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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Mehr Senioren an Unfällen in Oldenburg beteiligt

24.02.2017

Oldenburg „50 Jahre unfallfrei!“ Jawohl, da kann Rentner Heinrich stolz drauf sein. Ist er auch – was er seinen zweifelnden Angehörigen auch immer wieder unter die Nase reibt. Na schön, die Augen sehen nicht mehr ganz so viel wie früher, auch seine Reaktionszeit war schon mal besser. Aber „ich fahre trotzdem viel sicherer als die jungen Leute“, sagt er. Von einer erhöhten Gefahr im und für den Straßenverkehr, von der da alle reden, mag er deshalb auch nichts wissen.

Überproportional

Zugegeben, der Name ist erfunden – unser Protagonist könnte auch genau so gut Franz, Maria oder Wilhelm heißen. Solch einen Heinrich gibt es aber in den allermeisten Familien. Und was keineswegs ausgedacht ist: Lebenserfahrung schützt vor Unfall nicht, im Gegenteil.

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Offen und ehrlich reden

Weil auch in Oldenburg die „Silver Generation“ einen immer größeren Anteil der Gesellschaft ausmacht, wächst hier folgerichtig die Zahl der unfallbeteiligten Senioren – dies allerdings überproportional. Zwar wird die Polizei ihre offizielle Verkehrsunfallstatistik für 2016 erst Mitte März vorlegen können, doch schon jetzt ist klar, dass die Probleme nur schwerlich in den Griff zu kriegen sind. Eine Steigerung um knapp sechs Prozent zum Vorjahr hat die Polizeiinspektion bei der Beteiligung von Senioren an Verkehrsunfällen (im Auto, auf dem Rad, zu Fuß) auf Oldenburger Stadtgebiet jüngst ausgemacht. Noch überraschender ist die Aussage von Hauptkommissar und Verkehrsexperte Bernhard Stegemann: „Während im Vorjahr knapp zwei Drittel der unfallbeteiligten Senioren als Hauptverursacher registriert worden sind, ist dieser Anteil nun leicht gestiegen.“ Bei Verkehrsteilnehmern jenseits der 75 Jahre sollen sogar rund 75 Prozent Verursacher des Unfalls sein, wie es von Verkehrssicherheitsberater Klaus Blaser (Polizeioberkommissar) heißt.

Drei getötete Ältere

In der Zehn-Jahres-Übersicht hatte es lediglich 2012 einen kleinen Einbruch gegeben. Ansonsten weist die Oldenburger Statistik eine eindeutige Tendenz aus. Waren 2007 noch 520 Senioren (über 65 Jahre) in einen Unfall verwickelt – von denen 222 Senioren gar als Hauptverursacher galten –, wurden hier im Jahr 2015 gleich 638 von 982 entsprechenden Unfällen Senioren verantwortlich zugeschrieben.

Laut ADAC hat sich der Anteil der Senioren, die als Autofahrer Hauptverursacher von Unfällen mit Getöteten sind, binnen der vergangenen 25 Jahre bundesweit von 6,6 auf 22,1 Prozent verdreifacht. Auch die fahrenden Senioren selbst werden da – oftmals weniger aufgrund der Schwere des Unfalls als vielmehr der eigenen physischen Konstitution – immer wieder tödlich verletzt. In Oldenburg schwankt die Zahl der so getöteten Senioren seit Jahren zwar im kleinen einstelligen Bereich, 2016 starben aber gleich drei Ältere an den Folgen des Unfalls (2015: 0).

Und das, obwohl die Anzahl der verletzten Senioren insgesamt um über zehn Prozent gesunken sein soll, wie Stegemann weiß. Was also tun?

Gebetsmühlenartig weisen die Behörden auf Fahrsicherheitstrainings (auch) für ältere Bürger hin, auf regelmäßige medizinische Überprüfungen von Augen und Gehör oder etwaige Vergünstigungen der öffentlichen Verkehrsbetriebe bei freiwilliger Abgabe des Führerscheins. Mit verhältnismäßig geringem Erfolg.

