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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Bildung

Wenn eine Ärztin putzen gehen muss

13.02.2015

Oldenburg Es kann sein, dass der Mann, der einem im Fastfood-Imbiss den Hamburger reicht, Richter aus Mazedonien ist. Die Frau, die im Krankenhaus den Boden schrubbt, Ärztin aus Kasachstan. Der Hausmeister, der den Rasen mäht, Ingenieur aus Kamerun. Ihnen in ihrer neuen Heimat dabei zu helfen, im einst erlernten Beruf zu arbeiten, hat sich Ines Mierau zur Aufgabe gemacht. Seit August 2011 ist sie im Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) für die Beratungsstelle zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen tätig. „Ich habe den schönsten Job der Welt“, sagt die 48-jährige Soziologin. Unterstützt wird sie seit Anfang Januar von Petra Guddat mit einer Halbtagsstelle.

Das Büro im 2. Stock des Bildungszentrums an der Kanalstraße verströmt bewusst keinen Behörden-Charme. An den Wänden hängen viele kleine Karten mit dem „Lob der Woche“ und anderen Motivationssprüchen. Über dem Besprechungstisch hängt ein gemaltes Ziegen-Porträt – störrisch gibt sich in den Beratungsgesprächen indes niemand. „Meine Kunden sind sehr engagiert, alle wollen raus dem Hilfsarbeiter-Status“, berichtet Ines Mierau. Nur in einem einzigen Fall sei es einer Frau darum gegangen, einen negativen Bescheid zu bekommen, um lieber „Stütze“ zu erhalten.

Beratung wird bis 2018 gefördert

Die Oldenburger Beratungsstelle zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen gehört zum IQ Netzwerk Niedersachsen. Unterstützt wird die Arbeit durch das mit Bundesmitteln finanzierte Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“.

Die im Bildungszentrum Oldenburg (Kanalstraße 23) angesiedelte Einrichtung ist eine von 13 Anlaufstellen im IQ Netzwerk Niedersachsen. Zum Einzugsbereich gehören Stadt und Landkreis Oldenburg, Wilhelmshaven, Delmenhorst, Cloppenburg, das Ammerland und die Wesermarsch. 37 Prozent der 189 persönlichen Beratungen in 2014 entfielen auf Menschen aus Oldenburg.

Die Förderung haben das Bundesarbeitsministerium, das Bundesbildungsministerium und die Bundesagentur für Arbeit bis zum Jahr 2018 verlängert.

Kontakt: Ines Mierau, Tel. 2190628 oder per E-Mail an ines.mierau@bnw.de

Mehr Infos unter

Mehr Infos unterwww.anerkennung-in-deutschland.de

Seit dem 1. April 2012 haben alle Zuwanderer einen Rechtsanspruch darauf, dass Abschlüsse und Qualifikationen, die sie im Ausland erworben haben, auf Gleichwertigkeit überprüft werden. Sprich: Es wird geschaut, welchem deutschen Berufsabschluss der ausländische entspricht. Für ein Beratungsgespräch nimmt sich Ines Mierau 60 bis 90 Minuten Zeit. Sie setzt sich mit einem weißen Blatt Papier an den Tisch und lässt die Ratsuchenden erzählen – so kann sie sich nicht nur ein Bild von der Berufserfahrung ihres Klienten machen, sondern gewinnt auch Einblicke in die Psyche. Die Zahl der Syrer und Ukrainer habe zugenommen – „da spiegeln sich die Krisenherde dieser Welt wider.“ Den Spitzenplatz unter den „Kunden“ teilen sich Polen und Russen mit einem Anteil von jeweils 18,57 Prozent im Vorjahr.

Viele Akademiker

Drei Tage in der Woche nimmt Ines Mierau persönliche Beratungen vor, mittwochs ist für die Telefonberatung reserviert, freitags werden Mails beantwortet: 80 bis 90 Anfragen – darunter viele aus dem Ausland – gehen jede Woche ein. 70 Menschen aus Oldenburg, die aus 27 verschiedenen Ländern stammten, hat sie im vergangenen Jahr persönlich beraten. 37 von ihnen hatten akademische Abschlüsse, 29 Menschen hatten Abschlüsse aus dem dualen Ausbildungsbereich oder Fachschulabschlüsse vorzuweisen. „Es gibt großes Potenzial vor Ort, um den Fachkräftemangel zu beheben“, sagt Mierau. 60 Prozent ihrer Kunden räumt sie gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt ein. Sie wünscht sich, dass „Betriebe mutiger werden“ bei der Einstellung ausländischer Mitarbeiter.

Der Großteil der auf den Weg gebrachten Anträge wird für reglementierte Berufe – wie von Ärzten, Apothekern, Zahnärzten, Psychotherapeuten oder Hebammen – gestellt, weil hier eine Anerkennung die Voraussetzung für die Berufsausübung in Deutschland ist. Mit ihren Schützlingen zittert Ines Mierau mit. Drei Ärzte aus ihrer Kartei stehen bald vor der Kenntnisprüfung: „Ich bin guten Mutes, dass sie das schaffen. Ich drück’ die Daumen.“


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