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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

„Beschäftigung wirkt erziehlich gut“

02.01.2018

Oldenburg Nichts ist so spannend wie die Geschichte einer Stadt. Und gleichermaßen so amüsant. Wer durch die jahrhundertealten und längst vergilbten Gemeindeblätter der Stadt Oldenburg stöbert, entdeckt dort zwischen den Zeilen Ereignisse und Beschlüsse, die sich bis in heutige Zeiten ausgewirkt haben. In unserer Serie, die in loser Folge veröffentlicht wird, stellen wir die besondersten oder auch nachhaltigsten Einträge eines ganzen Jahres vor. Heute: das Jahr 1898.

Kinderarbeit

„Bekanntlich wird in neuerer Zeit der Erwerbsthätigkeit schulpflichtiger Kinder erhöhte Beachtung geschenkt, und sind in einzelnen Städten besondere Polizeiverordnungen, welche diesen Gegenstand regeln, in Aussicht genommen. Im Allgemeinen ist die erwerbliche Thätigkeit der Schulkinder in hiesiger Stadt keine solche, welche zu Mißständen führt. In Betracht kommen nur die Volksknaben- und Volksmädchenschule. In einer Fabrik ist hier kein Schulkind beschäftigt. Die Beschäftigung der Schülerinnen der Volksmädchenschule besteht in sog. Stundenarbeit in anderen Häusern mit leichten häuslichen Arbeiten, im Ausfahren kleiner Kinder und kleinen Botendiensten; früher wurden die Mädchen auch mit Straßenfegen und Anzünden und Auslöschen von Straßenlaternen beschäftigt; das ist seit länger nicht mehr der Fall; die Zeit der Beschäftigung der Mädchen ist verschieden, meist 1–2, in vereinzelten Fällen 3, ganz selten 4 Stunden täglich außerhalb der Schulzeit; morgens vor der Schulzeit sind nur 5 Schülerinnen thätig, und zwar 4 je 1 Stunde, 1 etwa 1 ½ Stunde. Die Beschäftigung der Schüler der Volksknabenschule befasst Stundenarbeit, Botendienste, Brodaustragen und Kegelaufsetzen, vereinzelt auch Kellnerdienste; morgens vor der Schule sind 10 Schüler je 1 Stunde beschäftigt; im Uebrigen dauert die Beschäftigung durchweg 1-2 Stunden täglich, hin und wieder 3 Stunden, ja bei einzelnen 5, 6 und 8 Stunden; letztere sind zweifellos überbürdet. Eine Veranlassung, gegen die Ausschreitungen mit Polizeivorschriften vorzugehen, ist indes nicht gegeben. Es ist nach Ansicht des Schulvorstandes ausreichend, wenn die Vorsteher der Volksmädchenschule und Volksknabenschule fortab sorgsam und fortgesetzt darauf achten, in welcher Weise und in welchem Umfange eine gewerbliche Beschäftigung der Kinder stattfindet (...) Es ist dabei als Regel zu nehmen, daß eine erwerbliche Thätigkeit früh vor dem Schulanfang überhaupt nicht stattfinden soll, daß die Arbeit eine leichte und angemessene sein muß und nur so lange dauern darf, daß sie die Kräfte des Kindes nur soweit in Anspruch nimmt, daß für das Kind genügeng Zeit bleibt, um sich zu erholen und um die häuslichen Arbeiten für die Schule zu machen; Kellnerdienste sind möglichst ganz auszuschließen. (...) Es kann nicht davon die Rede sein, die Erwerbsthätigkeit der Kinder der in dürftigen Verhältnissen lebenden Eltern ganz beseitigen zu wollen; das würde ebenfalls sehr zum Schaden der Kinder selbst sein, da eine passende Beschäftigung auch erziehlich gut wirkt.“

