• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Oldenburger Schülersprecher Trifft Grant Hendrik Tonne: Jetzt mal Tacheles, Herr Kultusminister

19.09.2018

Oldenburg /Hannover Den direkten Draht in Kultusministerium: Die NWZ hat ihn für Karl Grotheer hergestellt. Der Vorsitzende des Stadtschülerrats und Sonderpreisträger bei der Aktion „Oldenburger des Jahres“ bekam nun die Gelegenheit, Grant Hendrik Tonne eine Stunde lang stellvertretend für alle Oldenburger Schüler mit Fragen zu löchern.

Es gibt Kaffee, Früchtetee und Kekse im Büro des Ministers. Tonne ist pünktlich und gut gelaunt. Karl hat eine lange Liste mit Fragen zusammengestellt, gesammelt auch von anderen Schülern. Sie sprechen kurz über den Föderalismus, an dem der Minister im Bildungsbereich festhalten möchte. Den Bund sieht er mit Großaufgaben wie Arbeit, Rente oder Gesundheit ausreichend beschäftigt. Seinen eigenen Arbeitsbereich abzugeben, dafür sieht er keine Argumente. Und schließlich ist auch seine Aufgabenliste gut gefüllt.

Lehrermangel

Karl wurde von der Cäcilienschule berichtet, dass es dort zu viele Religionslehrer aber zu wenig Französischlehrer gibt. Die Schulen hätten es sehr schwer, punktgenau das an Fachunterricht anzubieten, was sie gerne hätten, entgegnet der Minister. Viele Faktoren, zum Beispiel die Verteilung auf die Studienfächer, hätte darauf Einfluss. Seine Landesschulbehörde sieht er in der Aufgabe, die Löcher zu erkennen und Lösungen zu finden, zum Beispiel durch Abordnungen. „Das gelingt aber nicht in jedem Einzelfall. Nicht im städtischen Bereich. Und auf dem Land wird es noch ein bisschen schwieriger.“

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Karl Grotheer

Der 17-Jährige vom Gymnasium Eversten ist Vorsitzender des Stadtschülerrats. Zudem ist er bei der Jusos, der Jugendorganisation der SPD, aktiv.

Beim Ehrenamtspreis „Oldenburger des Jahres“, der im Juni dieses Jahres vergeben wurde, war Karl für sein Engagement als Schülervertreter mit einem Sonderpreis geehrt worden. Als Belohnung vermittelte die NWZ ein Interview mit dem Kultusminister.

Die Lehrerversorgung sei insgesamt ein Problem, dass nur langfristig gelöst werden könne. In der Diskussion um die Quereinsteiger verweist er daher darauf, dass diese kurz- und mittelfristigen Ansätze immer noch besser sei, als wenn gar keine neuen Lehrer eingestellt würden. „Das machen wir aus der Notwendigkeit, dass Köpfe gebraucht werden.“ Nun müsse dafür gesorgt werden, dass dies nicht nur ein Notnagel ist, sondern die Schule auch im Sinne der Multiprofessionalität bereichert wird.

Notengebung

Natürlich ist auch die Art der Leistungsbewertung unter den Schülern stets ein heißes Thema, wie Karls Themenkomplex zeigt. Bei diesem stets emotionale diskutierten Thema wirbt Tonne auch für andere Möglichkeiten als Noten, zum Beispiel Entwicklungsberichte. „Ich persönliche finde sie viel differenzierter.“ Im Übrigen habe er selbst auch mal in einer Mittelstufen-Klausur eine Fünf gehabt. „Was einfach daran lag, dass ich zu faul war, Vokabeln zu lernen.“ Noten sagen also nicht alles aus. Dennoch hört man heraus, dass einer Abschaffung von Noten eine viel zu große Vertrautheit der Gesellschaft mit diesem System, über Jahrzehnte gewachsen, entgegensteht.

Schülervertretung

Die Erklärung von und die Werbung für Demokratie gehört für Tonne zwingend in die Schule. Dazu gehört für ihn auch eine Unterstützung der Schülervertretungen, so kenne er das aus vielen Landkreisen. Während der Landesschülerrat über ein gewisses Budget für seine Arbeit verfügt, müsse der Oldenburger Stadtschülerrat ohne garantierte Mittel auskommen, klagt Karl.

