• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Erwachsene lernen Lesen und Schreiben

18.04.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-04-18T05:13:44Z 280 158

Analphabetismus:
Erwachsene lernen Lesen und Schreiben

Oldenburg Seit fünf Jahren helfen sich Erwachsene, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, selbst – in der „abc-Selbsthilfegruppe“ bei der VHS an der Karlstraße. Regelmäßig treffen sich die Lerner dort – das nächste Mal am 2. Mai von 19.30 bis 21.45 Uhr (Raum 2.08). „Es ist keine Anmeldung nötig. Einfach vorbei kommen!“, sagt Ernst Lorenzen.

Der 61-Jährige leitet die Gruppe zusammen mit Brigitte van der Velde. Er ist auch einer der Ehrenamtlichen, die wegen ihres besonderen Einsatzes für andere Menschen für den Titel „Oldenburger des Jahres“ in diesem Jahr vorgeschlagen worden sind (die NWZ  berichtete). Er sagt: „Wir wollen das Thema Lesen und Schreiben für Erwachsene angehen, weil wir das selbst hier an der VHS erlernt haben und nun andere Erwachsene mit diesem Problem dafür begeistern wollen.“ Ein offenes Ohr für das Anliegen hat die LzO, die die Arbeit seit Jahren unterstützt.

Dass Ernst Lorenzen und Brigitte van der Velde so offensiv mit dem Thema umgehen, ist zurzeit noch etwas Besonderes. Sie sind deutschlandweit auf Tagungen und Kongressen eingeladen, ihre Termine reichen vom Wochenmarkt-Stand über die Frankfurter Buchmesse bis zum Bundestag, um das Problem bekannter zu machen und um es anderen zu erleichtern, ihre Lage zu verbessern.

Brigitte van der Velde sagt: „Wir wollen zeigen, dass es uns gibt. Wir freuen uns, wenn jemand einen anderen Blick bekommt auf die Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Es ist wichtig, darüber zu sprechen. Für uns ist es eine Herzenssache, das zu machen. Durch unseren Umgang damit fällt es anderen Betroffenen auch leichter, den ersten Schritt in die Selbsthilfegruppe zu machen.“ Dort herrsche eine große Vertrautheit.

Ein großer Dank der Selbsthilfegruppe geht an Achim Scholz von der VHS, der die Lerngruppen seit vielen Jahren betreut und sich um alle Anliegen kümmert. Scholz selbst sagte zur kleinen Feier des fünfjährigen Bestehens der Selbsthilfegruppe: „Es geht um Aufklärung, um Sensibilisierung und darum, den Betroffenen Mut zu machen, zu sagen: Kommt zu uns, wagt diesen Schritt! Die Lerner sind die wahren Botschafter.“ Allmählich gingen immer mehr Menschen – auch durch das Vorbild der Selbsthilfegruppe, offen damit um. Ernst Lorenzen sagt: „Versteckt haben wir uns lange genug.“ Lorenzen hat lange als Tischler bei einem Oldenburger Unternehmen gearbeitet und dabei viele Nöte und Ängste ausgestanden – zum Beispiel schon dann, wenn er nur Aufträge lesen oder einen Kunden finden musste. Mathe konnte er gut, auch CNC-Programmierung, kein Problem, aber Straßenschilder entziffern? Kaum eine Chance.

Weil der Zeitpunkt, sich zu offenbaren, ihm irgendwann vorbei schien, hat er auch der Familie über Jahre nichts davon erzählt. Den Kindern las er, als sie klein waren, am Bett aus Büchern vor, in denen er keine Zeile entziffern konnte. Er schämte sich einfach zu sehr.

„Ohne Lesen und Schreiben ist es ein verdammt schweres Leben“, sagt Lorenzen. „Meines hat sich durch den Schritt in die VHS-Lernkurse um 180 Grad geändert. Für mich gibt es ein Leben davor und ein Leben danach. Ich gehe heute ganz anders durch die Welt.“


Mehr Infos unter   www.abc-selbsthilfegruppe.de 
Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?

Oldenburger Schulen
Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?