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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Eine gekritzelte Bombendrohung und ihre Folgen

11.01.2019

Oldenburg Da ist diese auf einen Zettel gekritzelte Drohung in der Bank. Da sind die Panik schürenden Anrufe von Unbekannt in Oldenburger Kindergärten. Und da sind die schnell durchs Netz kursierenden Gerüchte ob einer Geiselnahme.

Dieser Donnerstagmorgen ist für die Anwohner der Volksbank in der Alexanderstraße mindestens so aufregend wie für die Einsatzkräfte der Polizei. Um kurz nach neun Uhr geht dort in der Großleitstelle der Notruf ein – eine Bank-Mitarbeiterin hat kurz zuvor im Briefkasten ein ominöses, handschriftlich hingekritzeltes Erpresserschreiben gefunden. Demnach habe der Unbekannte eine Bombe im Gebäude platziert, wolle Geld. Viel Geld.

Rasch sind die ersten Polizeikräfte vor Ort, schließlich wird sicherheitshalber auf Evakuierung entschieden. Obwohl der Brief anscheinend „nicht sonderlich professionell“ und damit grundsätzlich wenig glaubwürdig erscheint, muss „eine tatsächliche Gefährdungslage ausgeschlossen“ werden, so Polizeisprecher Stephan Klatte.

Binnen weniger Minuten ist ein Großaufgebot der eigenen Kräfte im Einsatz – rund 40 Beamte sind direkt vor Ort, sperren den möglicherweise gefährdeten Bereich großräumig ab, sichern das Gelände. Viele weitere Kollegen ermitteln derweil im Hintergrund.

Mitarbeiter und Anwohner aus den Nebengebäuden werden vorsorglich hinaus gebeten; im Superbiomarkt schräg gegenüber gibt es für sie Kaffee, Kürbissuppe wird in Aussicht gestellt. Die Stimmung im Cafébereich ist relativ entspannt. „Uns geht es gut“, werden beruhigende Sätze in die Mobiltelefone gesprochen. Das tut offenbar Not, denn in Sozialen Medien mutmaßen erste bereits eine Geiselnahme.

„Nein, wirklich nur ein Drohbrief“, erklärt Einsatzleiter Norbert Münch vor Ort. Und der wurde nicht auf postalischem Wege verschickt, sondern direkt vor Ort in den Briefkasten eingeworfen.

Ergo werden Ermittler und Sprengstoffspürhunde ins Gebäude entsandt, die Volksbank „einmal komplett auf den Kopf gestellt“, wie es dort heißt. Und noch einmal wird die öffentlichkeitswirksame Maßnahme erklärt: „Wir müssen den Inhalt verifizieren und klären, ob es eine ernstzunehmende Drohsituation oder vielleicht doch nur ein Streich ist.“

Die Spurensuche wird auch Tage später noch auf Hochtouren laufen - „erste Ansätze eines Tatverdachts“ mochte die Polizei aber nicht bestätigen. Angesichts des vorliegenden Schriftstücks handelt es sich um echte Detailarbeit bei der Ermittlung. Als vorteilhaft erweist sich offenbar die umsichtige Handhabe der Bank-Mitarbeiter: „Der Notfallplan hat großartig funktioniert“, wird Matthias Osterhues (Vorstand Volksbank) später sagen, „da wir häufiger mit Überweisungsbetrug konfrontiert werden, wissen unsere Kollegen, wie mit solchen Schriftstücken umzugehen ist.“

Derart bedacht ist nicht jeder in diesen Stunden. Bei verschiedenen Kindergärten im Stadtgebiet gehen Anrufe von einer oder mehreren Personen ein, die sich als Polizeibeamte ausgeben und dazu auffordern, dass Eltern verständigt werden und ihre Kinder aufgrund der Bombendrohungen sofort abholen sollen. „Diese Amtsanmaßung können wir nicht akzeptieren“, sagt Stephan Klatte, „hier wurde grundlos Panik verbreitet. Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung.“ Auch gegen diese Personen werde nun ermittelt.

„Darf ich mein Auto kurz wegfahren?“ – „Ich muss nur rasch zur Apotheke!“ – „Wir haben Lachgas im Haus...“: Die Begründungen, weshalb Passanten ins scharf abgesperrte Gebiet Einlass erhalten wollen, sind vielfältig. Abgewiesen werden sie jedoch alle. Bis etwa 11 Uhr. „Einsatz beendet“, heißt es da plötzlich via Funk. Dass keine Bombe gefunden worden war, es ganz offenbar auch keine Bedrohungslage gab, wird schnell im nahen Umfeld der Bank mitgeteilt.

Das sorgt auch im gegenüberliegenden Schulzentrum für Entspannung – hier wurde laut Polizei zwischenzeitlich zwar über eine Evakuierung nachgedacht, dann aber aufgrund der gesammelten Erkenntnisse nicht umgesetzt. Bereits am Mittag war die Volksbank-Filiale wieder geöffnet, die Sperrungen aufgehoben. Die Ermittlungen gegen den Verfasser des Schriftstücks und die unbekannten Anrufer aber laufen.

Für die Mitarbeiter der Volksbank-Filiale an der Alexanderstraße war das Schreiben des Unbekannten laut Osterhues „eine Hiobsbotschaft“ - zwar werde jährlich eine ähnliche Notfall-Situation geübt, bislang sei es aber noch nie zu einer echten Bedrohung dieser Art gekommen. Um so wichtiger, dass alles reibungslos funktionierte, so Osterhues. Das galt insbesondere für die Zusammenarbeit mit der Polizei, die „das alles sehr sehr professionell umgesetzt hat“.

Auch Hauptgeschäftsstellenleiter Christian Görres, der die Polizei nach Lektüre des Briefes verständigte, war noch am Abend voll des Lobes für Einsatzkräfte wie Mitarbeiterschaft. „Den Kollegen lag sehr viel daran, heute weiter zu arbeiten“, sagt er, „alle sind vor Ort geblieben, wollten die Normalität wieder herstellen.“ Ein vergleichbares Geschehen hätte er in seiner hier elfjährigen Tätigkeit bislang nicht erlebt - „nein, der moderne Bankraub wird ja eher mit Überweisungsbetrug versucht.“

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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