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„Ich darf traurig sein, wie ich möchte“

03.05.2018

Oldenburg „Alle fragen sich: Was ist nach dem Tod? Keiner fragt sich: Was ist vor dem Tod?“, sagt Achim Krebber, stellvertretender Schulleiter der Liebfrauenschule. „Wir beschäftigen uns mit dem Übergang.“ Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin des Hospizdienstes, Julia Narosch, unterzeichnete er Ende April den Kooperationsvertrag. Die Liebfrauenschule wird ab jetzt mit professioneller Hilfe vom Hospizdienst bei der Trauerarbeit mit ihren Schülern unterstützt.

Durch ihre Arbeit im ambulanten Hospizdienst hat Julia Narosch gemerkt, dass betroffene Jugendliche oft nicht wissen, an wen sie sich mit ihren Problemen und Ängsten wenden können. In einigen Fällen seien ihre Lehrer engere Bezugspersonen als die eigenen Eltern. Aus diesem Anlass, wendete sie sich aktiv an verschiedene Schulen Oldenburgs und ist bei der Liebfrauenschule auf offene Ohren und Herzen gestoßen. Schulseelsorgerin Yvonne Ahlers hat den großen Bedarf zu den Themen Trauer, Tod und Sterben der Schüler gesehen und die Idee für die Zusammenarbeit mit dem Hospizdienst dankend angenommen.

„Zuerst war ich sogar überrascht, dass Tod ein Thema an Schulen ist“, sagte die Seelsorgerin. „Bei Schülern zwischen 11 und 18 Jahren, denkt man an pulsierendes Leben, nicht an Sterben. Aber wir sind alle Menschen und wir alle verlieren irgendwann jemanden, der uns ganz nahe ist. Gerade, wenn es zum ersten Mal passiert, wissen die Jugendlichen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Sie brauchen und möchten fachkundige Beratung.“

Aus ihrem Arbeitsalltag weiß die Sozialarbeiterin, dass Jugendliche sich selbst oft als Belastung empfinden, wenn sie trauern. Nicht selten, würden sie auch gemoppt, da die Mitschüler genauso wenig wüssten, wie sie mit dem schwierigen Thema umgehen sollten. Dann kämen Sprüche, wie: „Hast du dich endlich ausgeheult? Das geht jetzt schon zwei Wochen, jetzt ist es doch mal genug.“ Das hätte für die Betroffenen schwere Folgen. Sie fühlten sich falsch, denken sie müssten sich mit ihrer Trauer verstecken. „Wenn ich nicht mehr funktioniere, wie bisher, mag mich keiner mehr“, ist nur ein Gedanke, der aufkommen könne. Durch die Kooperation von Hospizdienst und Schulseelsorge, gibt es nun mehrere Anlaufstellen, an die sich die Jugendlichen, auch nach der Schulschlussklingel, wenden können.

„Zwar behandelt die Liebfrauenschule das Thema Tod schon in ihrer spirituellen „StundEins“, jeden Montagmorgen, doch gesellschaftlich ist es noch nicht richtig anerkannt darüber zu sprechen“, meint Achim Krebber. Dabei ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod, wissenschaftlichen erwiesen, ein sehr wichtiger Teil der Entwicklung. Ab 14 Jahren setzen sich Jugendliche intensiv mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und entsprechend auch mit dem Thema Tod und ihrer eigenen Sterblichkeit auseinander. „Mehr als die Hälfte der Befragten, das sind 58 %, gibt an, dass sich die Gesellschaft mit dem Thema zu wenig befasst“, heißt es beim deutschen Hospiz - und Palliativverband e.V. Die Mehrheit stehe dem Thema Tod sprachlos gegenüber. Ausgenommen seien nur diejenigen, die konkrete, individuelle Trauererfahrungen gemacht hätten. Notwendig sei daher die gesellschaftliche Auseinandersetzung zum Thema Sterben. Daran solle sich sowohl die allgemeine Bevölkerung, als auch die Verantwortlichen aus Politik und Gesundheitssystem beteiligen. Differenzierte Angebote, speziell auch für junge Menschen, würden eine Auseinandersetzung mit der Thematik positiv beeinflussen.

„Am liebsten reden wir aber gesellschaftlich gar nicht darüber. Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass Tod nur privat stattfindet. Aber Trauer braucht Raum!“, appelliert Yvonne Ahlers, die auch als Pastoralreferentin arbeitet. „Für mich ist es schön, dass ich gleich vor Ort bin und in Akutsituationen helfen kann. Die Jugendlichen sollen wissen, dass sie immer auch eine Kerze anzünden können, um auch von der göttlichen Seite Halt zu erfahren. Das kann jeder für sich entscheiden. Wir möchten den Schülern nur möglichst viele Lösungsansätze bieten. Christliche, sowie jetzt auch überkonfessionelle durch Julia Narosch.“ Die Mitarbeiterin des Hospizdienstes ist ein Mal im Monat, im Raum der Stille der Liebfrauenschule, Ansprechpartnerin für die Belange der Schüler zum Thema Tod. So soll die Brücke, von der Schule ausgehend, hinein in den Alltag führen.

Außerdem werden auch die Lehrkräfte speziell geschult. Es werde versucht auch ihnen die Angst vor dem Thema Trauerarbeit zu nehmen und klar zu machen, dass sie ruhig zeigen dürften, mit ihren Schülern „im selben Boot“ zu sitzen. Denn früher oder später träfe es jeden von uns.

Achim Krebber kann sich vorstellen in Zukunft das bestehende Praktikumsprogramm „compassion“ der Liebfrauenschule zu erweitern. Bisher sieht es vor, dass die Schüler ein herkömmliches Praktikum und ein Sozialpraktikum machen. „Zu den Stellen für die Sozialpraktika könnten wir eventuell den Hospizdienst dazu nehmen“, überlegt der stellvertretende Schulleiter.

Ein ähnliches Angebot, welches Julia Narosch zusammen mit ihrer Kollegin Cordelia Wach anbietet, gibt es bereits online, unter der Adresse www.da-sein.de. In dem Projekt werden Jugendliche geschult, die Gleichaltrige bei ihrer Trauer durch E-Mail-Austausch unterstützen. Zurzeit sind es 20 „Peers“, wie die ehrenamtlichen, zwischen 16 und 26 Jahren alten Trauerbegleiter genannt werden. Sie arbeiten systemisch-lösungsorientiert und werden selbstverständlich fachkundig mit regelmäßigem Austausch und Supervisionen von den Sozialarbeiterinnen betreut.

Das Ziel all dieser Bemühungen ist es, die Themen Tod und Trauer, öffentlich und transparent zu machen. Julia Narosch hat noch eine persönliche Vision: „Ich fände es großartig, wenn an allen Schulen in Oldenburg ein Netzwerk aufgebaut wird, welches diese Themen an die Schulen und damit auch an die Gesellschaft heranträgt und verbreitet. Damit sich niemand mehr mit seiner Trauer verstecken muss.“

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