Lehrergehälter

„Die Besoldung der Elementarlehrer an den städtischen Schulen (einschl. Zeichenlehrer): Die Besoldungen betragen jährlich 1) für die Vorsteher 2400 bis 3600 Mark, 2) für die übrigen Lehrer 1000 bis 3200 Mark. Das Aufsteigen im Gehalt geschieht in der Form von Dienstalterszulagen, und zwar: 1) bei den Vorstehern nach je drei Jahren mit 300 Mark, 2) bei den übrigen Lehrern dergestalt, daß dieselben erhalten: im 1. bis 3. Dienstjahre 1000 Mark, (...) im 10. und 11. Dienstjahre 1600 Mark, (...) im 21. bis 25. Dienstjahre 2600 Mark, (...) und vom 34. Dienstjahre an 3200 Mark. Das Versagen der Alterszulagen ist nur bei unbefriedigender Dienstführung zulässig. (...) In den oben aufgeführten Gehaltssätzen sind überall die gesetzlichen Alterszulagen, Ortszulagen, sowie die Entschädigungen für Wohnung nebst Garten und Landbenutzung mit enthalten. Dieser Normal-Etat bezieht sich nicht auf die besonderen Fachlehrer für Turnen, Zeichnen und Gesang, mit Ausnahme der angestellten Zeichenlehrer. (...) Besoldung der Lehrerinnen an den städtischen Schulen: Die Besoldungen betragen jährlich 1) für die erste Lehrerin an der Cäcilienschule 1400 bis 2200 Mark, 2) für die übrigen Lehrerinnen 1000 bis 1800 Mark. Das Aufsteigen im Gehalte geschieht in der Form von Dienstalterszulagen im Betrage von 150 Mark nach je drei Jahren. (...) Hinsichtlich der Besoldungsverhältnisse der Handarbeitslehrerinnen gelten folgende Bestimmungen: 1) Die Vergütung für Handarbeits-Unterricht beträgt vom 1. April 1899 an für jede wöchentliche Stunde 60 Mark. 2) Nach Ablauf einer zehnjährigen Dienstzeit kann Handarbeitslehrerinnen durch gemeinschaftlichen Beschluß des Magistrats und Stadtraths ein Anspruch auf Ruhegehalt verliehen werden.“

Radfahren

„Das Regierungsblatt für Hessen bringt eine Verordnung über das Radfahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen vom 14. März, das für 2 Jahre gilt, später tritt die Regelung durch Gesetz ein. Die Bestimmungen schreiben die Führung einer von den Polizei- oder Kreisämtern auszustellenden Radfahrkarte, sowie das Tragen einer Nummerplatte am Fahrrad vor. (...) Das Radfahren ist innerhalb der Ortschaften auf den Banketten allgemein untersagt. Außerhalb der Ortschaften ist die Benutzung des Fußgänger-Banketts, soweit dasselbe nicht durch Alleebäume, Gräben oder sonstwie von der Fahrbahn sichtbar abgegrenzt oder durch besonderes Plakat als für Radfahrer verboten bezeichnet ist, unter der Voraussetzung gestattet: 1) daß ein erheblicher Verkehr von Fußgängern auf dem Bankett zur Zeit überhaupt nicht stattfindet und 2) daß bei dem Begegnen einzelner Fußgänger oder bei dem Vorbeifahren an solchen das Bankett in einer Entfernung von mindestens 20 Metern vor und hinter dem Fußgänger von dem Radfahrer freigelassen wird. Nach eingetretener Dunkelheit ist das Radfahren auf den Fußgängerbanketten untersagt. Auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen dürfen mehrere Radfahrer nur dann nebeneinanderfahren, wenn es ohne Beeinträchtigung des übrigen Verkehrs geschehen kann.“

Schneedienst

„Die gewöhnliche Fortschaffung des Schnees von den ungepflasterten Gemeindefußwegen geschieht in der Regel durch Schneepflüge. Für jeden der 3 Bezirke muss mindestens ein Schneepflug vorhanden sein. Die Fortschaffung wird an Annehmer vergeben; dieselben sind verpflichtet, mit der Fortschaffung spätestens bei Tagesanbruch zu beginnen und außerdem zu jeder Tageszeit auf Anordnung des betreffenden Bezirksvorstehers. Für die Fortschaffung des Schnees von den gepflasterten Fußwegen haben die Eigenthümer der anliegenden Grundstücke zu sorgen. Der säumige Verpflichtete wird mit Geldstrafe bis zu 30 Mark bestraft und kann die Fortschaffung des Schnees auf seine Kosten vom Gemeindevorstand angeordnet werden.“

Ladenschluss

„Von den Bekämpfern des einheitlichen Achtuhrladenschlusses ist stets als Haupteinwand angeführt worden, daß diese Maßregel den Ruin des Kleinhandels bedeuten würde. (...) Schon damals wurde mit Recht ausgeführt, daß gar kein Grund vorliege, eine derartige Wirkung dieser Maßregel anzunehmen, und in der erwähnten Versammlung erklärte eine Anzahl Kleinkaufleute selbst, daß sie den Achtuhrladenschluß ebenso herbeiwünschen, wie die Angestellten. (...) Jetzt, wo es bekannt geworden ist, daß dem Reichstage ein Gesetzentwurf zugehen soll, der von der Einführung des einheitlichen Ladenschlusses ,nicht ganz Abstand nimmt’, mehren sich die Stimmen der Kleinkaufleute und ihrer Organe, die die Regierung auffordern, den Achtuhrladenschluß entsprechend den Vorschlägen der Reichskommission in das Gesetz zum Schutze des Handlungsgehülfen aufzunehmen.“


Alle bisherigen Serienteile zu Oldenburgs Gemeindeblättern unter   www.nwzonline.de/zurueckgeblickt 
Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?

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