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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Rentner lässt Frau sterben: Milde Strafe vor Scheidung

10.10.2014

Oldenburg Ein Rentner hatte seine verletzte Ehefrau sterben lassen – er hatte es unterlassen, rechtzeitig Hilfe zu holen. Doch weil die Scheidung anstand, hatte der 66 Jahre alte Rentner aus Oldenburg laut Gesetz auch keine besondere Fürsorgepflicht (Garantenstellung) für seine Frau mehr. Deswegen sprach die Oldenburger Schwurgerichtskammer den Angeklagten in einem Prozess um Totschlags durch Unterlassen auch nur wegen unterlassener Hilfeleistung schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 2520 Euro. Den ursprünglichen Tatvorwurf des Totschlags durch Unterlassen ließ die Kammer auf Antrag der Staatsanwaltschaft fallen.

Ein „echtes“ Unterlassungsdelikt setze eine „Garantenstellung“ voraus, führte die Kammer aus. Eine Garantenstellung ergibt sich zum Beispiel durch vorangegangenes Tun: Wer eine Person in die Gefahr des Todes bringt, muss Sorge dafür tragen, dass die Person gerettet wird. Eine Garantenstellung ergibt sich auch durch die Ehe. Doch steht, wie im vorliegenden Fall, der Scheidungsanwalt vor der Tür, gilt diese besondere Verpflichtung nicht mehr. Wer dann nicht mehr rettet, macht sich lediglich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig.

Zum Tatzeitpunkt im Juni vorigen Jahres lebte das Ehepaar zwar noch unter einem Dach, schlief aber in getrennten Zimmern. Frühmorgens war die Ehefrau in der Küche gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt. Der Angeklagte, der von Beruf Krankenpfleger war, hatte sie gefunden und in die stabile Seitenlage gelegt. Dann ließ er seine Frau bis zum Abend liegen. Erst gegen 18.15 Uhr verständigte er den Notarzt, da war seine Frau schon lange tot. Sie hätte gerettet werden können.

Garantenstellung hin, Garantenstellung her: Ein Psychiater eröffnete einen ganz anderen Blick auf das Geschehen. Er bescheinigte dem 66-Jährigen nämlich eine beginnende Demenz. Dass er schon mehr als 20 Jahre mit der Frau verheiratet war, wusste der Angeklagte gar nicht mehr. Und die Zeitspanne zwischen Sturz, Tod und Notarzt war ihm auch nicht präsent. Möglicherweise hatte er einfach nur vergessen, zu retten.

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