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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Erinnerungen von der anderen Seite

14.06.2019

Oldenburg Still ist es im Foyer des Herbartgymnasiums, als Falko Gütte, ehemaliger Bürger der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die Bühne betritt und über sein Leben spricht: „Ich bin 1967 in Leipzig geboren und lebe bis heute dort. Es kam mir nie in den Sinn, meine Heimat zu verlassen.“ 

Unterschiedliche Erfahrungen kamen am Mittwochabend bei der Podiumsdiskussion, der mehr als 60 Menschen folgten, zusammen. Nicht nur Falko Gütte war in Oldenburg. Gleich sieben Zeitzeugen hatte der Geschichtskurs der 11. Klasse von Matthias Stenzel geladen.

Zeitzeugen erzählen

„Die Schüler wollen einen Beitrag zur Geschichtskultur leisten und Zeitzeugen die Möglichkeit geben, zu Wort zu kommen und von ihren persönlichen Erfahrungen zu erzählen“, sagt der Geschichtslehrer Stenzel. Der 17-jährige Schüler Maximilian Kürten befragte die Zeitzeugen vor der Podiumsdiskussion.

„Ich kann behaupten, dass ich eine ordentliche Jugend gehabt habe“, berichtet der 51-jährige Falko Gütte, der eine Ausbildung zum Lokführer gemacht hat. „Ich fühle mich sozialisiert. Damit meine ich, dass ich eine gute Ausbildung bekommen und Erfahrungen gesammelt habe, von denen ich heute noch zehre.“

Klar, habe er viele Freunde gehabt, die Ausreiseanträge gestellt haben. „Die Zustände gerade kurz vor der Wende waren schlimm. Aber meine Heimat und meine Verwandten waren mir wichtiger. Deshalb bin ich dort geblieben.“

Früh gegen das System

Von einer anderen Kindheit berichtet Uta-Maria Döhn im Interview mit Schüler Maximilian Kürten. Zu DDR-Zeiten hat sie in Dresden gelebt, seit 2000 lebt sie in Oldenburg. „Wenn man nicht mit dem Mainstream geschwommen ist, hat man das sofort zu spüren bekommen“, erzählt die 59-Jährige. Ihr Vater war gegen die Pionierorganisationen der DDR gewesen. „Daher wurde ich bei Klassenausflügen oder, wenn es um Klassensprechenämter ging ausgeschlossen.“ Trotz sehr guter Zensuren durfte sie nicht auf die Oberschule oder studieren gehen. „Das ging erst nach der Wende.“ 

Geboren 1963 in der Hauptstadt Berlin, konnte sich auch Mike Sauer nie wirklich mit dem System der DDR abfinden. „In der frühen Schulzeit war mir vieles nicht bewusst. Erst später nach der Ausbildung wurde mir vieles klar.“ Das ging soweit, dass der jetzt 55-Jährige im Alter von 21 Jahren den Wehrdienst verweigerte und dafür ins Gefängnis ging.

Gefängnis statt Militär

„Das war meine Art Klassenkampf, um meine Meinung auszudrücken“, sagt Sauer. Sechs Monate dauerte seine Strafe. Danach stellte er viele Ausreiseanträge, die alle der Reihe nach abgelehnt wurden. „Im September 1989 wurde dann einer bewilligt, so dass ich im November hätte ausreisen dürfen. Das war dann aber ja auch egal, weil dann alles offen war“, berichtet Sauer. Bis 2009 blieb er noch in Berlin. Dann zog der 55-Jährige nach Oldenburg.

Auch nach Oldenburg zog es Heinz und Dirk Schneider. Zwei Perspektiven: Einmal von Beginn der DDR, bis zum Mauerfall. Heinz Schneider, 79 Jahre alt, lebte mit seinem Sohn Dirk, nun 50 Jahre alt, früher im Bezirk Neu Brandenburg in Torgelow. „1947 wurde ich eingeschult. Das waren die Gründungsjahre der DDR“, berichtet der gelernte Schlosser, der in Torgelow gewohnt hat. „Es war meine eigene Entscheidung damals zu lernen und in die Lehre zu gehen.“

Sein Sohn Dirk Schneider machte 1985 seinen Schulabschluss. „Eine gewisse Wahlfreiheit in meinem Beruf hatte ich schon. Zwar war nicht alles möglich, aber letztendlich bin ich Elektroniker geworden.“ 21 Jahre alt war Dirk Schneider bei der Wende. Kurz vorher hatte er für die Nationale Volksarmee gedient. „Als die Wende dann kam, gab es auf einmal andere Möglichkeiten. Ich musste mich umorientieren. Das war nicht nur für mich ein riesiger Einschnitt, gleichzeitig aber auch eine große Chance.“ 

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Nathalie Langer Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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