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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Schüler erlaufen 25 000 Euro für Kobanê

08.11.2017

Oldenburg Jetzt erst recht – so kann wohl die Haltung am besten beschrieben werden, mit der sich im September 1600 Schülerinnen und Schüler der Oberschule Eversten, der IGS Helene Lange Schule und des 7. Jahrgangs der IGS Flötenteich auf den Weg zum 3. Spendenlauf für den Wiederaufbau der Schulen im nordsyrischen Kobanê im Eversten Holz machten. Im Vorfeld hatte es große Schwierigkeiten gegeben, das geplante Programm mit Gästen aus Kobanê umzusetzen, weil die Syrer – für alle unverständlich – nicht einreisen durften.

Inzwischen sind alle Spenden eingesammelt und gezählt. Und das Ergebnis bestätigt die Haltung: 25 000 Euro konnten die Läuferinnen und Läufer in diesem Jahr zusammentragen. Ein Betrag, der nach wie vor dringend gebraucht wird.

Solidarität seit 3 Jahren

„Ihr zeigt, dass wir nicht ohnmächtig sind, um die Welt ein wenig besser zu machen.“ Mit diesen Worten hatte Bürgermeisterin Christine Wolff mit den Schulleitungen der IGS Helene-Lange-Schule und der OBS Eversten den Spendenlauf der beiden Schulen für den Wiederaufbau der Schulen in Kobanê in Nordsyrien eröffnet. Seit drei Jahren arbeiten die Schulen in dem inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Solidaritäts- und Schulpartnerschaftsprojekt mit Schulen in Kobanê zusammen. Neben zwei erfolgreichen Spendensammlungen haben sie im letzten Jahr Schulpartnerschaften mit zwei Schulen in Nordsyrien abgeschlossen.

Musik der Bläserklassen der beiden Schulen mitten im Wald, eindrucksvolle Ansprachen und ein Stand mit gespendeten Leckereien verliehen dem Spendenlauf den Charakter eines großen gemeinsamen Schulfests. Und die Fröhlichkeit sowie das Engagement der vielen Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und Besucher ließen den im Grunde ernsthaften Anlass und Inhalt des Projekts für den Moment etwas in den Hintergrund treten.

Seit Beginn des Solidaritätsprojekts mit den Schulen in Kobanê Ende 2014 hat seine Zielsetzung weder an Bedeutung noch an Aktualität verloren, im Gegenteil: Der Krieg in Syrien dauert an, und die Region Nordsyrien/Rojava, zu der Kobanê gehört, wird nach wie vor durch Grenzschließungen und -kontrollen in ihrem Aufbau behindert und durch militärische Angriffe bedroht.

Weitere Hilfe nötig

Gleichzeitig hat die Föderation Nordsyrien viele geflüchtete Menschen aus umkämpften Gebieten aufgenommen, was die Aufgabe des Wiederaufbaus der Schulen und einer flächendeckenden schulischen Versorgung zusätzlich erschwert. Angesichts der Tatsache, dass weltweit 75 Millionen Kinder aufgrund von Kriegs- und Krisensituationen keine Schule besuchen können, gilt das Projekt als ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Realisierung des Rechts auf Bildung für die vom Krieg betroffenen Kinder in der Region. Der Wiederaufbau soll ihnen bei der Bewältigung des Lebensalltags helfen und die Gründe der Flucht mindern, weil er den Familien vor Ort eine Zukunftsperspektive für ihre Kinder bietet.

Mehrfach haben Verantwortliche aus Kobanê betont, dass das Oldenburger Schulprojekt sehr geschätzt wird, und der Hilfebedarf noch groß ist, um allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen und sie mit Materialien auszustatten. Mit 25 000 € Euro in diesem Jahr, und somit inzwischen 63 000 Euro insgesamt leisten die Oldenburger Schulen hier eine Menge.

Beitrag zur Inklusion

„Und ihr sorgt auch dafür, dass Rassismus und Ausländerfeindlichkeit bei uns keinen Platz finden“, sagte Christine Wolff über die Auswirkungen auf die eigene Stadt. Auch den Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflüchtet seien, müsse sich Oldenburg als weltoffene und tolerante Stadt zeigen. Vor allem im letzten Jahr sind viele Schülerinnen und Schüler aus Nordsyrien und dem Nordirak an die Oldenburger Schulen gekommen, viele Familien, die schon lange hier leben, haben verwandtschaftliche Beziehungen in die Region.

Das Projekt soll auch einen wichtigen Beitrag zu einem breiteren Verständnis von Inklusion leisten: Viele Schüler und ihre Familien sind oder waren in ihren Herkunftsländern von rassistischer Verfolgung und Angriffen persönlich betroffen. Das prägt ihr Denken, ihr Handeln und ihre Persönlichkeit. Mit dem Engagement für den Wiederaufbau in Kobanê wird dies wahrgenommen, thematisiert und eine Möglichkeit zum gemeinsamen Handeln angeboten. Denn Kobanê gilt als Symbol für die Verteidigung gegen die Angriffe des sogenannten Islamischen Staats und für ein friedliches, gleichberechtigtes Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen und Geschlechter. In diesem Zusammenhang gehört auch das Kobanê-Projekt der Oberschule Eversten und der Helene-Lange-Schule in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus“, dem sich die Schulen angeschlossen haben.

Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110
Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?

Oldenburger Schulen
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