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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Fahrraddiebe in Oldenburg werden immer dreister

18.03.2016

Oldenburg „Abgeschlossen oder nicht – völlig egal“, sagt Carsten Vogt, „mir hat einfach keiner was zu klauen!“ Recht hat er. Und sorgt gleichermaßen dafür, dass Recht auch Recht bleibt. Denn Vogt ist Polizeioberkommissar und Teil einer mehrköpfigen Ermittlungsgruppe, die sich mit dem Diebstahl und der Wiederbeschaffung von Fahrrädern beschäftigt. Intensiv. Denn mehr als 2000 pro Jahr in Oldenburg gestohlen gemeldete Räder machen eine Sonderbehandlung nun mal erforderlich.

Früher, sagt sein Kollege Reinhard Faber, früher hätten sie hier am Friedhofsweg bis zu 7000 Fahrraddiebstähle angezeigt bekommen. Pro Jahr! Nun ist zu vermuten, dass böse Oldenburger Buben nicht weniger und auch nicht genügsamer geworden sind. Vielmehr scheinen die bestohlenen Bürger zu resignieren. Ein Beispiel? Vor einem Monat wurden sieben Fahrräder, teils noch abgeschlossen, aus der Mühlenhunte gefischt. Vermisst wurden diese durchaus wertigen Gebrauchsgegenstände von: Niemandem.

Schnell ins Ausland

„Immer weniger Bürger bringen den Diebstahl zur Anzeige“, weiß Vogt, „vielleicht ja auch, weil immer weniger eine Fahrradversicherung oder ihr Rad gar nicht erst registriert haben.“ Sprich: Die Dunkelziffer dürfte, gerade in einer Fahrradstadt wie Oldenburg, immens sein. Viele Räder würden durch Kontrollen, Aufräumaktionen oder Zufallsfunde wieder auftauchen, aber nur ein kleiner Teil könne wieder zugeordnet werden.

Die tatsächliche Aufklärungsquote liegt bei gerade einmal zehn Prozent. „Wir können nur versuchen, die Diebstähle auf ein erträgliches Maß zu schmelzen“, sagt Faber. Aber auf Null? Nein, das sei fernab jeder Realität.

Kramermarkt und Stadtfest als Quotentreiber? Von wegen. Lediglich 150 Diebstähle würden von dort alljährlich gemeldet. „Hochburgen“ des Raddiebstahls seien vielmehr das Bahnhofsgelände, die Uni, auch die Innenstadt. Wer dort sein Rad leichtfertig, freistehend und mit lediglich einem kleinen Schlösschen abstellt, hat schon viel Glück nötig, will er es später an gleicher Stelle wieder abholen ...

Gleich ins Ausland

Diebische Profis bringen die Räder gleich ins Ausland, kleine Lichter „leihen“ sich das Gefährt für eine Einmal-Strecke aus und entsorgen es dann am Straßenrand. Und wieder andere – „wir kennen ja unsere Pappenheimer“, heißt es auf der Wache – setzen das Rad gleich in Bargeld um, damit sie ihre Drogen finanzieren können.

Viele Räder wandern gleich in Online-Auktionen oder Kleinanzeigen im Internet, und das zu einem echten Schnäppchenpreis. Käufer sollten aber vorsichtig sein – denn stellt sich der Diebstahl heraus, kann sich schnell mal ein Strafverfahren wegen Hehlerei anschließen, das vermeintlich neue Rad ist dann auch gleich wieder einkassiert. „Sie sollten sich immer den Personalausweis des Verkäufers vorzeigen lassen und Nummern, Namen und Adresse notieren“, so Vogt.

Dass die Polizei Fahrraddiebstahl als nur „kleines Delikt“ ansehen könnte, weisen sie hier so weit wie vehement von sich. „Ein Raddiebstahl kann für den Eigentümer erheblich teurer sein als Wohnungseinbrüche oder Autoaufbrüche“, sagt Vogt. „Und wenn wir die Räder zurückbringen, ist die Freude bei den meisten riesig.“ Dafür braucht es aber eben nicht nur Motivation und Finesse der Polizeibeamten, sondern auch die Mithilfe der Eigentümer. Kommissar Rainer Cordes: „Jedes registrierte Rad lässt sich zuordnen und ist damit wie ein Personalausweis für uns.“

Die Registrierung selbst ist kostenlos und schnell – und bei der Polizei rund um die Uhr möglich. Das mag zwar keine einhundertprozentige Garantie für eine rasche Wiederbeschaffung sein, kann aber durchaus helfen.

Nicht selbst aktiv werden

Alle Diebstähle und Rahmennummern sind in den Behörden-Rechnern gespeichert. Wenn sie denn gemeldet und registriert sind – oder die Räder vom ADFC codiert wurden. Wer zusätzlich zur Registrierung Stress vermeiden will, dem empfehlen die Beamten „gute Schlösser ab 35 Euro aufwärts“, so Faber, „am besten Zollstock- oder 2-in-1-Varianten“. Und das vor allem für Trekkingräder. Waren es früher noch Hollandräder, gingen nun die sportlichen Varianten „am besten“.

Und: „Wenn Geschädigte ihr Rad entdecken, sollten sie sofort die Polizei informieren und nicht selbst aktiv werden", so Faber, „das kann in der heutigen Zeit richtig gefährlich sein.“ Dass auch vom Polizeigelände am Friedhofsweg schon mal Räder gestohlen wurden, verschweigt er dabei nicht. „Die Täter werden halt immer dreister.“

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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