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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Mehr Frauen suchen Hilfe nach sexualisierter Gewalt

17.06.2019

Oldenburg 215 Betroffene haben im vergangenen Jahr die Hilfe von Wildwasser gesucht, der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. 215 Frauen und Mädchen aus Oldenburg, dem Landkreis Ammerland und dem Landkreis Oldenburg. Das entspricht der Zahl von fast 20 Fußballmannschaften. Jede Fünfte (21 Prozent) der 215 Frauen und Mädchen war dabei jünger als 17 Jahre.

„Unsere Zahlen steigen leider kontinuierlich“, sagt Frauke Janßen von der Beratungsstelle, die im Februar für Geschäftsführerin Rita Schilling ins Team gekommen ist. „Die Dunkelziffer“, sagt Janßen, „liegt noch höher“. Denn: Nicht jedes Mädchen oder jede Frau, der sexualisierte Gewalt widerfährt, sucht im Nachhinein Hilfe. Tut sie es doch, stehen fünf Mitarbeiterinnen den Frauen zur Seite und helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Zu dem Geschehenen zählt die gesamte Spannbreite sexualisierter Gewalt – von Cybermobbing bis zur Vergewaltigung. Aber auch zufällig erscheinende Berührungen, Nachstellungen, anzügliche Worte oder sexuelle Belästigung.

Krisenintervention

Dass die Zahlen steigen, führt Janßen unter anderem auf zwei Dinge zurück: „Das Thema ist in der jüngeren Zeit stark ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.“ Debatten wie „MeToo“ – zu deutsch etwa „ich auch" – bei der zum Teil prominente Frauen von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt und Übergriffen berichtet haben, haben zu einer neuen Auseinandersetzung mit dem Thema geführt. Und das hat möglicherweise dazu beigetragen, dass sich Opfer mehr Hilfe suchen und eher bereit sind, Straftaten auch anzuzeigen.

Zahlen & Fakten

377 Ratsuchende haben sich 2018 an die Beratungsstelle gewandt. Darunter 215 Betroffene, 70 Fachkräfte und 69 Elternteile. Dazu suchten 53 Frauen und Mädchen Hilfe über die Online-Beratung.

1689 Beratungskontakte haben sich aus den 377 Beratungsfällen ergeben.

48 Prozent aller Ratsuchenden stammen aus der Stadt Oldenburg, 34,2 Prozent aus dem Landkreis Oldenburg und 11,1 Prozent aus dem Landkreis Ammerland.

Die Beratung richtet sich unter anderem an Mädchen und Frauen, die von sexualisierter Gewalt betroffen waren oder aktuell bedroht sind, an Angehörige und weitere Bezugspersonen sowie soziale Fachkräfte.

Bei der Polizeiinspektion Oldenburg wurden im Jahr 2018 167 Sexualstraftaten bekannt, 80 Prozent davon wurden aufgeklärt. Im Jahr 2017 waren es 149 Fälle, 2016 mit 112 noch etwas weniger.

Neben der möglicherweise gestiegenen Bereitschaft, sich Hilfe zu suchen, sieht Janßen aber auch die Zahl der Fälle höher werden. Und nicht nur die Zahl steigt an, auch „die Intensität und Komplexität“ nehme zu. „Die Beratungskontakte sind von zwei bis drei auf fünf bis sechs gestiegen“, berichtet Janßen. Denn eine Frau brauche häufig nicht nur einmal Hilfe, sondern sucht die Beratung wiederkehrend auf. Die Mitarbeiterinnen geben etwa Hilfe bei der Erstattung von Anzeigen und begleiten die Frau auch während eines Prozesses. Wobei Janßen betont: „Es geht bei unserer Arbeit nicht in erster Linie darum, dass Anzeige erstattet und der Täter bestraft wird, sondern darum, was die Ratsuchende braucht.“

Eine Hauptaufgabe sei daher die Krisenintervention und Stabilisierung der Betroffenen. Auch traumaspezifische Hilfen sind ein Baustein der Arbeit. Dafür verfügt Wildwasser zum Beispiel über sogenannte „Trauma-Koffer“. Darin enthalten sind verschiedene Gegenstände, die in schwierigen Lagen unterstützen können. So wie das Kuscheltier Kraft-Löwe, Armbänder mit kraftspendenden Worten oder ein Fingerring, der fest in der Hosentasche gedrückt werden kann. Die harte Berührung kann helfen, wenn traumatisierte Frauen drohen, aus der Wirklichkeit gerissen zu werden.

Doch auch die Beratungsarbeit gehört zu den Aufgaben von Wildwasser: „Zu erklären, was macht ein Trauma mit einem Menschen“, sagt Janßen, „warum reagiert jemand auf einmal so, wie er es tut.“

Zur Präventionsarbeit zählen zum Beispiel Fortbildungsangebote oder Fachinformationsveranstaltungen. „Wir wenden uns an Schulen oder Sportvereine“, sagt Janßen. Auch WenDo-Kurse für Mädchen mit dem Schwerpunkt Selbstbehauptung und Selbstverteidigung sind im Angebot.

Kapazitätsgrenzen

Die Arbeit ist nicht immer einfach, gemeinsam mit den Betroffenen ihre Situationen zu bewältigen, kostet Kraft. „Daher arbeiten all unsere Mitarbeiterinnen auch nur in Teilzeit“, erklärt Janßen. „Zudem bieten wir genügend Raum und Zeit, die Arbeit zu reflektieren.“ Um den Anforderungen gerecht zu werden, plant Wildwasser in diesem Jahr, die Mitarbeiterzahl aufzustocken.

Wir stoßen an unserer Kapazitätsgrenzen“, sagt Janßen sehr deutlich. „Denn unsere Beratungszeiten steigen kontinuierlich.“ Es sei sehr unbefriedigend, wenn Frauen erst 14 Tage nach dem ersten Kontakt ein Termin angeboten werden könne: „Wir könnten noch weiter aufstocken, doch dazu braucht es auch die entsprechenden finanziellen Mittel.“

Die Beratungsstelle finanziert sich auch über öffentliche Zuschüsse. Davon entfallen 139 500 Euro auf die Stadt Oldenburg, 22 500 auf den Landkreis Oldenburg und 7000 Euro auf den Landkreis Ammerland. Weitere Quellen sind Zuschüsse des Landes sowie Einnahmen aus Projekten und Spenden.

 Wildwasser Oldenburg, Lindenallee 23, Telefon  1 66 56, info@wildwasser-oldenburg.de, Telefonische Beratung montags von 9 bis 11 Uhr, mittwochs und donnerstags 14 bis 16 Uhr, persönliche Beratung nach Vereinbarung oder ohne Voranmeldung mittwochs von 16.30 bis 17. 30 Uhr in der Beratungsstelle.


Weitere Informationen und Online-Beratung unter:   www.wildwasser-oldenburg.de 
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Mareike Weberink Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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