Oldenburg - Seit ein paar Monaten geht es um: Angeblich ruft Europol, Interpol oder das FBI an und verlangt persönliche Daten von den unvorbereiteten Adressaten. Bisher sei es in Niedersachsen glücklicherweise noch zu keinen Fall gekommen, in dem die Betrüger mit dieser Masche erfolgreich waren, berichtet Carsten Vogt, Beauftragter für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland. Aber Vorsicht ist angebracht. Der Polizist bekommt täglich Anrufe von Personen, die nicht zu Opfern wurden, aber den seltsamen Anruf schildern.
Welche Maschen gibt es ?
Besonders erfolgreich ist der sogenannte Enkeltrick. Denn seit langem ist es nicht mehr nur der bisher unbekannte „Enkel“, der anruft. „Hier ist der Arzt Ihres Sohns, der auf der Arbeit umgekippt ist und dringend Medikamente braucht“ oder „Hier spricht die Rechtsanwältin ihrer Tochter, die wegen eines schweren Verkehrsunfalls vor Gericht steht“, nennt Vogt beispielhaft Fälle aus Oldenburg. Die Betrüger bedienen sich einer taktischen Gesprächsführung, nutzen den Schockmoment aus und versuchen, die Opfer möglichst lange am Telefon zu halten. „Denn solange man mit den Betrügern telefoniert, kann man niemand anderes anrufen, um sich rückzuversichern“, erläutert Vogt.
Carsten Vogt
Mit den Anrufen von „Europol“ verfolgen Betrüger aktuell eine weitere Masche. Eine Computerstimme bittet einen, eine Nummer zu drücken. Macht man dies, wird man weitergeleitet und persönliche Daten werden abgefragt. Spätestens an dieser Stelle sollte aufgelegt werden. Auf keinen Fall sollten die abgefragten Daten herausgegeben werden.
Wie erfolgreich sind Betrüger ?
Auch wenn der Polizei bei der „Europol“-Masche noch kein Erfolg bekannt geworden ist, steigt die Zahl der Betrugsfälle insgesamt weiter. Die Corona-Zeit und die technischen Möglichkeiten bieten dafür guten Nährboden. „Jeder 70. bis 80. Anruf ist erfolgreich und jeder erfolgreiche Fall verursacht durchschnittlich 30 000 Euro Schaden“, schildert Vogt. Wobei derlei Statistiken seiner Meinung nach nur wenig bedeuten. „Egal, wie viele Anrufe erfolgreich sind: Für den Betroffenen ist es ein hundertprozentiger Schaden“, beschreibt der Kriminaloberkommissar.
Ist man selbst schuld ?
„Jeder sagt, dass er nicht darauf reinfällt“, so der Präventionsbeauftragte. Umso größer sei die Scham, wenn es doch dazu kommt. Denn der Geschädigte fühle sich oft nicht als Opfer einer Straftat, sondern als „selbst schuld“. Vogt verneint dies. Er weiß, dass die Geschädigten nicht unfähig oder tüdelig sind. Er appelliert: „Scheuen Sie sich nicht, Anzeige zu erstatten und mit Ihren Angehörigen zu sprechen.“
Wie kann man Betrüger durchschauen ?
Besonders durch die technische Entwicklung sind Betrüger immer schwerer zu durchschauen. Sie rufen durch technische Tricks augenscheinlich mit den offiziellen Nummern der Behörden an. Durch das Internet und Telefonbücher haben sie Zugriff auf Nummer, Adresse und Name der Zielperson. „Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren und nicht in einen Tunnelblick zu verfallen“, sagt Vogt. Auf keinen Fall sollten persönliche Daten am Telefon preisgegeben werden. Eine gute Option sei es, den Anrufer zu bitten, in fünf Minuten nochmal anzurufen. „Wirkliche Behörden werden das tun“, versichert Vogt. Die Betrüger können das natürlich auch. In den fünf Minuten habe man aber Zeit, sich bei seinen Angehörigen zu erkunden, ob der von Unfall oder Krankheit betroffene Verwandte wirklich in Not ist.
Beim typischen Enkeltrick lohnt sich ein kleines Training. „Denken Sie sich vorher einen Namen aus, den es in Ihrer Familie sicher nicht gibt und üben Sie ihn“, empfiehlt Vogt. Springt der Betrüger auf den falschen Namen an, kann man ihn so entlarven.
Wie schütze ich Oma und Opa ?
„Jüngere Angehörige sollten mit ihren Eltern und Großeltern regelmäßig über das Thema sprechen“, appelliert Vogt. Er wünscht sich, dass sich auch jüngere Menschen mehr mit der Prävention auseinander setzen. Menschen ab 60 Jahren geraten häufig in das Visier der Betrüger. „Sie sind mehr Zuhause und haben meist weniger Kontakte“, erläutert der Präventionsbeauftragte. Dadurch sind sie leichter zu erreichen und erfahren erst später von den neuen Maschen. Die Angreifer halten in den Telefonbüchern Ausschau nach alten Telefonnummern mit nur fünf Stellen und Vornamen, die typischerweise bei älteren Personen vorkommen. Hier biete es sich an, die Nummer auf eine neuere zu wechseln, den Vornamen im Telefonbuch abzukürzen oder sich komplett aus dem Telefonbuch streichen zu lassen.
Ist das nicht zu viel des Guten ?
Der Beauftragte weiß, dass die viele Vorbereitung für manche Leute nach übertriebenem Misstrauen klingt. Dennoch empfiehlt er, auf alles gefasst zu sein: „Diese Betrüger haben täglich acht bis zehn Stunden Zeit, sich Maschen auszudenken: Es gibt nichts, was es nicht gibt.“