Tonne empfiehlt, hier das direkte Gespräche mit dem Oberbürgermeister. „Ich denke, auch die Stadt Oldenburg hat ein großes Interesse daran, dass Schüler sich organisieren und für ihre Positionen kämpfen.“

Berufsorientierung

Berufsorientierung gehört für Tonne an jede Schule, entgegnet er auf Karls Frage, wo diese angesiedelt sein solle. „In Niedersachsen tritt zum 1. Oktober der neue Berufsorientierungserlass in Kraft, der noch einmal einen deutlichen Ausbau der Berufsorientierung – auch an den Gymnasien – vorsieht.“ Seine eigenen Erinnerungen an die Berufsorientierung sieht er eher als Negativbeispiel. „Die sah so aus, dass mir gesagt wurde, ich solle mir ein zweiwöchiges Praktikum suchen. Das habe ich dann beim Förster gemacht.“

Grant H. Tonne

Der 42-jährige SPD-Politiker ist seit vergangenem Jahr Kultusminister im Kabinett der Großen Koalition unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Er wuchs in Leese (Kreis Nienburg/Weser) auf und ist von Beruf Rechtsanwalt.

Im Landtag saß Tonne von 2008 bis 2017, wo er über die Landesliste eingezogen war. Bei der vergangenen Wahl erhielt er aufgrund der vielen gewonnenen Direktmandate keinen Sitz mehr.

Ein Schwerpunkt dieses Bereichs könne im Fach Politik liegen. Er sollte seiner Meinung aber auch breit angeboten werden, und das nicht nur von Lehrern. Statt dessen sollen die Schulen zum Beispiel Hochschulen, Industrie- und Handelskammern mit ins Boot aus, so Tonne.

Digitalisierung

Sind Lehrer Fortschrittsmuffel? Diesem Vorurteil will der Minister vorab entgegentreten. „Im Jahr 2017 haben 20000 Lehrkräfte von den Fortbildungen im digitalen Bereich Gebrauch gemacht. Ich finde, das ist eine sehr hohe Zahl.“ Doch auch die technischen Ausstattung der Schulen ist ein Thema, bei dem Karl und der Stadtschülerrat schon lange schnellere Fortschritte fordert.

Noch sind Taschenrechner in diesem Bereich ein Thema. So hat Karl von Fällen gehört, dass Geräte, die auch mal um die 100 Euro kosten, von Schülern teils neu angeschafft werden müssen, weil sie nicht einem bestimmten Modell entsprechen, obwohl sie vergleichbare Leistungen bringen. Tonne verweist dabei auf das Problem der Prüfungssituationen. „Es darf niemand übervorteilt werden, weil ein Geräte mehr kann als das andere.“

Diese Hürde wirkt umso höher, wenn Tonne über seine Strategie für die künftige Ausstattung spricht. „Bring you own device“, also die Nutzung der eigenen, ohnehin vorhandenen Handys und Tablets im Unterricht, sieht er nämlich als wichtigen Baustein bei der Digitalisierung der Schulen. „Dort gibt es aber von den Möglichkeiten der Geräte eine große Spanne.“ Das sei ein bislang ungelöstes Problem, trotzdem müsse man dorthin kommen.

Denn morgens Tablets auszuteilen und am Ende des Schultages wieder einzusammeln, sei zwar immerhin ein Schritt nach vorne, aber zu wenig. „Das Lernen endet doch nicht mit Schulschluss.“ Stattdessen müsse man die Ressourcen, die bei den Schülern vorhanden sind, nutzen. Über eine digitale Bildungs-Cloud müsse dann jeder auf das entsprechende Material zugreifen können.

Inklusion

Der Stadtschülerrat hatte sich im Schulausschuss gegen die politische Mehrheit gestellt und für die Erhalt der Förderschule Lernen in Oldenburg ausgesprochen. Nicht weil er gegen die Inklusion sei, sondern weil er die Bedingungen an den Schulen noch nicht für ausreichend hält, um gemeinsames Lernen für alle sinnvoll zu gestalten, erklärt Karl.

Tonne verteidigt den eingeschlagenen Weg. Nach all dem, was man wisse, lernten Schüler gemeinsam mehr, als wenn man sie auseinanderreiße – selbst unter Bedingungen, die noch nicht ausreichten. Das Lernen in sogenannten Defizitgruppen sei nicht gewinnbringend, auch wenn es darüber tradierte Gegenansichten gebe. „Das ist ehr eine emotionale Debatte.“

Oldenburger Schulen
Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?

Patrick Buck stv. Redaktionsleiter / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2114
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.