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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Gerettet wird ab sofort elektrisch

08.08.2019

Oldenburg Es hat ein Martinshorn und Blaulicht auf dem Dach. Hupe, Blinker, Rückspiegel – alles da. Doch das Gefährt, mit dem einst Golfspieler über den Rasen von Loch zu Loch gefahren sind, kann noch mehr: Mit einer eingebauten Trage können die Johanniter nun Verletzte transportieren.

„Wir wollten ein Fahrzeug für Blankenburg, da wir dort auch eine Sanitätsstation haben“, sagt Rettungswachenleiter Rainer Schmitz. Und von da aus wurde weiter gesponnen: „Für das Stadtfest oder den Kramermarkt ist das auch optimal.“ Bislang macht sich ein Vierertrupp mit Trage auf den Weg, um in der Stadt Menschen zu Hilfe zu eilen. Jetzt können sie mit den kleinen Golfmobil ausrücken. Der Vorteil: Es bietet etwas mehr Privatsphäre für den Patienten, ruckelt weniger und ist mit Blaulicht und Martinshorn ausgestattet. Zudem hat es einen extrem kleinen Wendekreis, perfekt für den Einsatz in Menschenmengen oder engen Gassen.

Patienten bis 230 Kilo

Von der Stange gab es das Fahrzeug nicht, es ist Marke Eigenbau. Daran beteiligt war Notfallsanitäter Markus Maas. „Ich bin ausgebildeter Kfz-Mechaniker“, sagt er. Daher konnte er bei allen Schritten Hand anlegen. Schweißen, Schrauben, Elektrik – das alles stemmte er mit Kollegen. Dabei mussten sie sich alles selbst überlegen. „Es war ein bisschen so wie Lego, nur ohne Bauplan“, sagt Maas mit einem Schmunzeln.

Doch zunächst mussten die notwendigen Stellen von der Sinnhaftigkeit eines Golfwagens überzeugt werden. Danach konnten zwei dieser Exemplare angeschafft werden. Eines kommt aus Hamburg, eines aus Bayern. „Dieses wurde uns sogar kostenfrei geliefert, weil der Verkäufer unsere Idee so gut fand“, sagt Niels-Holger Brunkau, Fachbereichsleiter Einsatzdienst. Kostenpunkt je Fahrzeug: 3000 Euro. Die Wägelchen mussten straßentauglich gemacht werden (Stichwort Leuchten, Blinker, Rückspiegel) und innen wie außen den Ansprüchen an den Einsatz genügen. Beide haben die rettungsfahrzeugtypische Lackierung erhalten und Blaulicht auf dem Dach. In ein Fahrzeug wurde zusätzlich zu den Sitzplätzen noch eine Trage montiert. Diese wurde den Johannitern ebenfalls kostenlos als Dauerleihgabe überlassen, ansonsten hätten sie dafür rund 17 500 Euro zahlen müssen. Denn im Gegensatz zu den etwas günstigeren herkömmlichen Tragen, die komplett manuell bedient werden müssen, läuft bei der nun eingesetzten Variante alles automatisch.

Neugierige Blicke

Niels-Holger Brunkau zieht die Trage hinten aus dem Rettungsfahrzeug. Das neongelbe Gestell fährt aus und bringt die Liegefläche in die richtige Höhe. Jetzt heißt es Platz nehmen. Brunkau und Markus Maas schnallen Füße, Beine und Oberkörper fest. Die Liege samt Kopfstütze ist erstaunlich bequem. Im Notfall können Patienten bis 230 Kilogramm transportiert werden. Den Kopf voraus werden Verletzte wieder ins Golfwägelchen hineingefahren. An der Seite stets Markus Maas, der erklärt, was passiert.

Das Dach des Wagens schiebt sich ins Blickfeld, so richtig viel Platz ist nicht. Vielleicht 25 Zentimeter. Da das Gefährt aber zu allen Seiten offen ist, ist das kein Problem. Niels-Holger Brunkau nimmt am Steuer Platz und setzt das Gefährt in Bewegung. Es ruckelt und quietscht ein bisschen. Markus Maas geht im Schritttempo auf Patientenseite neben dem Wagen her, was immens beruhigend ist. „Ich bleibe die gesamte Zeit hier“, erklärt.

So sah das Fahrzeug in der Umbauphase aus. BILD: privat

3000 Euro für ein gebrauchtes Golfmobil

Der Golfwagen wurde in Amerika gebaut. Er ist etwa 3,60 Meter lang und fährt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometern in der Stunde. Für die Straßenzulassung in Deutschland mussten einige Anpassungen vorgenommen werden. Unter anderem musste die englische Beschriftung auf dem Lenkrad übersetzt werden. Daher ist dort sinngemäß zu lesen: Wird das Gaspedal getreten, setzt sich das Fahrzeug in Bewegung.

Die Kosten liegen bei etwa 3000 Euro für ein gebrauchtes Fahrzeug. Dazu kommen Ausgaben für den Umbau und die einzubauenden Elemente. Je nach Ausführung kann ein solches Fahrzeug dann zwischen 15000 und 25000 Euro kosten.

Wer sich für die Arbeit der Johanniter interessiert, kann sich an den Ortsverein wenden. Gesucht werden immer Ehrenamtliche, die sich einbringen möchten. Das geht natürlich im Sanitätsdienst, aber auch im Psychosozialen Notfalldienst oder der Hundestaffel. Infos gibt es unter

Mehr Infos: http://bit.ly/2gvjdzk

Von der Alten Fleiwa geht es Richtung Eschenstraße. Radfahrer bleiben stehen, Autofahrer gucken. Klar, das Mobil ist neu, es zieht noch Blicke an. Im Ernstfall ist dies für einen Patienten aber vermutlich egal. Da kommt es vor allem auf die Hilfe an. Doch für wen oder welche Fälle ist solch ein fahrbarer Untersatz geeignet? „Betrunkene“, nennt Brunkau ein Beispiel, „verstauchte Knöchel“ ein weiteres. Aber auch für schwerwiegendere Notfälle: „Wir haben pro Jahr beim Kramermarkt zwei bis drei Herzinfarkte“, sagt der Fachbereichsleiter.

Mit ihrem Vehikel waren die Johanniter jüngst bei der Rettungsmesse Rettmobil in Fulda. „Da haben wir gemerkt, dass das Interesse daran riesig ist“, sagt Brunkau. Nachfragen kamen von den Flughäfen Frankfurt und München, und auch „der Betreiber eines Erlebnisparks wollte direkt mehrere bei uns kaufen“, sagt Maas. Doch die Johanniter bauen die Fahrzeuge nicht, schon gar nicht für kommerzielle Zwecke.

Acht Prozent Steigung

Dafür verleihen sie ihre Wagen, jüngst war es etwa in Garrel bei einem großen Fußballturnier im Einsatz. „Es ist so geländegängig, wie es auf einem Golfplatz ursprünglich notwendig war“, erklärt Brunkau. Es schafft eine Steigung von acht Prozent, die Reichweite liegt voll aufgeladen bei 60 bis 80 Kilometern. Von der ursprünglichen Idee, einen Verbrennungsmotor zu nutzen, habe man sich schnell verabschiedet. „Zum einen liegt dort nicht die Zukunft“, sagt Brunkau, „zum anderen können wir den Wagen auch in geschlossenen Räumen einsetzen, wie etwa in der Weser-Ems-Halle“.

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Mareike Weberink Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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