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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Erinnerungskultur und Rap-Konzert

10.02.2018

Nadorst Vormittag an der IGS Flötenteich. Die Schüler der 7. bis 12. Klasse strömen in die Aula. Heute gibt es statt Unterricht die geballte Ladung Erinnerungspolitik ganz nah und nicht nur aus dem Geschichtsbuch. Esther Bejarano ist zu Besuch. Sie wurde 1924 geboren und ist eine der wenigen Überlebenden des NS-Vernichtungslagers Auschwitz. Mit dabei hat sie ihr Buch „Erinnerungen: Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen rechts“.

Schulleiterin Hannelore Lüllwitz eröffnet die Lesung. Sie freut sich sehr über den Besuch, da es ihrer Meinung nach wichtig ist, der jungen Generation, die nun heranwächst, die Thematik der Erinnerungskultur nahe zu bringen. Veranstaltet wurde die Lesung vom Cins („Circus im Nationalsozialismus“) und der Schule.

Die Verantwortlichen sind unter anderem IGS-Lehrerin Annegret Meyer und Ines Rosemann vom Cins. „Wir wollen eine kritische, lebendige Erinnerungskultur schaffen“, sagt sie. „Irgendwann werden wir keine Zeitzeugen der Nazi-Herrschaft mehr zu uns einladen können.“

Der Saal der Aula ist voll besetzt, und die 93-Jährige tritt auf die Bühne. Sie ist klein und zierlich; aber als sie sich setzt und zu lesen beginnt, ist ihre Stimme energisch und bestimmt. Sie nimmt die Schüler mit in die Vergangenheit – in ihre Vergangenheit.

Es fängt an mit einer Fahrt im Viehwaggon nach Auschwitz. Sie erzählt von ihren schrecklichen Eindrücken, im Saal ist es still. Langsam blättert sie die Seiten um und macht immer wieder eine Pause. Gebannt lauschen die Jugendlichen ihren Worten, wenn sie sagt, „wir waren nur noch Nummern“, oder wenn sie von der psychischen Belastung spricht. Ihre Rettung fand sie damals in der Musik. Im „Orchestra“ des Konzentrationslagers spielte sie Akkordeon, Blockflöte und Gitarre. Die Befreiung Deutschlands durch die Alliierten beschreibt sie für sich als „zweite Geburt“.

Theo Menzel besucht die 9. Klasse und ist einer der Schüler im Publikum. Der 15-Jährige fand die Lesung sehr interessant. „Wir hatten das Thema schon oft im Unterricht“, sagt er. „Aber sie hat auch Neues erzählt, was ich noch nicht wusste.“

Nach der Lesung folgte ein Konzert zusammen mit Sohn Joram Bejarano an der Bass-Gitarre und dem Kölner Rapper Kutlu Yurtseven. Gemeinsam sangen sie gegen rechtsradikale Stimmen in Deutschland. Immer wieder von kleinen Anekdoten und Witzen unterbrochen, präsentierten sie jiddische und italienische Klassiker, aber auch türkische Rap-Stücke. Sie hielten ein Banner in die Luft auf dem stand: „Nie wieder Krieg.“

Einen besonderen Höhepunkt bildete die abschließende Fragerunde mit den Geschichts-Leistungskursen des 12. Jahrgangs. Die Schülerinnen und Schüler fragten, Esther antwortete, ohne erkennbare Scheu auf beiden Seiten.

Auf die Frage eines Schülers, wie Esther Bejarano es schaffe, so klar und deutlich über ihre Erfahrungen zu sprechen, lachte die alte Frau und entgegnete: „Natürlich fällt es mir schwer, darüber zu sprechen. Aber soll ich euch denn etwas vorheulen?“

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