann man auf Augenhöhe agieren. Ich glaube, dass ein christliches Krankenhaus in Oldenburg im Wettbewerb gute Chancen hat.
Oldenburg fühlt sich im Vergleich mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Uni-Medizin Göttingen (UMG) benachteiligt. Warum gibt es für die EMS kein „Sondervermögen“?
ThümlerDie MHH ist 50 Jahre alt; hier muss ein alter Campus komplett umgekrempelt werden. Ich halte aber wenig von dem Vergleich, sondern gucke eher nach Neugründungen wie in Augsburg und Mannheim.
Wann wird der gesamte Medizin-Campus in Oldenburg fertig sein?
ThümlerDer erste Bauabschnitt wird 2026/2027 fertig sein; ich hoffe, dass der zweite und dritte Abschnitt, die Hörsäle, bis 2030 fertiggestellt werden. Dann wird Oldenburg ebenso auf dem neuesten Stand sein wie die sanierte MHH.
Wo sehen Sie die EMS am Ende dieses Jahrhunderts?
ThümlerIch denke, dass die European Medical School ständig mit guten Lehr- und Forschungserfolgen auf sich aufmerksam machen wird. Und ich kann mir weitere Kooperationen vorstellen, beispielsweise mit der Universität Bremen. Ich habe kürzlich gelesen, dass mindestens 20 Jahre vergehen, bis eine Medizinische Fakultät in Deutschland funktioniert. Ich glaube, dass wir den „Turnaround“ in Oldenburg schon vor 2032 schaffen. Der Prozess hin zu einer voll etablierten Universitäts-Medizin lässt sich nicht mehr aufhalten.