Sei’s drum. Dass dieses Thema Polizei und Familien auch künftig wohl noch intensiv beschäftigen wird, steht außer Frage. Mehr dazu und der emotionalen Belastung für Angehörige lesen Sie hier.

Tipps für Angehörige bei vermeintlich unsicheren Fahrern:

Angehörige und Freunde sollten auf Warnsignale achten: Passt sich der Fahrer/die Fahrerin dem Verkehrsfluss an, wird vorausschauend gefahren? Wie steht es um die Sicherheit in vertrauter Umgebung? Gibt es koordinative oder motorische Probleme beim Abbiegen, Wenden und Parken? Wird die Spur gehalten, steht er oder sie häufig auf der Bremse, wie schnell werden Schilder, Ampeln und Verkehrsregeln erkannt? Weisen Auto und Garage vermehrt Kratzer und Schrammen auf?

Bleibt die Unsicherheit, sollten sich Angehörige gut auf das Gespräch vorbereiten und auch für sich klären, worum es geht. Genügt es, wenn der Fahrer sein Verhalten ändert oder wird gewünscht, dass er über kurz oder lang auf das Auto verzichtet? „Sie müssen darauf gefasst sein, dass Ihr Angehöriger ablehnend, verärgert oder bestürzt reagiert“, heißt es dazu im Ratgeber „Offen gesagt“ der Deutschen Seniorenliga, „Machen Sie sich klar, dass es kein Zeichen von Sturheit ist, sondern von Angst, Trauer und Kränkung“.

Gehen Sie behutsam vor und vermeiden Sie Vorwürfe. „Ich mache mir Sorgen um Dich“ ist für den Betroffenen leichter zu akzeptieren als Kritik an seinem Fahrstil, heißt es darin. Machen Sie deutlich, dass Sie hinter ihm stehen und gemeinsam mit ihm eine Lösung finden möchten, die seiner Sicherheit dient.

Bieten Sie Hilfe zum Erhalt der Automobilität, bei Fahreinschränkungen oder dem Verzicht aufs Auto an. „Unsere Eltern haben uns 10.000 Mal überall hingefahren – das können wir doch auch mal zurückgeben“, sagt dazu Klaus Wülbers.

Raten Sie Ihren Angehörigen zu regelmäßigen freiwilligen Gesundheitschecks. Der Hausarzt beispielsweise kann Risiken aus medizinischer Sicht erläutern und so zum „Verbündeten“ für die Sicherheit des Betroffenen werden.

Weigert sich der Betroffene, kann er nicht zur Führerscheinabgabe gezwungen werden. Nur die Fahrerlaubnisbehörde kann einen Führerschein entziehen – und nur nach konkretem Nachweis der Untauglichkeit, beispielsweise einem Unfall. Zuvor muss der Betroffene selbst ein teures Gutachten anfertigen lassen.

Fahrsicherheitstrainings bietet unter anderem die Verkehrswacht Oldenburg an. Neben den „ständigen“ gibt es ab dem 29. März ein spezielles Training der Landesverkehrswacht mit „erlebnisorientierten Lernformen und praxisnahen Übungen“ für sicheres Fahren im Alter unter dem Titel „Fit im Auto“. Veranstaltungsort ist das Gelände am Artillerieweg. Die Kosten betragen 30 Euro. Termine und Infos gibt es bei Rolf Schatz unter Tel. (0176) 81 24 97 36.

VWG-Vergünstigungen gibt es nach Rückgabe des Führerscheins innerhalb eines Jahres und gegen Vorlage eines Schreibens der Führerscheinstelle sowie des Personalausweises – das sind entweder 40 kostenlose Einzelfahrscheine oder ein Jahres-Fahrausweis für 260,40 Euro (statt 520,80 Euro).

Einen Selbsttest hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) erstellt. Dieser ersetzt nicht den Besuch beim Arzt, lässt aber eine erste Einschätzung zur Fahrfitness zu:

Die Rückgabe der Fahrerlaubnis ist bei der Führerscheinstelle, Stiller Weg 10, möglich.

Alles Aktuelle für Senioren im Nordwesten lesen Sie in unserem Senioren-Spezial.


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Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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