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Drei tatverdächtige Männer nach Axt-Angriff in U-Haft
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Überfall In Oldenburg
Drei tatverdächtige Männer nach Axt-Angriff in U-Haft

NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Todesschütze nur wegen Waffenbesitzes verurteilt

24.02.2018

Oldenburg Die tödlichen Schüsse an der Nadorster Straße in Oldenburg auf einen 65-Jährigen am 27. Juli 2017 und die Attacke auf dessen fünf Jahre jüngeren Bruder hat das Gericht als Notwehr eingestuft. Die Oldenburger Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Sebastian Bührmann hat am Freitag den 38-jährigen Angeklagten nur wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Mit dem Urteil erfüllte die Kammer den Antrag von Oberstaatsanwalt Florian Eiser.

Rechtlich gesehen seien zwar die Tatbestände Totschlag, versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung erfüllt, die Taten seien aber aufgrund einer Notwehrlage gerechtfertigt gewesen, sagte Richter Bührmann. Der Angeklagte, der in Haft bleibe, müsse nun aber damit leben, einen Menschen getötet zu haben.

Dreh- und Angelpunkt des ganzen Dramas ist das spurlose Verschwinden des Deutsch-Kurden Rezan Cakici. Der 29-Jährige wird seit dem 3. Juli vorigen Jahres vermisst. Die Familie des Verschwundenen ist der Überzeugung, dass der Angeklagte – Mitinhaber einer Trockenbaufirma an der Nadorster Straße – sowie zwei seiner Geschäftspartner mit dem Verschwinden des Ex-Rocker-Club-Mitglieds Cakici zu tun haben. Die beiden Geschäftspartner hatten sich in die Türkei abgesetzt. Blieb noch der Angeklagte für eine persönliche Konfrontation.

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Der bei der Tat schwer Verletzte ist der Vater des 29-Jährigen Vermissten. Der Getötete war dessen Onkel. Cakicis Vater hat im jetzigen Prozess als Nebenkläger teilgenommen. Es sei wohl das Schlimmste, was passieren könne, wenn der eigene Sohn verschwunden sei, sagte Richter Bührmann zu dem 60-Jährigen. Aber mit der Aktion gegen den Angeklagten seien Grenzen überschritten worden, die man nicht hinnehmen werde.

Am Tattag sollte der Angeklagte in den Geschäftsräumen der Trockenbaufirma zur Rede gestellt werden. Der 60-Jährige, der eine Waffe dabei hatte, hatte den Angeklagten zu einem letzten Gespräch gedrängt, seinen Bruder hatte er gleich mitgenommen.

Die Situation eskalierte. Die spätere Notwehrlage des Angeklagten wurde durch mehrere Indizien belegt. Einen Tag vor dem tödlichen Ereignis hatte der 38-Jährige der Polizei gemeldet, von der Familie Cakici ständig unter Druck gesetzt zu werden. Auch am Tattag, als die Situation außer Kontrolle geriet, hatte der Angeklagte versucht, die Polizei anzurufen. Der Hörer wurde ihm aber aus der Hand geschlagen.

Den Feststellungen zufolge hatte der später Getötete den Angeklagten dann mit einem Messer bedroht. Der Angeklagte wich zurück, zückte seine Waffe und gab zwei Warnschüsse in den Boden ab. Der 65-Jährige kam immer näher. Er war nur noch 50 bis 80 Zentimeter entfernt, da schoss der Angeklagte das Magazin leer. Er traf den 65-Jährigen tödlich. Auf Cakicis Vater schlug er dann mit der Waffe ein, weil dieser zu seiner eigenen Waffe greifen wollte.

Richter Bührmann kritisierte scharf, dass alle Beteiligten wie selbstverständlich bewaffnet seien. Man werde das in Oldenburg nicht dulden. Kehrt nach dem Urteil nun Frieden ein? Wohl kaum. Cakicis Vater sagte zu dem Angeklagten: „Du bist der Mörder meines Bruders und meines Sohnes. Ich werde dich 100 Jahre lang verfolgen.“

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