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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Ungebremste Möglichkeiten in Oldenburg

01.06.2019

Oldenburg Richtig Gummi gegeben hat Heinz das erste Mal auf der Autobahn. Mit 150 Sachen Richtung Osnabrück. Zack hat er den Brummi vor sich überholt. Die Straße gehörte ihm. Na ja, fast. Rechts saß ja noch Michael. Aber der bremst jetzt andere aus.

Heinz Hapke braucht jetzt keinen Fahrlehrer mehr. Seit einem Jahr hat der Beschäftigte bei den Gemeinnützigen Werkstätten einen Führerschein. Der 42-Jährige ist einer von vier Menschen mit geistiger Behinderung, die sich erfolgreich durch Straßenschilder und Verkehrsregeln gelernt haben, Theorieunterricht, Fahrstunden am Simulator und im richtigen Wagen, Prüfungen und Aufregung gekämpft haben.

Super Tipps

„Komm’ mal ins Büro, hat mein Chef gesagt und dann hat er gefragt, ob ich einen Führerschein machen will“, sagt Heinz. Er wollte. Logisch. Zuhause in Ahlhorn saß sonst nur seine Frau am Lenkrad. Jetzt übernimmt Heinz auch mal das Steuer. Außerdem chauffiert er das Baumschulauto der Gartengruppe, in der er seit knapp 24 Jahren beschäftigt ist. „Man muss sich immer umstellen. Die Wagen fahren sich unterschiedlich“, sagt er. Neun verschiedene Autos stehen Mitarbeitern und Beschäftigten mit Führerschein bei den Gemeinnützigen Werkstätten zur Verfügung. Da mache es schon mal holpernd „Brümm-brümm“ beim Anfahren. Heinz lacht. Silke verzieht das Gesicht. Die 35-Jährige hat schon noch ein bisschen Respekt vorm Fahren. Fünf Anläufe hat Silke Erlach gebraucht, bis der Herr vom TÜV überzeugt war. „Michael hat immer gesagt, dass es eben so lange dauert, wie es dauert“, sagt sie.

Michael von der Fahrschule Diekmann ist ohnehin ein feiner Kerl, der seine Schützlinge zur Stärkung auch mal zum McDrive gelotst hat. Den Wissenshunger seiner Straßenhelden hat er sowieso gestillt. „Super Tipps hat der auf Lager“, schwärmt Leonardo und guckt vorbildlich ausführlich über die linke Schulter, winkt eine Radfahrerin vorbei und fährt behutsam an. Ehrensache, dass Leonardo Lahmann dem Fotografen und der Redakteurin von der Nordwest-Zeitung eine Kostprobe seiner Fahrkünste gibt. Auch wenn er ein winziges bisschen nervös ist.

Cabrio mit Kurbeldach

Schon eine halbe Ewigkeit hat der 28-Jährige mit Papas Opel geliebäugelt. Seinen Führerschein wollte der Beschäftigte im Sandkruger Holzbereich der Gemeinnützigen Werkstätten längst gemacht haben. Jetzt darf er das gute Stück seines Vaters mitbenutzen. Zwei, drei Mal die Woche steigt Leonardo ins Cabrio. „Mit Kurbeldach“, sagt er und schaltet den Betriebswagen der Werkstätten in den vierten Gang. Lieber noch würde er einen Fiat 500 lenken. „Der passt zu mir. Mein Name kommt ja auch aus Italien“, sagt der 28-Jährige.

Heinz hätte lieber einen Opel. Silke fährt gar nicht so auf schicke Wagen ab. Der reparaturbedürftige Peugot vor ihrer Haustür reicht ihr. Und er wartet auf sie. Wenn Auto und Fahrerin fit genug sind, darf die 35-Jährige Gas geben. Bis dahin bevorzugt sie Touren im Familienwagen mit ihrem Bruder als Beifahrer. „Als ich nach der letzten Prüfung meine Mutter angerufen und erzählt hab’, dass ich den Führerschein habe, hat sie angefangen zu weinen“, sagt Silke. Danach sind alle groß essen gegangen und haben gefeiert.

Jubel und Tränen

Auch Heinz, der seine Frau ein bisschen auf den Arm nehmen wollte und behauptet hat, er sei durchgefallen, wurde zuhause mit Jubel begrüßt. Weite Strecken muss seine Liebste jetzt nicht mehr alleine bewältigen. „Da helf’ ich aus“, sagt der 42-Jährige und streicht zufrieden über seinen Schnauzbart. So sicher war er sich nicht immer. „In der ersten Fahrstunde hat Michael gesagt ,du lenkst, ich schalte’“, erinnert er sich. Richtig nervös sei er gewesen. Und die miesen Fangfragen im Theorietest – von wegen wann Rehe auftauchen können, was ja immer passieren kann – hätten ihn auch beinahe reingelegt. Schwamm drüber.

„Piep-piep“ macht das Auto. Leonardo dreht sich irritiert um. Der NWZ-Fotograf ist nicht angeschnallt und knipst wild in der Gegend rum. Bei sowas motzt die Mechanik. Das tut sie auch, wenn man irgendwo zu dicht dran fährt. Aber das passiert Leonardo selten. Er ist vorsichtig. „Besonders Respekt habe ich vor großen Lastern“, sagt er. Die Autobahn nimmt der 28-Jährige dennoch. Zum Üben und weil es schneller geht. Silke bevorzugt die Landstraße. Die Beschäftigte in der Nähwerkstatt geht es eben lieber langsam an. Das theoretische Wissen hat sich die 35-Jährige allerdings ziemlich zügig angeeignet. Da war sie unter den vier Fahrschul-Teilnehmern auf der Überholspur.

Platz für alle

Mehr bewegen wollen die Gemeinnützigen Werkstätten mit dem Führerschein-Projekt auch weiterhin: andere Beschäftigte bekommen ebenfalls die Chance, ihre Fahrerlaubnis zu erwerben und anschließend im Betrieb Autos mitzubenutzen, Einkäufe und Transporte zu erledigen. „Da wären wir“, sagt Leonardo und schaltet den Rückwärtsgang ein. Parklücken, geben alle drei zu, suchen sie gerne nach Größe aus. Ihren Platz haben sie bislang immer gefunden. Mal holperig mit „brümm-brümm“, mal zielsicher, mal mit Navigation. Ganz normal eben. Und wenn sie wollen können diese Menschen mit Behinderung richtig Gummi geben.


Ein Video unter:   www.nwzonline.de/tv 
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Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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