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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Votum gegen Förderschule sorgt für Unverständnis

12.04.2018

Oldenburg Knut Hempel war am Montag im Schulausschuss, als Vater eines zwölfjährigen Schülers der Schule am Bürgerbusch. „Interessant“ fand er das, was er da aus der Politik gehört hat, ungeschminkt ausgedrückt auch „erschreckend“, bisweilen „zynisch“, verbunden mit einem „komplett mangelnden Respekt vor der Leistung der Lehrer an dieser Schule“. Hempel: „Ich habe eine rein ideologisch geprägte Diskussion erlebt, das Wort ,Kind’ kam da nur am Rande vor, als ginge es um die Umstrukturierung einer Firma.“

Bürgerbusch überzeugt

Sein Sohn hat fünf Jahre lang eine Inklusions-Regelschule in Hamburg besucht, mangels Förderschul-Angebot. Hempel hat „den Mangel an Räumlichkeiten und Fachlehrern für diese Lern-Problematik“ erlebt. Deshalb war es für die Familie „eine Erlösung zu sehen, wie das am Bürgerbusch gehandhabt wird“.

Was er sich von der Politik gewünscht hätte? „Dass wir uns die Förderschule Lernen noch so lange gönnen, bis das richtig funktioniert.“ Dass Oberschulleiter, die vier Sonderpädagogen hätten, den Eindruck erwecken wollten, dass ihre Schule für jeden Schüler schon jetzt die erste Wahl sein müsse, überrasche. Zumal die Stadt gerade selbst insbesondere an den Oberschulen massive Probleme bei der Entwicklung inklusiver Strukturen eingeräumt habe.

Dass es dennoch so einfach sei, einen Strich durch eine Schule zu machen, obwohl die Rechtslage ausdrücklich die Verlängerung erlaube, liege auch an der Schulform, die ja nun einmal von den Schwächsten besucht werde: „Als in Hamburg ein katholisches Gymnasium geschlossen werden sollte, an dem zu 70 Prozent Juristen-Eltern waren, lief das alles aber ganz anders.“

Da mit der Auflösung der Förderschule Lernen ja nicht nur die Lehrer, sondern auch alle Schüler auf die anderen Schulen verteilt würden, werde deren Probleme damit auch bei weitem nicht gelöst, sondern eher verschärft.

Besonders geärgert hat Hempel der „Zynismus von Politikern wie Frau Wolff von den Grünen, die meinte, die Schüler bräuchten keinen Schonraum, weil sie später im Leben ja auch zurecht kommen müssten“. Hempel: „Ich habe gerne Zynismus, aber nicht, wenn es um Kinder geht.“ Auch Prof. Lindemann, der Inklusionsforscher der Universität, der ebenso wie die Schulpolitiker an der Schule am Bürgerbusch noch nicht gesichtet worden sein soll, habe in dem Ausschuss keinen guten Eindruck hinterlassen. Hempel: „Bis das richtig funktioniert, springt halt mal eine Generation über die Klippe, so klang das, das finde ich unsäglich.“

„Ganzes Land verlängert“

Inzwischen wurde bekannt, so Marianne Ley, Landeselternvertreterin für die Förderschulen, die auch zwei Kinder an der Schule am Bürgerbusch hat, dass „Oldenburg bislang die einzige Stadt ist, die sich gegen eine Verlängerung für die Förderschule Lernen ausgesprochen hat“. Ley am Mittwoch: „Egal, ob Hannover, Cloppenburg, Rastede, alle verlängern, nur Oldenburg weigert sich, irgendetwas stimmt da nicht.“

Ihre Vermutung: „Sie wollen die Kinder unbedingt auf den anderen Schulen haben, den Aspekt der Kinder selbst haben sie dabei aber gar nicht im Blick.“

Ley ist dagegen, die Inklusion als Zwangsmaßnahme für alle auszulegen. Zumal dies von der UN-Konvention auch nicht verlangt worden sei. Es müsse für beide Bedürfnisse die Wahl geben. Ley: „Ich finde, die Förderschulen sollten allgemein bestehen bleiben, nicht nur die mit Bestandsgarantie. Es gibt immer wieder Kinder, die es an der Regelschule nicht schaffen, aber ihren Hauptschulabschluss dann tatsächlich an der Förderschule hinbekommen.“ Das hänge nicht nur damit zusammen, dass sich manche Schüler dort einfach wohler fühlten, sondern auch damit, dass etwa über das Jahrespraktikum, das die Schüler dort durchlaufen, Arbeitsplätze und Ausbildungsstellen auch in schwierigeren Fällen viel eher gefunden werden.“

Stadtschülerrat übt Kritik

Zu befürchten sei zudem, dass „Kinder, die an der normalen Schule nicht klarkommen, nur bis zur 9. Klasse genommen werden und dann einfach ausgeschult werden“.

Und letztlich müsse die Frage gestellt werden, wo das zugesagte Elternwahlrecht bleibe. Ley: „Es wurde uns genommen. Deshalb kann ich auch nicht nachvollziehen, warum die beiden Elternvertreter in Oldenburg so entschieden haben.“

Anders als die beiden Elternvertreter Geraldine Dudek und Arne Kaiser hatten die beiden Vertreter des Stadtschülerrats, Karl Grotheer und Keno Hiller, dafür gestimmt, dass die Förderschule Lernen sechs Jahre länger bestehen kann. Anders auch als die Politiker im Ausschuss hatte Karl Grotheer die Schule im Vorfeld besucht und lange mit Schülern gesprochen, die beide Systeme – Oberschule bzw. Gesamtschule und die Förderschule Lernen – kennengelernt haben. Auf Nachfrage sagte Grotheer am Mittwoch: „Der Inklusionsprozess läuft seit 2011. Bisher sehen wir nur, dass es an der IGS richtig läuft, die Helene-Lange-Schule ist da ein top Beispiel, die anderen Gesamtschulen sind auch gut. Aber an den Oberschulen kommen die Schüler zum Teil nicht klar. Da fehlt noch richtig viel.“

Dass der Sprecher der Oberschulen, Schulleiter Christian Osterndorf, den Eindruck vermittelt habe, das passe schon, dass Fünftklässler nicht mehr an der Förderschule Lernen angemeldet werden dürfen, könne er sich nur so erklären, dass die Oberschulen sich im Gegenzug stärkere Unterstützung von der Stadt versprächen. Diese verfolge ja die zügige komplette Umstellung und wolle keine Verlängerung. Hier fühlten sich die Oberschulen möglicherweise vom ,Goodwill’ der Stadt, die ja auch für das Raumprogramm zuständig sei, abhängig.

Nach dem Votum des Schulausschuss (Ablehnung mit 10:7) entscheidet der Rat am 23. April (18 Uhr, PFL).

Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?

Oldenburger Schulen
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Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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