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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Schlag gegen Thai-Bordelle: Auch Haus in Oldenburg durchsucht

19.04.2018

Oldenburg /Delmenhorst /Bremen Menschenhandel und Rotlicht: Es handelt sich um die größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme der Bundespolizei seit ihrem Bestehen, auch Kräfte der GSG9 sind landesweit im Einsatz. Ziel und Grund der Großrazzia ist eine sehr spezielle Form der Prostitution, so bestätigt Oberstaatsanwalt Alexander Badle von der federführenden Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt auf NWZ-Anfrage.

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62 Objekte – Bordelle, Wohnungen und Büros - wurden und werden bundesweit zeitgleich durchsucht, auch in Delmenhorst, Bremen und im Oldenburger Osten waren Beamte im Einsatz: In einem Gewerbegebiet an der Holler Landstraße hat es nach NWZ-Informationen eine Razzia gegeben.

Klar aber ist: Es ist ein wuchtiger Schlag gegen Zwangsprostitution und damit auch gegen die Organisierte Kriminalität, der seit den frühen Morgenstunden läuft. Sieben dringend Tatverdächtige wurden wegen des Verdachts des „gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, der gewerbs- und bandenmäßigen Zwangsprostitution, der Zuhälterei, des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt sowie der Steuerhinterziehung“ bislang festgenommen. Bargeld wurde insgesamt bundesweit in Höhe von 248.000 Euro sicher gestellt.

Insgesamt hat die Generalstaatsanwaltschaft 54 Beschuldigte im Alter von 26 bis 66 Jahren ausgemacht. Hauptbeschuldigt sind eine 59-jährige Thailänderin und ihr 62-jähriger deutscher Lebensgefährte aus Siegen (NRW). „Hierzu soll die Hauptbeschuldigte in Zusammenarbeit mit unbekannten, in Thailand befindlichen Personen, in Thailand gezielt Frauen und Transsexuelle angeworben und diese mit erschlichenen Schengen-Visa für touristische Zwecke, die nicht zur Einreise und Aufenthalt zum Zweck der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit berechtigen, ausgestattet haben. In Deutschland angekommen, sollen die Frauen und Transsexuellen zunächst überwiegend in drei Bordellbetrieben in Siegen, die seit 2006 von der thailändischen Hauptbeschuldigten und ihrem deutschen Lebensgefährten betrieben werden, der Prostitution nachgegangen sein.

Die hierbei erzielten Einnahmen sollen von der thailändischen Hauptbeschuldigten zunächst vollständig einbehalten worden sein, zur Begleichung der vermeintlich durch die Schleusung entstandenen Kosten, die mit Beträgen zwischen 16000 bis zu 36000 Euro veranschlagt wurden, und zur Erstattung der Kosten für Miete und Verpflegung in den Bordellen“, so die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Und: „Nach einer gewissen Verweildauer in den Siegener Bordellbetrieben sollen die Prostituierten in einer Art Rotationsprinzip in andere Bordellbetriebe des Netzwerks im gesamten Bundesgebiet verbracht worden sein.“

Um 6 Uhr startete die Razzia in einer groß angelegten Aktion – 1527 Beamte der Bundespolizei sind im Einsatz (in Niedersachsen und Bremen zusammen 220 Beamte), unter anderem an neun Objekten in Niedersachsen (zwei in Hannover, jeweils eines in Delmenhorst, Göttingen, Bad Nenndorf, Bad Pyrmont, Wolfsburg, Goslar und eben Oldenburg). Es ist nach Nordrhein-Westfalen (17) und Hessen (10) das Bundesland, in dem die meisten Objekte durchsucht werden, so die Generalstaatsanwaltschaft. Auch in Bremen wurden zwei Bordelle durchsucht. Tatsächlich soll es sich dabei um „sehr spezielle Bordellbetriebe“ handeln, wie es heißt. In der Hauptsache würden dort „transsexuelle Dienstleistungen“ nachgefragt werden, aber eben auch thailändische Frauen ihrer fragwürdigen Arbeit nachgehen.

Fraglos scheint, dass besagte eingeschleusten Thailänderinnen „ihren Schleuserlohn zu 100 Prozent abarbeiten müssen“, so Ralf Löning von der hiesigen Bundespolizei auf NWZ-Nachfrage. Die Frauen seien selbst nur Opfer, tatsächlich seien „die Hintermänner für uns interessant, das ist organisiert“, so Löning.

In Oldenburg an der Holler Landstraße wurden am Mittwochmorgen indes nur zwei Personen angetroffen, offenbar hatten sich die Behörden da deutlich mehr erhofft. Trotzdem wurde das ehemalige Ladenlokal mit angeschlossener Werkstatt komplett nach Beweismitteln durchforstet. In der Vergangenheit wurde das unscheinbare Gebäude im Gewerbegebiet als Bordell betrieben.

„Größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme seit Bestehen der #Bundespolizei!“, ließen es die Behörden in allen Bundesländern wenige Minuten nach Einsatzbeginn um 6 Uhr via Kurznachrichtendienst Twitter verlauten. Das benachbarte Bundesland Nordrhein-Westfalen soll Schwerpunkt der Kontrollen sein. Übrigens nicht zum ersten Mal: Düsseldorf, Essen, Köln. 2017, 2016, 2015. Und so weiter und so fort. Immer wieder greifen die Behörden hier mit Unterstützung von Zoll und städtischen Ordnungsämtern ein und zu, trotzdem lässt sich dem riesigen, sich ständig neu reproduzierenden Netzwerk aus Sex und Gewalt kaum beikommen.

Zum Hintergrund: Ende 2015 hatte es eine Fachtagung der Polizeiakademie in Oldenburg zum Thema Menschenhandel gegeben, dort wurde ein düsteres Bild gezeichnet: Zu einer hohen zweistelligen Zahl wurde damals wegen moderner Sklaverei und Zwangsprostitution ermittelt, „Die Dunkelziffer dürfte um ein vielfaches größer sein“, so hieß es seinerzeit. Und: „In mehr als 80 Prozent der Fälle seien ausländische Frauen die Opfer.“

Nicht viel anders scheint es auch bei der aktuellen Großrazzia – sind sonst größtenteils junge Frauen aus dem Osten Europas Grund und Ziel der Ermittlungen, sollen sich die Behörden diesmal vorwiegend auf Frauen aus Thailand fokussiert haben, heißt es.

Das Problem: Nur selten lassen sich die Hintermänner auch greifen oder gar verurteilen. Die Prostituierten, selbst Opfer in dieser fürchterlichen Lage, wollen oftmals nicht gegen die hauptverantwortlichen Täter aussagen. Entweder aus Angst vor den Zuhältern und Schleusern, oder aus Angst vor den Behörden, mit denen sie in ihrer Heimat schlechte Erfahrungen gemacht hätten.

Im aktuellen Geschehen aber scheint die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt guter Dinge zu sein – noch nie hat es eine Razzia der Bundespolizei in dieser Größenordnung gegeben.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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