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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Das Minutenprotokoll zur Notfallkette

20.07.2018

Oldenburg Sind elf Minuten viel Zeit oder doch viel zu wenig, um im Notfall richtig reagieren zu können? Eine Woche nach dem Zwischenfall am Melkbrink – hier war ein Lkw gegen die Eisenbahnbrücke geprallt – hat die NWZ nach Recherche nun weitere Informationen zum Notfallsystem der Deutschen Bahn AG zusammengetragen. Sie zeigen, dass bei dem Unfall offenbar nicht alles so gelaufen ist, wie es hätte laufen sollen und können. Die Ereignisse:

Gegen 14.53 Uhr kracht ein mit E-Bikes beladener Lkw aus dem Landkreis Ammerland gegen die Eisenbahnbrücke. Der Aufbau reißt ab, ein vorbeifahrender Radfahrer wird von herunterstürzenden Teilen getroffen, der 42-jährige Fahrer des Lkw ebenso.

Um 14.54 Uhr geht ein erster Notruf bei der Polizei ein „Lkw an Brücke hängengeblieben, Radfahrer gestürzt, kaum ansprechbar“, heißt es vom Anrufer.

Sekunden später wird die Großleitstelle Oldenburger Land über das Geschehen informiert, die Rettungskräfte gen Bürgerfelde entsandt. Kurz darauf soll auch die Weser-Ems-Leitstelle der Bundespolizei in Bad Bentheim über den Vorfall informiert worden sein. Zumindest wird der Fall dort um 15.01:40 Uhr im System angelegt. Um 15.02 Uhr fährt ein Güterzug von Wilhelmshaven nach Oldenburg über eben diese Brücke. Eine Streckensperrung gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht.

Um 15.03 Uhr informiert die Weser-Ems-Leitstelle der Bundespolizei in Bad Bentheim das Oldenburger Revier. Schließlich verständigt die hiesige Bundespolizei um 15.05 Uhr die Notfallleitstelle der DB Netz AG in Hannover über den Vorfall, letztere gibt diese Information wenige Augenblicke später weiter an den Notfallmanager vor Ort. Um 15.10 Uhr – je nach Sichtweise schon oder erst 16 Minuten nach der Erstinformation – trifft dieser Sachverständige der Deutschen Bahn am Melkbrink ein und begutachtet den Schaden, 15 Minuten vor Ankunft des nächsten hier erwarteten Personenzuges. Dieser Techniker prüft, ob die Widerlager noch an Ort und Stelle sind und gibt die Strecke dann wieder frei.

Wie ist vor diesem Hintergrund nun also die Durchfahrt des Güterzugs, der unter anderem Container des Unternehmens Stolt-Nielsen (Umschlag von Chemikalien-, Erdölprodukte und Gase) geladen hatte, zu bewerten?

Elf Minuten zwischen Notruf und Abordnung des Prüftechnikers wie auch einer zumindest potenziell nötigen Sperrung der Strecke sind angesichts der Informationskette immens. „Für Außenstehende ist es ein sehr langer Weg“, heißt es von der Bundespolizei, „es gab parallel allerdings weitere Einsätze wie Personen im Gleis – manchmal überschlägt es sich.“ Und: „Normalerweise geht das alles schneller.“ Sprich: Das durchgetaktete Notfallsystem hat in diesem Fall nicht gegriffen, der Güterzug hätte die Brücke aufgrund der um 15.02 Uhr unbekannten Risikolage eigentlich nicht befahren sollen. Allerdings relativiert man bei der Bahn – die sich bei der Verzögerung im Übrigen außen vor wähnt –: „Brückenanfahrtschäden gibt es immer wieder“, so ein Sprecher in Hamburg, „aber zum allergrößten Teil beeinflussen diese nicht die Tragfähigkeit, wie in diesem Fall.“ Trotzdem sei gerade am Melkbrink auch die Stadt prophylaktisch gefordert: „Es könnten Höhenbegrenzungen aufgestellt werden, damit so etwas nicht passiert“, heißt es in Hamburg. Denn offenbar genügten ja die zahlreich hier aufgestellten Warnschilder allein nicht.

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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