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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Warum VWG-Busse E-Scooter oft stehen lassen

26.02.2019

Oldenburg Ein Busunternehmen, das den Fehler darin sieht, einen Fahrgast mitgenommen zu haben – das kann man sich auch nicht ausdenken. Was zunächst komisch klingt, ist aber ein großes Ärgernis für Menschen, die bei der Fortbewegung auf Hilfe angewiesen sind. Stellvertretend dafür steht Britt Beckmann aus Brake.

Die 58-jährige ist häufig in Oldenburg, weil sie bis vor kurzem noch hier wohnte und auch Ärzte in der Stadt weiterhin aufsucht. Dabei ist sie auf einen sogenannten E-Scooter angewiesen – ein Elektromobil für Menschen mit Gehbehinderung. Wegen eines teilamputierten Fußes ist Laufen für Beckmann kaum noch möglich.

Erklärung fehlt

Der E-Scooter wäre zur Aufrechterhaltung der Mobilität eine tolle Sache – wenn da nicht das Busfahren wäre. Denn schon mehrfach („bestimmt zehn bis 20 Mal“) hätten sie Busfahrer nicht mitgenommen und an der Haltestelle stehen lassen. Ohne wirkliche Erklärung, wo eigentlich das Problem liegt. Andere Male durfte Beckmann wiederum mitfahren.

Wie Anfang Januar. Die 58-Jährige war zu Besuch in Oldenburg und fuhr mit der Linie 301 problemlos nach Eversten und dann auch wieder ein Stück zurück. Später am Tag wollte sie an andere Stelle, nämlich vom Sodenstich aus, mit der Linie 314 zum Bahnhof fahren. Abgelehnt. Doch wie soll man zum Beispiel Zugfahrten planen, wenn man nicht weiß, ob der Bus einen mitnimmt?

Der Aufkleber zeigt: Der E-Scooter ist für die Mitnahme im Bus zugelassen. Bild: Privat

Dabei wähnte sich die 58-Jährige mit ihrem Gefährt auf der sicheren Seite. Der Hersteller des Elektromobils, von der Krankenkasse genehmigt, verspricht in einem Begleitschreiben, dass das Modell „die Kriterien und technischen Mindestvoraussetzungen an E-Scooter/Elektromobile zur verkehrssicheren Beförderung in Linienbussen des ÖPNV“ erfüllt. Bezug genommen wird dabei auf einen Erlass, der die Beförderungspflicht bundesweit regelt.

Freche Antwort

Kommentar

Patrick Buck

Skandal: Bus nimmt Fahrgast mit – eine solche Schlagzeile gehört eigentlich in die Sack-Reis-Kategorie. Aber bei der VWG scheint es ja eine Besonderheit zu sein, dass einer der Fahrer sich an die eigenen Beförderungsbedingungen hält und Britt Beckmann mit ihrem E-Scooter hat einsteigen lassen. Diesem Fahrer dann in einem Brief an die Kundin auch noch einen Fehler zu unterstellen, ist gegenüber dem Mitarbeiter ziemlich mies. Dass der gehbehinderten Dame zudem grundsätzlich von der Busnutzung abgeraten wird, obwohl drei Viertel der Fahrzeuge sie mitnehmen könnten, ist schon frech. Lösungen, wie sie ihre Reise sicher planen kann, wären gefordert. Aber es seien ja nur noch ein paar Monate, bis die gesamte Flotte umgerüstet sei, schrieb der VWG-Prokurist an die NWZ. Subtext: Bis dahin kann die Dame ja zu Hause bleiben.

Patrick Buck über das Verhalten bei der VWG

Das war auch nötig, denn lange gab es im gesamten Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) ein Mitnahmeverbot für E-Scooter. Man verwies unter anderem auf die Rutsch- und Kippgefahr. Bei der letzten großen Diskussion zu dem Thema vor vier Jahren stellten die von vielen Seiten kritisierten Verkehrsbetriebe aber eine Regelung in Aussicht.

Die gibt es nun. Laut Erlass, der seit März 2017 gültig ist, dürfen E-Scooter mitfahren, die unter anderem maximal 1,20 Meter lang sind, vier Räder haben und mit einem beidseitigen Bremssystem fixiert werden können. Das steht genauso auch in den Beförderungsbedingungen der VWG. Und genau diese Kriterien erfüllt der E-Scooter von Britt Beckmann. Ein entsprechender Ausweis und ein großer blauer Aufkleber am Gefährt machen das kenntlich. Damit funktioniert das Mitfahren laut Beckmann auch problemlos – beim Weser-Sprinter von Brake nach Oldenburg, den die Firma Gebken & Gerdes betreibt. Sobald die VWG ins Spiel kommt, hat Beckmann plötzlich Probleme.

„Fehler des Fahrers“

Warum das so ist, begründet VWG-Prokurist Morell Predoehl mit einem Detailhinweis auf den besagten Erlass. Demnach müsse auch der Bus für den Transport der E-Scooter geeignet beziehungsweise dafür zugelassen sein. Dies sei Beckmann auch in einem Brief als Antwort auf ihre Beschwerde mitgeteilt worden. Darin steht der bemerkenswerte Satz: „Dass Ihnen also die Mitfahrt in einem Bus der Linie 301 gelungen ist, ist dann nur auf einen Fehler und ein Versäumnis des Fahrers zurückzuführen.“

Weiterhin wird der 58-Jährigen geraten, „von Versuchen, mit Ihrem E-Scooter Busse der VWG nutzen zu wollen, vorerst Abstand zu nehmen.“ Diese Aussage widerspricht zum einen den eigenen Beförderungsbedingungen. Zum anderen berichtet Predoehl auf NWZ-Anfrage, dass durch die beschleunigte Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen die Mehrheit der Busflotte E-Scooter mitnehmen könne. „Derzeit sind allerdings ca. ein Viertel unserer Fahrzeuge noch nicht geeignet.“ Er gehe davon aus, dass durch weiteren Austausch bis Anfang 2020 alle Busse E-Scooter mitnehmen könnten.

Der Brief, der Beckmann dennoch vom Mitfahren abrät, trägt neben der Unterschrift von Betriebsleiter Carsten Atzler auch die von Predoehl.

Bei Britt Beckmann hat der ganze Ärger schon so weit geführt, dass sie ungern nach Oldenburg kommt, weil sie nie weiß, wie sie dort mit den Bussen vorankommt. Denn eine Vorabinformation über die Möglichkeit, ihren E-Scooter mitzunehmen, könne laut Predoehl nicht angeboten werden: „Unsere Fahrzeuge werden täglich neu und in Abhängigkeit von Sondereffekten oft sogar stündlich disponiert, eine verlässliche und verbindliche Beauskunftung für eine E-Scooter-Mitnahme ist daher nicht möglich.“

Patrick Buck Redakteur / Redaktion Oldenburg
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