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Aktualisiert vor 4 Minuten.

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Versuchte Tötung löst Großeinsatz aus

NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Oldenburger Senioren können Führerschein gegen Bustickets tauschen

06.02.2018

Oldenburg Wenn Laufen oder Radfahren mit dem Alter mühsamer werden, ist für viele Senioren das Auto Garant für die individuelle Mobilität. Mit dem Alter nimmt allerdings auch die Fahrtauglichkeit ab, weil etwa Augen und Gehör, vor allem aber Konzentration und Reaktionsvermögen nachlassen. Doch da dieser Prozess meist schleichender verläuft, wird er weniger stark wahrgenommen. Nicht selten werden Senioren dadurch in Unfälle verwickelt.

Was die Zahlen zeigen

2016 gab es laut Polizei 5072 Verkehrsunfälle, davon 1040, an denen Autofahrer über 65 Jahren beteiligt waren. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, 2007 waren es noch halb so viele.

Auffallend ist dabei auch der Anstieg der Senioren als „Hauptverursacher“, wie es die Polizei nennt. Wurden damals 222 Unfälle – weniger als die Hälfte – von den Senioren verursacht, waren es zuletzt 714. „Es sind aber in der Regel nicht die schweren Unfälle, die von Senioren verursacht werden“, betont Bernhard Stegemann von der Polizei Oldenburg. „Am häufigsten sind Parkplatzrempler oder Fehler beim Abbiegen.“

Beispiel Biberach

Seit einigen Jahren gibt es Kampagnen, die älteren Menschen den Verzicht aufs Autofahren schmackhaft machen wollen, um die Zahl der Unfälle mit Seniorenbeteiligung zu senken. Viele Kommunen werben etwa mit Ermäßigungen für den öffentlichen Nahverkehr, wenn die Senioren ihren Führerschein abgeben oder ungültig machen lassen. Zuletzt ließ die Stadt Biberach (Baden-Württemberg) mit der Nachricht aufhorchen, dass seit Jahresbeginn 50 Senioren ihren Führerschein freiwillig abgegeben haben. Sie erhielten dafür eine kostenlose Jahreskarte für den städtischen Nahverkehr im Wert von knapp 520 Euro.

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VWG muss nachbessern

Im Landkreis Ludwigsburg können Menschen ab 65 Jahren noch bis Ende 2020 ihren Führerschein abgeben und dafür ein Jahr lang kostenlos im gesamten Netz des vier Landkreise umfassenden Verkehrsbetriebes VVS fahren. Die Kosten von rund 550 Euro teilen sich Stadt und Verkehrsbetrieb.

In unseren Breiten nehmen sich derlei Angebote noch vergleichsweise bescheiden aus. Der Landkreis Ammerland etwa bietet Senioren für die Führerschein-Abgabe eine Genussbox mit Ammerländer Spezialitäten und zehn Einzelfahrscheine an.

Was die VWG anbietet

In Oldenburg bietet die Verkehr und Wasser (VWG) umstiegswilligen Senioren Vergünstigungen an. Sie bekommen das Jahresabo MIA oder MIA plus für das Stadtgebiet für die ersten sechs Monate gratis (Wert: 265,80 bis 304,80) oder zehn kostenlose Vierer-Tickets (Wert 82 Euro).

Dazu müssen sie beim Ordnungsamt ihren Führerschein abgeben und erhalten ein Formular über den „Verzicht auf die Fahrerlaubnis“, wie es offiziell heißt.

Gegen Vorlage des Formulars erhalten sie in einem der beiden VWG-Kundencenter die gewünschte Ermäßigung, erklärt VWG-Pressesprecherin Sarah Paulsen. Nach Auskunft der VWG haben im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 54 Menschen die kostenfreien 40 Einzeltickets erhalten. Die Jahreskarte zum halben Preis wird ein- bis zweimal pro Monat angenommen.

Was Senioren bewegt

Gegenüber den Angeboten anderer Kommunen scheint die Nachfrage unter den Senioren in Oldenburg relativ überschaubar. Offenbar wird die Einschränkung der Mobilität als so gravierend eingeschätzt, dass Gratis-Busfahrkarten dies kaum kompensieren können.

Allerdings haben Senioren oft überschaubare Wege – zum Einkaufen, zum Arzt oder Treffen in der Nähe. Das sind Wege, für die ein eigenes Auto nach Expertenmeinung auch wirtschaftlich durchaus verzichtbar sein könnte.

„Die Autos vieler Senioren haben heute noch einen guten Wiederverkaufswert“, sagt Rolf Schatz. Der Ex-Polizist ist für die Verkehrswacht tätig, unter anderem bei Fahrtrainings für Senioren. „Ich sage unseren Teilnehmern oft, verkaufen Sie ihr Auto, tun Sie das Geld in eine Truhe oder Kassette und bezahlen Sie davon bei Bedarf Taxis oder Mietwagen. Ich bin sicher, sie werden das Geld nicht aufbrauchen und sparen zugleich noch die laufenden Kosten für das Fahrzeug.“

Doch den Führerschein abzugeben, bedeutet für viele Senioren, ein Stück ihres selbstbestimmten Lebens aufzugeben; schlimmer noch, womöglich ein Eingeständnis, „schon tüdelig“ zu sein.

Was die Polizei rät

Umso schwieriger ist auch für die Polizei der richtige Umgang mit dem Problem. „Ich wurde oft von Angehörigen angesprochen, viel seltener von den Betroffenen selbst“, erzählt Rolf Schatz. „Die besten Erfahrungen habe ich damit gemacht, Hausärzte ins Boot zu holen. Die kennen die Gesundheit ihrer Patienten am besten und haben das nötige Vertrauensverhältnis zu ihnen.“

Mit den Fahrtrainings für Senioren bietet die Verkehrswacht älteren Fahrern eine Möglichkeit, selbst zu testen, wo sie leistungsmäßig stehen. Gemeinsam mit Fahrlehrern üben sie neuralgische Manöver wie Bremsen, Einparken oder das Verhalten im Kreisverkehr und können sich mit neuer Technik im Auto vertraut machen. Neue Kurse starten in den kommenden Wochen und finden dann bis zu dreimal im Monat statt.

„Es ist aber ausdrücklich keine Fahrtüchtigkeitsbescheinigung“, betont Schatz. „Anders herum drängen wir niemanden dazu, das Autofahren aufzugeben. Die Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.“ Zwang könne nur ein allerletztes Mittel sein, so Schatz. Für sinnvoll hält er aber verpflichtende Gesundheitsuntersuchungen, wie es sie für Lkw- und Busfahrer seit Jahren gibt. „Das sollte ruhig, wie bei den Kraftfahrern, schon ab 50 Jahren sein. Und bei der Gelegenheit könnte man auch die Erste-Hilfe-Kurse wieder auffrischen.“

Fahrtraining

Wer an einem Fahrtraining für Senioren interessiert ist, wendet sich an Rolf Schatz, Tel. 0176/81249736.

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