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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Als 13 Kinder im Bombenhagel starben

10.11.2011

OLDENBURG Das Schloss, die Kirchen, Dobben- oder Ziegelhofviertel – das historische Oldenburg hat den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt überstanden. Bombenangriffe, so erzählt man sich zumindest heute, habe es in Oldenburg eigentlich so gut wie gar nicht gegeben. Die Alliierten wollten die Stadt übernehmen und nicht in Schutt und Asche legen.

Die Legende des nicht bombardierten Oldenburgs hört auch Peter Zimmering (63) immer wieder. Und jedes Mal steigt Bitternis in ihm empor. „Ich habe drei Geschwister bei einem Bombenangriff verloren“, erzählt er. Neben seinem Bruder Fritz (10) und den Schwestern Helga (6) und Inge (12) wurden an diesem 17. April 1945 noch zehn weitere Kinder und zwei Erwachsene getötet.

Peter Zimmering hat seine Familiengeschichte lange verdrängt. Erst vor einigen Jahren machte er sich daran, die Geschehnisse vom 17. April aufzuarbeiten. „Meine Familie lebte in der Donnerschwee-Kaserne. Mein Vater war mit der Wehrmacht in Italien“, erzählt er. Viele Kinder wohnten damals in der Kaserne, alles Angehörige von Offizieren.

An dem verhängnisvollen 17. April beschlossen die Alliierten den Angriff auf die Kaserne. „Ich weiß nicht einmal genau, ob es Amerikaner oder Engländer waren,“ sagt Zimmering. Nachmittags, die Kinder spielten auf dem Spielplatz der Kaserne, dann kamen die Bomber. Die Sirenen heulten. Und aus einem Block rief jemand: „Kommt schnell rein“. So liefen die Kinder in Richtung Keller. Doch genau in diesem Moment fielen die Bomben direkt auf das Treppenhaus. 14 Kinder und zwei Erwachsene wurden unter den Trümmern verschüttet.

„Meine Mutter hat mir erzählt, dass die Opfer nur noch an ihrer Kleidung identifiziert werden konnten.“ Schwer verletzt überlebte als einziger Günther Zimmering. Wochenlang lag der Junge im Krankenhaus. Zu den Verletzungen kam der Schmerz über die drei verlorenen Geschwister. Und Peter Zimmerings Mutter Sophie brachte es zunächst nicht übers Herz ihrem Mann die ganze Wahrheit zu schreiben. „Am Anfang teilte sie ihm nur mit, dass die Kinder verletzt worden waren.“ Erst nach Kriegsende schrieb sie ihrem inzwischen in US-Gefangenschaft befindlichen Mann vom Tod der drei Kinder. „Der Lagerkommandant hat ihn dann sofort nach Hause entlassen.“

Peter Zimmering kennt diese Geschichten und den Bombenangriff nur vom Erzählen. Er ist erst 1948 geboren worden. „Ohne den Bombenangriff hätte es mich wohl nicht gegeben“, sagt er. Doch die Eltern wollten noch ein Kind nach dem Schicksalsschlag. Für ihn keine leichte Jugend. Zum einen die Entbehrungen der Nachkriegszeit. Dann aber besonders immer wieder Geschichten über die toten Geschwister. Vor allem der Erstgeborene, Fritz, sei ein ausgezeichneter Schüler und Musterjunge gewesen. „Das bedeutete für mich einen ganz schönen Druck“, sagt Peter Zimmering heute.

Doch wie in so vielen Familien im Nachkriegsdeutschland wurde irgendwann immer weniger über das Leid gesprochen. Der 17. April 1945 rückte in den Hintergrund. Auch für Peter Zimmering.

„Erst im reiferen Alter habe ich mich wieder damit beschäftigt“, sagt er. Und heute ist ihm wichtig, dass auch in der Oldenburger Chronik dieser 17. April nicht vergessen wird. „Es wird immer so getan, als habe es in Oldenburg keinen Krieg gegeben. Dabei ist er heute nach sichtbar“, sagt Zimmerung und verweist auf den Friedhof in Donnerschwee. Dort hat der Volksbund vor einigen Jahren 15 Grabsteine aufgestellt für die Opfer des Bombenangriffs. „Vielleicht könnte die Stadt auch mal hier eine Gedenkfeier abhalten bei einem Volkstrauertag“, sagt Zimmering.

   

Jasper Rittner
Redaktionsleitung
Redaktion Westerstede/Oldenburg
Tel:
04488 9988 2601

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