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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Psychiatrische Abteilung in Oldenburg „ein Meilenstein“

20.07.2017

Oldenburg Volle Punktzahl für Koop und Co: Die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz hat der neuen psychiatrischen Abteilung in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg am Mittwoch einen „Meilenstein“-Status bescheinigt. Diese eigens für 266.000 Euro umgebaute Gefängnis-Station D3 an der Cloppenburger Straße wird die Zahl der Straftaten und Straftäter in Oldenburg und umzu vielleicht nicht verringern, möglicherweise aber doch eine bessere Prognose für Inhaftierte mit einer etwaigen psychischen Störung bewirken.

„Eine mangelnde psychiatrische Versorgung behindert den Weg aus der Straffälligkeit“, hatte Niewisch-Lennartz beim Eröffnungsrundgang (tatsächlich wird die Abteilung erst am 1. August in Betrieb genommen) gesagt. Diese Worte hatte sie sicherlich auch zu Beginn ihrer Amtszeit in großer Runde von den Anstaltsleitern in Niedersachsen zu hören bekommen, sich eine schleunige Milderung und die Einrichtung einer thematisch entsprechend orientierten Projektgruppe zur Aufgabe gemacht. Für die Inhaftierten, für eine wahrscheinlichere Resozialisierung. Der Abschlussbericht unterstrich schließlich das, was gefühlt schon lang als selbstverständlich galt: Eine psychiatrische Versorgung im Justizvollzug müsse analog zur Versorgungsstruktur der Allgemeinbevölkerung erfolgen. Und all das hier – die 20 für den baldigen Erstbezug hergerichteten Versorgungsplätze, ein überarbeitetes Konzept und weitreichende neue Behandlungswege – hat sie nun also davon.

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In den JVAs Sehnde und Lingen gibt es bereits ähnliche Abteilungen, auch in der Jugendanstalt Hameln entstehe bis November eine psychiatrische Station mit bis zu 22 Behandlungsplätzen, heißt es. Alles scheint – ungeachtet der im Vergleich zur landesweit hohen Inhaftiertenzahl eher minimalistischen Versorgungsfläche – im Fluss. Für Niewisch-Lennartz dürfte es nicht die letzte Eröffnung einer solchen Abteilung gewesen sein. Denn: „Die Entlassung psychisch Erkrankter ohne Behandlung bedeutet immer ein erhöhtes Risiko des Rückfalls“, wiederholt sie so stoisch wie überzeugt.

Kostenintensiv ist diese Sonderbehandlung, die für Betroffene eigentlich keine darstellen soll, allemal: Für den Personaleinsatz fallen jährlich Kosten in Höhe von rund 920.000 Euro an, heißt es.

Für die Justizministerin handele es sich allemal um einen „Spagat zwischen einer Haftstation und einer Psychiatrie, zwischen der Hilfe für andere und der eigenen Gesunderhaltung“, dies wiederum erfordere „ein hohes Maß an Professionalisierung“ – und eine „hohe Motivation für einen solchen Aufwand“, wie sie sagte. Und: „Die habe ich: Sie speist sich natürlich aus der Verantwortung für die betroffenen Häftlinge – nicht minder aus der Verantwortung für die Gesellschaft, in der ihre Patienten die Nachbarn von morgen sind.“ Und nicht zuletzt für die Mitarbeiter des Justizvollzugs.

Die wird sie im Übrigen schon bald wiedersehen. Weitere wichtige Besuchs-Termine stehen vor Ort an. Da wäre zum einen das Oldenburger Filmfest Mitte September, dem sich die JVA erneut als Spielstätte und so als „Brücke zwischen Innen und Außen“ andient. Zum anderen wird die Sicherheitszentrale des Gefängnisses auf den neuesten Stand gebracht. Auch dies dürfte Frau Ministerin zum Wiedersehen motivieren.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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