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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Sie sorgen für Begegnungen zwischen Tätern und Opfern

21.02.2019

Oldenburg Eine Stimmung, geprägt von Wohlwollen und Wertschätzung. Eine offene Gesprächsatmosphäre, Vertrautheit und Sensibilität. Was Daniela Hirt beschreibt, ist ihre Erfahrung im Pilotprojekt „Auf Augenhöhe – Opfer und Täter im Gespräch“ (OTG). Die Sozialpädagogin arbeitet für den Oldenburger Verein Konfliktschlichtung und war mit ihrem Kollegen Michael Ihnen für die Betreuung zuständig. Jetzt im Februar wurde es abgeschlossen. Alle Beteiligten sind sich einig: „Das muss weitergeführt werden.“

Über sechs Millionen Straftaten werden jedes Jahr in Deutschland begangen. Opfer leiden oftmals viele Jahre oder sogar ihr Leben lang unter den Folgen des Erlebten. Und auch für die Täter selbst ist der Vorfall ein gravierender Einschnitt in ihrem Leben.

Die Neuauflage...

Aufgrund der guten Erfahrungen soll das Projekt „Auf Augenhöhe – OTG“ fortgesetzt werden. Die Mitarbeiter des Oldenburger Vereins Konfliktschlichtung informieren deshalb an zwei Abenden Interessierte über den Projektverlauf des kommenden Durchgangs. Auch individuelle Einzel-Vorgespräche sind jederzeit möglich.

Die Termine für die Infoveranstaltungen sind jeweils dienstags: einmal am 5. März und einmal am 26. März jeweils von 17.30 bis 18.30 Uhr. Treffpunkt ist das Büro des Vereins an der Kaiserstraße 7. Kontakt über Telefon   2 72 93 oder per Mail an info@konfliktschlichtung.de. Die Webseite ist zu finden unter

www.konfliktschlichtung.de

Worum geht es genau? „Für das Pilotprojekt haben wir im Vorhinein nach Menschen gesucht, die Opfer einer Straftat geworden sind und nach Möglichkeiten suchen, Antworten zu finden und Täter, die bereit sind, diese Antworten zu geben“, erklärt die Vorsitzende des Vereins Konfliktschlichtung, Veronika Hillenstedt. Denn Fragen gibt es immer: Warum konnte der Täter so etwas tun? Hat er sich über die Folgen Gedanken gemacht? Was hat ihn dazu bewogen?

Drei gemeinsame Treffen

Teilgenommen haben fünf Personen, die Opfer einer Straftat geworden sind und zwei Männer, die wegen unterschiedlich schweren Taten in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Oldenburg inhaftiert sind – von schwerer Körperverletzung bis hin zu Mord. Außerdem wurden drei weitere Personen ausgewählt, die keine persönlichen Erfahrungen gemacht haben; also eine allgemein-gesellschaftliche Perspektive einnehmen konnten.

Die Vorbereitungen zum Projekt begannen im Juni 2016, die ersten Sitzungen starteten Anfang 2018. „Etwa ein Jahr dauerte die intensive Phase“, sagt Daniela Hirt. In dieser gab es Einzel-Vorgespräche mit allen Teilnehmenden, dann mehrere Sitzungen, in denen beide Projektgruppen sich getrennt voneinander getroffen haben. Dann wurde es ernst: Die Gruppen trafen insgesamt dreimal in der JVA aufeinander. „Alle waren natürlich aufgeregt und sehr gespannt im Vorhinein“, berichtet Ihnen. Auch für die beiden Projektbetreuer seien die Gruppensitzungen sehr intensiv und eindrucksvoll gewesen.

„Inhaltlich geht es um die Auseinandersetzung mit dem Tatgeschehen sowie um all die Themenfelder und Emotionen, die damit in Verbindung stehen: Schuld, Scham, Verantwortung, Reue, Versöhnung“, konkretisiert Ihnen weiter. Welche weitreichenden Folgen eine Tat im Leben eines Betroffenen haben kann, das sei den Tätern nicht klar gewesen, erzählt der Pädagoge. Die Täter seien jetzt – Jahre nach ihrer Tat – in Kontakt mit ihren eigenen Gefühlen gekommen. Dass sie dazu bereit waren, ist nicht selbstverständlich, weiß Daniela Hirt. „Wir sind dankbar für die Offenheit. Sie haben sich auf das Projekt eingelassen und sich mit den Fragen auseinandergesetzt.“ Begleitet wurden die Gruppentreffen von dem Psychologen der JVA, „jederzeit konnten sich alle Projektbeteiligten an diesen wenden. Außerdem stand es allen frei, das Pilotprojekt auch abzubrechen“, so Daniela Hirt.

Sie versucht zu visualisieren: „Ich habe immer das Bild vor Augen, wie ein Stein ins Wasser geworfen wird. Der ist ganz schnell auf dem Boden angekommen. Doch an der Oberfläche zieht er Kreise. Es dauert lange, bis sich das Wasser wieder komplett beruhigt hat.“ So sei es auch bei Straftaten. Zeit sei ein enorm wichtiges Stichwort. Mitunter dauere es viele Jahre, bis eine Erfahrung gut verarbeitet sei. Was dieses Bild außerdem zeigt: „Nicht nur Täter und Opfer sind betroffen. Angehörige, Nachbarn, Menschen desselben Viertels, derselben Stadt – sie alle sind ein stückweit involviert. Vielleicht sogar das ganze Land.“

Rückfälle verhindern

Laut Hirt seien die Gesprächsrunden heilsam für beide Seiten: „Eine der Teilnehmerinnen – vor einigen Jahren wurde ihre Tochter ermordet – hat gesagt, das Projekt habe in ihr eine innere Ordnung wieder hergestellt; sie sei ruhiger und klarer geworden und gebe sich nicht mehr selbst die Schuld.“

Doch, das machen Ihnen und Hirt ganz deutlich, abgeschlossen ist der Verarbeitungsprozess auch nach Projektende nicht. „Sowohl auf Täterseite als auch bei denjenigen, die Opfer einer Gewalttat geworden sind, wurde eine neue Art der Aufarbeitung angestoßen. Das wird noch lange nachklingen und arbeiten. Und das ist auch sehr gut so“, beschreibt Ihnen. Die Hoffnung des Projektteams ist klar umrissen: „Die Rückfallquoten verringern sich nach solchen Täter-Opfer-Ausgleichen nachweislich. Bei unserem Projekt gibt es noch keine Evaluation, aber wir glauben daran, dass es auf jeden Fall präventiven Charakter hat“, beschreibt Veronika Hillenstedt.

Deshalb ist das Ziel auch naheliegend: „Wir würden uns wünschen, dass es solche Gesprächsrunden als dauerhaftes Angebot gäbe. Daran müssten alle ein Interesse haben“, macht Hillenstedt deutlich.

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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