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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Endlich wieder eine Frau!

19.10.2016

Oldenburg Null. Komma Null. Also quasi nix. Einfach niemand. Das war bislang die Quote aller Frauen bei der Berufsfeuerwehr (BF) in Oldenburg. „Da gibt es eindeutig Nachholbedarf“, hatte deren stellvertretender Leiter Jens Spekker im Spätsommer 2015 gesagt. Und siehe da: Kaum wartet man mal 14 Monate, schon ist die ganze männliche Quote über den Haufen geworfen. Mit der 33-jährigen Mariella Cannella gehört nämlich nicht nur die wohl einzige Brandoberinspektorin des Nordwestens fortan zum Team, sondern dank „der Neuen“ kann man hier auch noch eine BF-Ehe und ein BF-Baby zur internen Statistik hinzufügen. Oder wie es Cannella selbst formuliert: „Ich bin am Ziel!“

Oftmals ist’s ja charmantes Geplänkel, wenn man als frisch Zugezogene den neuen Wohnort als „Herzensstadt“ bezeichnet. Im Falle der gebürtigen Hamburgerin aber darf man’s glauben. 2002 fuhr sie erstmals durch Oldenburg – und wusste angeblich sofort: „Das ist meine Stadt.“ Dummerweise wusste die Stadt das damals nicht und musste also fortan zu ihrem Glück gezwungen werden ...

Nach 14 Jahren daheim

Fünf mehr oder minder ernsthaft verfolgte Male hatte die studierte Wirtschaftsinformatikerin hier ihren Helm in den Ring geworfen. Vier Mal hinderten wahlweise Stellenplan, Ausbildungsforderung, die Eile oder schließlich auch die Elternzeit Cannella an einem Wechsel nach Oldenburg. Beim fünften Mal aber gab es keine Ausreden, weder für die eine, noch die andere Seite. Und dann war da ja auch noch diese Ausschreibung in der Deutschen Feuerwehr-Zeitung „Brandschutz“, auf die sie hingewiesen wurde. Die 33-Jährige meldete sich also, brachte offenbar beste Argumente für eine Einstellung vor – und ist nun, 14 Jahre nach ihrer Entscheidung für Oldenburg, endlich „daheim“ angekommen.

Cannella ist hier zwar die einzige Frau im gehobenen Dienst („die Quotenfrau“), aber nicht die erste. 1998 verließ eine Vorgängerin Oldenburg gen Düsseldorf, 2007 zog eine zweite nach Hannover. Seitdem waren die 145 Kollegen Herr im Haus und ganz allein. Ab und an schauten seitdem zwar angehende Superheldinnen rein – die wenigen Frauen der Freiwilligen Feuerwehren (21 von 210 Ehrenamtlichen), auch Jahrespraktikantinnen in den Wachabteilungen. „Was die Stimmung durchaus zum Positiven verändert hatte“, so Jens Spekker, stellvertretender Leiter der Berufsfeuerwehr. Länger blieben sie qua Amt aber nicht.

Bei Cannella, Teil des 16-köpfigen Führungsdienstes, ist das anders, sie will bleiben. Den Hauptpart ihres Berufsalltags leistet sie in der Abteilung „Vorbeugender Brandschutz“ im Gebäude an der Ibo-Koch-Straße ab; alle zehn Tage kommt dann allerdings auch ein 24-stündiger Einsatzleitdienst hinzu. Für sie ist aber genau dies das Salz in der Suppe. „Klar, dass die Einsätze mehr Spaß machen als der Bürodienst“, sagt sie, „das bringt deutlich mehr Abwechslung.“

Dies alles klingt nach einem ziemlich launigen Job. Ist es auch, allerdings mit einer winzigen Einschränkung – gerade einmal einen Meter groß. Denn Cannella ist seit zweieinhalb Jahren Mutter; Vater des Kindes und ihr Ehegatte ist ein Kollege der Berufsfeuerwehr. Den Oldenburger Michael Kaczmarczyk lernte sie 2009 bei einem sechswöchigen Rettungssanitäter-Praktikum in der Übermorgenstadt kennen und lieben. Eine wunderbare, feurige Geschichte also – die aber auch ihre Tücken hat. Denn ihr Mann ist Brandmeister, daher ständig im Wachzug und nicht zuletzt Mariella Cannella unterstellt.

In „Luxusposition“

Was familienintern angeblich schnell geklärt worden sei, stelle sich auch im Berufsalltag als unproblematisch dar – meint nicht nur Jens Spekker. Zugegeben, „die Neue“ ist erst seit 14 Tagen im Einsatz. Aber weder gab es unter den restlichen Kollegen Gerangel um die Schichtdienste, noch Probleme bei der Kinderbetreuung des BF-Paares. „Die Familie unterstützt uns sehr“, sagt Cannella, „wir sind in einer echten Luxusposition – und Kollisionen im Dienstplan konnten wir bislang auch sehr gut vermeiden.“ Die Brandoberinspektorin war zu Beginn ihrer Wehr-Karriere erste Frau bei der Freiwilligen Feuerwehr Breitenburg (Schleswig-Holstein), später erste Frau in Delmenhorst und nun also in Oldenburg. Eine „Mission“ möchte sie diese Sonderstellung zwar nicht nennen, sehr wohl aber vielleicht ein gutes Beispiel für weitere ambitionierte Frauen in diesem Job sein. Denn davon gibt es viel zu wenige. Weshalb? Nun: „Eine Vermutung ist der nötige technische Hintergrund“, sagt Spekker, „ein anderer, dass ein solcher Beruf im sozialen Umfeld unterrepräsentiert ist.“

Sprich: Feuerwehrfrauen gibt es in Kinderbüchern kaum, das Bild des behelmten Mannes in Uniform ist hingegen allgegenwärtig. „Vielleicht brechen diese Strukturen ja gerade ein wenig auf“, hofft Spekker – „bei der Polizei lief es anfangs ja auch eher schleppend.“

Sei’s drum. Nun ist ja Mariella Cannella da – und vielleicht kann sie auch eine neue Ära bei der hiesigen Berufsfeuerwehr prägen: „Man muss sich einfach nur mal trauen.“ Und Frau erst recht.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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