• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Schatz macht Schluss

04.01.2017

Oldenburg Den Schlüssel hat er abgegeben, der Lappen aber bleibt. Wie lange? Nun, da verlässt sich Rolf Schatz ganz auf seine Frau und den Hausarzt. Soll ja hinterher bloß keiner sagen, dass der Herr Hauptkommissar sich nicht an die jahrzehntelang selbst gepredigten Verhaltensgrundsätze halten würde!

Rolf Schatz ist 65. Seit gut einer Woche. Und fast ebenso lang ist er nicht mehr Verkehrssicherheitsberater der hiesigen Polizei. Zugegeben, das ist nun keine wahnsinnig lange Zeitspanne, aber immerhin doch ein erheblicher Einschnitt nach einem er- wie gefüllten Berufsleben. Immerhin 40 Jahre davon hat er bei der Polizei zunächst in grün und später in blau absolviert. Die längste Zeit war er dabei auf der Straße aktiv, auf Parkplätzen, auf Schulhöfen, auf Teststrecken. Hat Kindern erzählt, warum helle Kleidung auf dem Schulweg hilfreich sein kann. Hat Eltern ermahnt, ihre Kinder nicht direkt vor der Schule ein- und aussteigen zu lassen. Und hat renitenten Senioren die Möglichkeiten einer freiwilligen Führerscheinabgabe zu vermitteln versucht.

Viel hat Schatz zwar erlebt, all die Verkehrsopfer – in den 70er und 80er Jahren noch bei der Unfallaufnahme fürs 3. Polizeirevier Osternburg – aber nie gezählt. „Die Grausamkeiten und schrecklichen Bilder“ werde er dennoch nie vergessen, wie er sagt.

Wie viele kleine und große Oldenburger er indes mit seinen Tipps und Trainings von 1992, als er zum „Verkehrssicherheitsberater“ wurde, bis heute möglicherweise vor Verletzungen oder Schlimmerem bewahrt haben mag? Das weiß niemand. Einige weitere dürften in den nächsten Jahren aber sicher noch hinzu kommen. Denn auch wenn sich Schatz nun Pensionär schimpfen darf, hat er sein Leben längst noch nicht in den Ruhestand verlagert.

Für die Oldenburger Verkehrswacht bleibt der 65-Jährige auch weiterhin aktiv, wird künftig gemeinsam mit der VWG eine „Bus-Schule“ für Kinder organisieren, in der diese das Verhalten am und im Bus gezeigt bekommen – samt nachhaltiger Bremsprobe! Und was für Kinder gut genug ist, muss für Ältere ja nicht schlecht sein. Ergo hat Schatz auch da etwas in Planung: „Fit im Auto“ nennt sich das noch junge Projekt, das speziell Fahrer im Alter ab 65 Jahren ansprechen soll. Also quasi Leute wie Schatz.

„Das wird ein abgespecktes Fahrsicherheitstraining“, sagt er, „Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung werden vermittelt, aber auch grüppchenweise unter Beobachtung der anderen Teilnehmer gefahren...“ Die „Freiwillige Selbstkontrolle“ im Fahrzeug funktioniert schließlich nicht bei allen, Eitelkeiten aber um so besser. Ginge es nach Schatz, würden Autofahrer „50plus“ verpflichtend alle fünf Jahre zum Hör- und Sehtest müssen, außerdem einen regelmäßigen Theorieunterricht bestreiten. „Es ist doch so: Man hat den Führerschein von 18 bis zur Bestattung – und dazwischen muss man sich nicht mehr informieren“, erklärt Schatz ganz ohne Spitze, „das gilt leider auch für Erste-Hilfe-Kurse“.

Von einer Führerschein-Zwangsabgabe bei Über-90-Jährigen hält er indes nicht viel, er setzt lieber auf Logik und Gewissen. Abgesehen von möglichen gesundheitlichen Problemen und dem nur noch höchst seltenen Bedarf eines Fahrzeugs: Den Restwert ihrer Autos könnten Senioren nach einem Verkauf „gar nicht mehr bei Taxifahrten aufbrauchen“, sagt er.

Schatz dürfte wohl noch viele gute Jahre hinterm Steuer haben. Trotzdem hat er seine Frau schon einmal vorgewarnt: „Solltest Du bei mir gröbere Fehler feststellen, musst Du es mir sofort sagen!“ Für den Rest setze er ganz auf auf die neutrale Einschätzung wie Empfehlung seines Hausarztes. Und fänd’s prima, wenn es andere Autofahrer ähnlich handhaben würden.

Und auch der ein oder andere Radfahrer mal Einsicht zeige – ja, das wäre schön. „In Oldenburg ist das doch ein riesiges Problem“, sagt er, „die meisten wollen nur schnell von A nach B, ohne die Regeln zu berücksichtigen – da fahren sie auf der falschen Straßenseite, telefonieren während der Fahrt oder rasen bei Rot über die Ampel, auch wenn Kinder davor warten. Und von 100 Radfahrern zeigen vielleicht fünf beim Abbiegen die Fahrtrichtung an.“ Pauschale Urteile? Ach was, Erfahrungswerte! Da müsse man als Polizei „einfach häufiger schimpfen und meckern“. Denn trotz aller öffentlichen Klagen ist Schatz der Meinung, „dass wir hier in Oldenburg ein sehr gutes Radwegenetz haben. Mit weiteren Freigaben auf der Straße würde er „doch deutlich behutsam umgehen“.

Schatz macht nun zwar Schluss – in seine Ägide aber fallen viele Neuerungen, die ja vielleicht auch noch einige Zeiten im Oldenburger Straßenverkehr überdauern. Darunter beispielsweise die mit Viertklässlern konzipierten Fragebögen zur Verkehrsführung. Oder die Einführung von Elternverkehrshelfern an der Grundschule Ofenerdiek. Die baulichen Veränderungen am GAG, um Wendemöglichkeiten zu schaffen.

Viel hat sich der Hauptkommissar von uneinsichtigen Verkehrsteilnehmern in gleicher Dienstzeit anhören müssen, hat trotz aller inneren Gelassenheit, des „dicken Fells“ und „Millionen gefahrener Kilometer“ selbst schon im Auto über den Vordermann geschimpft. Auch privat. Gut möglich, dass er das als Pensionär noch häufiger tun wird. In allergrößter Not aber dürfte ihn dann seine Frau auf etwaige Grobheiten hinweisen – und an „all die wunderbaren Jahre“ im Dienste der Verkehrssicherheit erinnern. Es gab ja genug.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2107
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.