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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Ruhe bewahren, dies ist nur eine Übung!

06.12.2018

Oldenburg Straßensperren, ein Großaufgebot an schwer bewaffneten Polizisten, zahlreiche Schaulustige, dann Schüsse: Rund um den Rigaer Weg im Nordosten der Stadt herrscht am Mittwochmittag für kurze Zeit der Ausnahmezustand. Doch gemach, gemach: Grund zur Panik besteht nicht – es handelt sich dabei lediglich um eine Einsatzübung.

Üblicherweise werden hier auf der Ohmsteder Polizeidienststelle, wo sich die Ereignisse just überschlugen, Anzeigen aufgenommen, Fahrräder registriert, auch Streifentätigkeiten und Ermittlungen vorgenommen, der „Kundenkontakt“ gepflegt. An diesem Tag aber ist hier vieles anders, die Dienststelle kurzerhand zur Wohnung umfunktioniert. Zumindest nominell und fürs nötige Tatort-Szenario. Was hinter den Wänden jedoch tatsächlich passiert, wer sich darin befinden mag und wie die Beamten mit dieser „Bedrohungslage“ (so die Alarmierung) hier und jetzt umzugehen haben, erfahren sie erst peu à peu.

Erstmal in die Schleuse

Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen sind den überraschten Einsatzkräften indes schon um 13.45 Uhr bekannt: Eine Ärztin aus der Karl-Jaspers-Klinik (KJK) in Bad Zwischenahn hatte mitgeteilt, dass eine Patientin „abgängig“ (also verschwunden) sei und ihren Suizid angekündigt habe. Also ein durchaus authentisches Szenario. Binnen weniger Augenblicke werden Streifenwagen zur Suche entsandt, Namen, Äußeres, Anschrift und persönliche Hintergründe der Frau parallel geklärt.

Während die Kollegen auf der Wache und in den Streifenwagen da also immer tiefer in die Übung gezogen werden, hören in- und externe „Beobachter“ und „Schiedsrichter“ der Polizeiinspektion via Funk mit, machen sich Notizen über Verlauf und eingeleitete Maßnahmen. „Zwei Waffen aus Schützenvereinsheim entwendet“, heißt es dann kurze Zeit später, „Auto gestohlen“ ebenso – „möglicherweise sind die Tochter und der Ex-Mann gefährdet“.

So läuft eine Übung ab

Nur ein kleiner Kreis an Beamten wird vorab von der jeweiligen Dienststelle über Übungen in Kenntnis gesetzt, gemeinsam dann mögliche „Handlungsstränge“ und Aufgaben durchgesprochen. Auch die Großleitstelle ist daran beteiligt.

Die offizielle Alarmierung erfolgt auf der Wache via Lautsprecher und direkt in die Einsatzfahrzeuge.

Dass es sich um ein bloßes Training handelt, vergessen die Einsatzkräfte rasch – jede Übung ist wie eine Echtlage zu behandeln.

Unmittelbar nach der Übung werden Gedanken zum Einsatz ausgetauscht. Externe bewerten das Geschehen, schreiben einen Bericht.

Summa summarum 65 Kräfte der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland sind zu diesem Zeitpunkt im Einsatz, die meisten von ihnen vor Ort in Übungsmontur. Sprich: mit Helmen, Schutzwesten und sogenannten FX-Waffen – das sind spezielle Trainingswaffen mit Markierungsmunition. Letztere haben sie an einer Zufahrtsschleuse am Hochheider Weg gegen ihre scharfen Pistolen ausgetauscht, bringen sie schließlich am Rigaer Weg zum Einsatz.

Hier sperren sie die Straße weithin ab, sichern das vorgebliche Wohnhaus der Gesuchten. Denn: Die offenbar verängstigte Tochter hat sich laut Vorgabe im Bad eingeschlossen und die Polizei kontaktiert – weil sich die bewaffnete Mutter davor bös’ mit ihrem Vater streitet. Die Einsatzkräfte sind also gewarnt – Passanten, NWZ-Leser und Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter ebenso, denn über den eigenen Kanal gewährt die Behörde Einblicke in die Übung.

„Alles voller Gewehre!“

Trotzdem sind Anlieger augenscheinlich verunsichert. „Alles voller Maschinengewehre hier!“, schreit da einer in sein Handy, andere Wartende an einem Bushalt wechseln daraufhin schnell die Straßenseite. Der Hinweis „Das ist nur eine Übung!“ erreicht anscheinend nicht jeden. Andere kommentieren wiederum mit „Ach, Ihr spielt hier nur!“ und laufen stumpf weiter durch die Sperrung.

Während die Lage vor Ort unübersichtlich scheint, die „Tochter“ des Hauses plötzlich auf die Straße und in die Arme der Einsatzkräfte flüchten kann, immer wieder bewaffnete Beamten über die Straßen rennen und sich hinter Wänden schützen, werden im Hintergrund die Verhandlungsgruppe und das SEK einberufen, mögliche Zugriffsvarianten durchgesprochen. Dann aber, es ist kurz nach 15 Uhr, fallen im umstellten Gebäude mehrere Schüsse. Hektik bricht sich bahn, kurz darauf stürmt ein vielköpfiges „Notzugriffsteam“ das Objekt. Weitere Schüsse fallen. Stille.

„Gebäude gesichert, Täterin am Boden, verletzte Person“, heißt es wenige Augenblicke später via Funk an alle. Rettungswagen werden vorgefahren, die Kunstblut-Schusswunde des „Ex-Manns“ versorgt, der Einsatz beendet. Die Übung aber ist’s noch lange nicht: Das Szenario wird direkt im Anschluss durchgesprochen, schlechter Laune Luft gemacht, gute Momente positiv bewertet.

Ziel erreicht

„Übungsziel“ erreicht, heißt es dann aber einvernehmlich am späten Nachmittag – wenngleich manch intern kritisierte Taktik offenbar noch einer Nachbereitung bedarf. „Sehr motiviert und engagiert“, loben auch die Schiedsrichter und dürften dies so im Abschlussbericht vermerken. Insofern sei man mit dem Ablauf sehr zufrieden, im Übrigen auch mit den schauspielerischen Leistungen der Kollegen.

Dass besagtes Szenario im Vorfeld nicht mit der KJK abgesprochen wurde, sollte dort zwar für Irritation sorgen – aber „sicher niemanden stigmatisieren“, wie es aus der Behörde mit Verweis auf weitere Übungen mit unterschiedlichen Themen und Aufgabenfeldern heißt. Und: „Solch eine Bedrohungslage passiert relativ häufig“.

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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