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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Mehr Fragen als Antworten am zweiten Prozesstag

26.01.2018

Oldenburg Zweiter Verhandlungstag vor dem Landgericht, zweite Version des Geschehens vom 27. Juli 2017: Wie fielen die tödlichen Schüsse in einem Trockenbau-Geschäft an der Nadorster Straße? Und vor allem: weshalb? Nachdem vor zwei Wochen der 38-jährige Angeklagte seine eigene Sicht der Dinge geschildert und auf Notwehr verwiesen hatte, sollte am Donnerstag der 60-jährige Nebenkläger als Zeuge aussagen. Dass dies gleich dreimal so viel Zeit in Anspruch nahm, hatte seine Gründe: Da waren seine widersprüchlichen Aussagen zur zeitlichen Abfolge der Geschehnisse am Tattag, da waren Ungereimtheiten (Finanzen, Waffenbesitz), zu denen sich der in Bremen lebende Mann nicht äußern wollte. Und plötzlich drehte sich das Stimmungsbild im laufenden Prozess.

Darum geht es bei diesem Prozess

Am 27. Juli 2017 wird im Ladenlokal eines Trockenbau-Unternehmens an der Nadorster Straße der Onkel des vermissten Ex-Hells-Angel Rezan Cakici getötet, sein 60-jähriger Vater schwer verletzt.

Rezan Cakici, 29-jähriger Deutsch-Kurde mit langer Strafakte, war am 3. Juli spurlos aus einer Shisha-Bar an der Nadorster Straße verschwunden. Er soll zuvor in dubiose Geschäfte verwickelt gewesen sein.

Lesen Sie mehr über die Hintergründe zum Geschehen und zum Prozess in unserer Multimedia-Reportage „Oldenburg in Schockstarre“.

Schutzgelder, Hells Angels, ja sogar eine mögliche Auftragsarbeit in Bezug auf die tödlichen Schüsse wurden da thematisiert, ohne konkretisiert zu werden. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und auch Sebastian Bührmann (Vorsitzender Richter des Landgerichts) ließen mit ihren Nachfragen zwischenzeitlich die bisherige Souveränität des Zeugen schwinden.

Auf der anderen Seite der 38-jährige Angeklagte. Wie schon zum Prozessauftakt wagte er auch diesmal nicht, den Nebenkläger anzuschauen, sondern verharrte erneut mit gesenktem Blick in Stille. Bis der 60-Jährige schließlich zu seinen eigenen nebulösen „Geschäften“ im und mit dem Trockenbau-Unternehmen in der Nadorster Straße befragt wurde. Erstmals legte sich da ein kurzes Lächeln über das Gesicht des Angeklagten. Familienmitglieder in den Zuschauerbänken hoben erleichtert den Daumen, man tauschte vertraute, zufriedene Blicke aus. Was dies genau zu bedeuten hat, ließ sich am Donnerstag nur erahnen.

Klar aber ist, dass sich die Aussagen von Tatverdächtigem und Opfer nicht vollends decken. An besagtem Tag habe der 60-Jährige nach eigener Aussage vom Angeklagten nur wissen wollen, wo Rezan (sein seit Anfang Juli verschwundener Sohn) ist und warum Ali (Inhaber des Unternehmens) „mich töten will“. So sei es ihm zumindest vom 38-Jährigen – Teilhaber des Unternehmens – zugetragen worden.

Multimedia-Reportage: Oldenburg in Schockstarre

Verwandte des 60-Jährigen hatten ihm in Vernehmungen allerdings eine gänzlich andere Motivation für den Besuch unterstellt. Demnach wollte er sich vor Ort Geld abholen – „so 2000 Euro“, wie der Zeuge selbst am Rande sagte. Von „5000 Euro“, wusste indes sein Neffe zu berichten. „Bis zu 20 000 Euro“, behauptete die eigene Tochter. Geld, das ihm zustünde, weil er Aufträge und einen rumänischen Arbeiter für das Nadorster Unternehmen „vermittelt“ habe. Schwarz. Andere vermuten Schutzgelder dahinter – so habe sich auch der Angeklagte am Tattag geäußert.

Sichtbar unangenehm war ihm dieses Thema, also fokussierte er sich immer wieder auf den Vermisstenfall. „Ich will, dass über Rezan geredet wird – sonst ist diese Verhandlung unvollständig!“ Der 60-Jährige habe lange selbst nach seinem Sohn gesucht und recherchiert, nannte in der Verhandlung auch die Namen mehrer Personen, die etwas über Rezan wüssten, ja vielmehr für dessen Verschwinden verantwortlich seien. Darunter der Angeklagte, aber auch Hells-Angels-Mitglieder wie der Inhaber des Unternehmens. Letztere hatten sich nach dem Vorfall in die Türkei abgesetzt.

Lesen Sie hier mehr über die Hintergründe zum Geschehen und zum Prozess

Weil er sich wegen seiner Recherchen selbst in Gefahr vermutete, hätte er immer eine Pistole dabei gehabt. So auch am Tattag. Dass sein 65-jähriger Bruder ein Messer besitze, dies während des Streits im Unternehmen gegen den Angeklagten gezogen habe, konnte er sich entgegen früherer Aussagen nun nicht mehr erinnern. Er ließ über seinen Dolmetscher ausrichten: „Maßgeblich ist das, was ich hier sage.“

Wer hat wen überwältigt, wer hatte sich wann schützend in Nebenräume begeben? Woher stammt das Geld, wofür war es gedacht? Warum wollte der 60-Jährige nicht, dass der Angeklagte die Polizei ruft („Das klären wir so“)? Fragen von vielen, die es an den nächsten Verhandlungstagen zu klären gilt.

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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