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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Ein Wettkampf, der an und auf die Nerven geht

27.08.2018

Oldenburg Sie schreit. Schlägt um sich. Schreit, reißt sich los, rennt. Und schreit. Schon wieder. Und immer noch. Was Merle Klemmt mit den wackeren Einsatzkräften der Ortsfeuerwehren an diesem Samstag so veranstaltet, ist für diese absolut nervtötend. Für die Bürger Oldenburgs aber ist das aller Ehren wert. Mindestens. Doch der Reihe nach.

Panik macht sich breit. Quasi allüberall in Oldenburg, und das zeitgleich um kurz nach 14 Uhr: Auf dem AWB-Gelände gibt’s einen bösen Gefahrgutunfall, bei der Bäko hat sich Insekten- und Pflanzenschutzmittel gefährlich ausgebreitet, währenddessen wird eine Verpuffung bei Famo am Osthafen gemeldet, ein Mensch muss dort aus dem Wasser gerettet werden. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, stehen dazu noch eine Brandbekämpfung bei Beenken und ein Atemschutznotfall im Keller der eigenen Feuerwache 2 an. Hatten wir übrigens schon die massenhaften Verletzungen im Zentrallager des Klinikums erwähnt?

Doch gemach, gemach: Alles nur eine Übung, eine angekündigte noch dazu. Der sogenannte „Stadtwettkampf“ der Ortsfeuerwehren – sie müssen an je sechs Stationen unterschiedliche Aufgaben gemäß ihrer Leitlinie „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ erfüllen – hat am Wochenende eben selbige in helle Aufregung versetzt. Schließlich weiß kein „Freiwilliger“, was ihn an den bis dato unbekannten Brennpunkten erwarten mag. Und mit Merle Klemmt hatte da garantiert niemand gerechnet.

Die junge Frau ist eines der vielen „Opfer“ auf dem Gelände des Klinikum-Zentrallagers, und sie alle machen ihre Sache überaus gut. Weil: realistisch. „Mega-Stress“, sagt Mitorganisator Thomas Drückhammer (Zugführer SEG), sei das für die Beteiligten. Alles bestens also. Denn auch wenn am Ende ein Pokal die Ortsfeuerwehr mit den meisten hier wie dort gesammelten Punkten auszeichnen wird, steht doch der Lerneffekt aller Kräfte und Gruppen im Vordergrund.

Also agiert und schreit Merle, wie es auch bei einem echten Unglück passieren kann. Unaufhörlich. Und sorgt so dafür, dass sich das bis dato sorglose Lächeln manch eintreffender Kräfte gleich in Anspannung wandelt.

„Natürlich darf dieser Wettkampf grundsätzlich auch Spaß machen“, so Stadtbrandmeister Bernhard Möller späterhin, „aber diese Einsätze haben einen ernsten Hintergrund. Und so empfinden es auch die Beteiligten.“

Für Amtsleitung und Einsatzkräfte sei es nicht entscheidend, wer gewinnt, so Möller. Wichtig sei nur, was unterm Strich von Verletztensuche, Lageerkundung, Reanimation, Taktik, Technik, Teamwork und Motivation stehe. Da tun sich am Ende, so viel seit verraten, vor allem die Mitglieder der Ortsfeuerwehr Ofenerdiek mit Gruppenführerin Corinna Bruschke hervor. Punktemäßig seien indes alle Ortsfeuerwehren (neben den Oldenburgern auch die Gastfeuerwehr Wardenburg) eng beieinander gewesen. Wie eng genau und aufgrund welcher Handlungen – das werden die Teilnehmer nicht erfahren. Allerdings gibt es Direktrückmeldungen an den jeweiligen Übungsorten („Es wird nichts schöngeredet, aber auch nicht diskutiert“, so Möller), auch ein Nachgespräch mit den Gruppenführern wird noch folgen.

Spannend ist allemal zu sehen, wie unterschiedlich ein und dieselbe Schadensmeldung gehandhabt werden kann. Bei der einen Truppe werden Verletzte zentral versammelt, bei anderen werden Betroffene voneinander getrennt. Die einen kümmern sich zunächst um die Lauten, die anderen um die Stillen („Wer schreit, muss nicht reanimiert werden“, heißt es da kurz und knapp vor Ort). Körperlich wie psychisch ist dieser Wettkampf eine enorme Herausforderung. Mit einer Abarbeitung aus dem Lehrbuch käme man hier nicht allzu weit. Aber: Gibt es wiederkehrende, übergreifende Fehlerquellen, dann muss in der Ausbildung entsprechend feinjustiert werden. Darüber wird die Amtsleitung zu befinden haben.

So anstrengend der Tag war, so gemütlich wurde der Abend. Beim diesjährigen Veranstalter – der Osternburger Ortsfeuerwehr – gab’s den gemeinschaftlichen Abschluss samt Pokalübergabe an die Kameraden aus Ofenerdiek. Letztere hatten übrigens in den 70er Jahren die ersten eher spartanischen Übungswettkämpfe ausgerichtet. Angeblich ganz ohne Geschrei, so ist zu hören.

Lesen Sie auch: Sie lassen’s krachen – Multimedia-Reportage über die Pyrotechniker der Realisten Unfalldarstellung der Oldenburger Johanniter-Unfall-Hilfe

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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